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Sammler veröffentlicht Lichtkunst-Band

Erste Bilanz über Kunstgenre Sammler veröffentlicht Lichtkunst-Band

Lichtkunstsammler Robert Simon bietet mit seinem Buch „Scheinwerfer. Lichtkunst in Deutschland im 21. Jahrhundert“ eine erste Bilanz der Lichtkunst in Deutschland – auch mit Werken aus seiner Sammlung.

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Verdreht – und doch richtungweisend: „Connexion“ (2013) von Albert Hien.

Quelle: Kunstmuseum Celle

Sie lassen Kerzen flackern oder Glühbirnen glimmen, verbreiten Neon- oder LED-Licht. Sie hängen Lampions in die Luft, leuchten durch perforierte Pappen oder in ansonsten trübe Tunnel und lassen Laserstrahlen durch den Himmel schneiden. Sie sind von der Ausstrahlung ihrer Kunstwerke überzeugt und unterstreichen selbstbewusst deren Wichtigkeit. „Licht ist Politik“, sagt der Lichtkünstler Mischa Kuball, Träger des Deutschen Lichtkunstpreises 2016. Und der Lichtkunstsammler Robert Simon behauptet gar: „Licht hat Gewicht.“

Nun, derart schillernde Thesen lassen sich jetzt auf erhellender Grundlage überprüfen – mithilfe eines ganz speziellen „Scheinwerfers“. So heißt das neue, von Julia Otto und Robert Simon, der Kuratorin und dem Direktor des Kunstmuseums Celle, herausgegebene Buch. Es erscheint zweisprachig auf Englisch und Deutsch und soll nichts Geringeres als eine Bestandaufnahme der Lichtkunst in Deutschland sein. Der Bildband ist auch ein Katalog der beiden „Scheinwerfer“-Ausstellungen, die das Kunstmuseum in Celle 2013 und 2014 veranstaltet hat – doch das sozusagen nur nebenbei.

Denn in dem opulenten Buch sind deutlich mehr Werke zu sehen, als in den beiden Lichtkunstschauen gezeigt werden konnten. Der Horizont der Ausstellungsmacher geht ohnehin über die 60 hier repräsentierten Künstler hinaus. Denn den Ausstellungen ging die Erkenntnis voraus, dass sich rund 150 Künstler in Deutschland als Lichtkünstler einstufen lassen.

Darunter ist der Lichtkunstpionier und Zero-Künstler Otto Piene (1928–2014), dessen Andenken der Band gewidmet ist. Darunter sind international agierende Künstler wie Heinz Mack, gleichfalls Zero-Künstler, Katsuo Katase aus Japan oder Michael Sailstorfer, aber auch (über)regionale Größen wie Claudia Wissmann oder Timm Ulrichs. Auf einer Doppelseite ist die mehr als drei Meter große Installation „Connexion“ (2013) von Albert Hien zu sehen, und eine Aufklappseite zeigt Vollrad Kutschers „Lichtspieltheater“ in der Celler Bahnhofsunterführung. Alle Künstler werden in ausführlichen Einzeldossiers beschrieben. In seiner Einleitung erinnert Simon daran, dass das Kunstmuseum Celle, das er sich als welterstes 24-Stunden-Museum hat patentieren lassen, besonders für Lichtkunstpräsentationen geeignet ist – weil es eben Lichtkunstwerke auch nachts auf und hinter der gläsernen Fassade des Gebäudes präsentiert. Und Julia Otto, die Kuratorin des Hauses, deutet in einem weiteren Text darauf hin, dass Lichtkunst vielleicht so etwas wie die Kunst der neuen Zeit sein könnte – und zählt immerhin 20 Lichtkunstfestivals auf, die sich seit der Jahrtausendwende rund um den Globus etabliert haben.

Entstanden ist so ein Werk, das nicht nur gewichtig, sondern auch rund zwei Kilo schwer ist. Wie Lichtkunst mit solcher Gewichtigkeit zurechtkommt, hat bei der Präsentation des Buches im Kunstmuseum Celle übrigens der Künstler Boris Petrovsky ausprobiert. Gleich 260 Bildbände hat er auf zwölf Neonröhren aufgeschichtet, das sind immerhin 520 Kilo. Licht hat Gewicht? Petrovskys Installation zeugt jedenfalls davon, dass Licht viel Gewicht ertragen kann.

Julia Otto, Robert Simon: „Scheinwerfer. Lichtkunst in Deutschland im 21. Jahrhundert“. Mit 204 farbigen Abbildungen. Kerber-Verlag. 264 Seiten, 38 Euro.

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