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Samy Deluxe rappt mit Ensemble Musica Alta Ripa

"Continuum" Samy Deluxe rappt mit Ensemble Musica Alta Ripa

Barock-Arie trifft auf Sprechgesang: Beim musikalischen Leibniz-Projekt "Continuum" sind Herr Sorge, alias Samy Deluxe, und das Musik-Ensemble Musica Alta Ripa in der Neustädter Hof- und Stadtkirche aufgetreten.

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Herr Sorge, alias Samy Deluxe, mit dem Ensemble Musica Alta Ripa in der Neustädter Hof- und Stadtkirche.

Quelle: Villegas

Neustadt. Das rührige Team von „SchlossAkkord“ hatte viel versprochen. Der musikalische Höhepunkt des Leibniz-Jahres sollte es werden. Das war nicht unerreichbar, denn meist erklangen zu Ehren des Universalgelehrten doch kluge Wort und eher selten Musikstücke – ein gewichtiges Preisträgerkonzert des Kompositionswettbewerbs „Leibniz’ Harmonien“ steht allerdings noch aus. Der anspruchsvolle Titel des tönenden Leibniz-Projekts: „Continuum“. Das bedeutet „etwas zusammenhängendes“ und zumindest formal stimmt das, weil bei dieser Cross-Over-Aktion musikelektronischer Sound und Sprache ineinander übergingen. Und inhaltlich kann sich diese einstündige Reflektion über Tod, Vernunft und Vollkommenheit darauf zurückziehen, dass letztlich alles mit allem zusammenhängt; zumal bei einem Globaldenker wie Leibniz.

Barock-Arie trifft auf Sprechgesang: Beim musikalischen Leibniz-Projekt "Continuum" treten das Ensemble Musica Alta Ripa und Rapper Samy Deluxe auf.

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Zu erleben war dies alles in der Neustädter Hof- und Stadtkirche, die immer noch so heißt und nicht Leibniz-Kirche. Dabei wäre hier eine Umbenennung naheliegender als beim unschuldigen Beethoven-Saal, der künftig Leibniz-Saal heißen soll. Dabei wäre, wenn man schon den Ruf des Genies ausbeuten will, die Hindenburgschleuse viel passender als Umtaufobjekt gewesen: Vom Wasser und der Wasserkraft verstand Leibniz einiges.

Als einstige Hofkirche birgt sie die Gebeine („Ossa Leibnitii“) des verstorbenen Hofrats. Jetzt war die Grab- eine Gast-Stätte. Und am Ende legte der sprechende und rappende Gastgeber Herr Sorge (auch bekannt als Samy Deluxe) den zahlreichen Besuchern nahe, doch heim Hinausgehen eine Hand auf das Grab zu legen.

Herr Sorge hatte hörbar einen Teil seines Fansklubs mitgebracht, der wohl eher selten mit Barockmusik und Countertenören zu tun hat, aber sich einfangen ließ.

Er zitierte Leibniz’ Mutmaßungen über die Unsterblichkeit und fügte die Hoffnung an, mit Tonträgern den Tod überleben zu können – wovon Musiker halt so träumen.

Hannovers Barock-Trumpfkarte Musica Alta Ripa ließ instrumental die Israeliten lamentieren und begleitete gewohnt agil die Händel-Arien, die Countertenor Valer Sabadus klangschön vortrug. Allerdings kam die Akustik der Hofkirche seinem Vokalfluss mehr entgegen als demeigentlich auf Transparenz zielenden Klang der kleinen Kapelle.

Seine stärksten Momente hatte dieser Sprach- und Klangbilderbogen, wenn sich Rapper und Countertenor verbanden, wenn der Sänger auch dazwischen funkte. Danya Segal, die Mutter des Ganzen, durfte mit zwei Kolleginnen blockflötentirilieren und Herr Sorge klagte, dass ihm die Vernunft auf den Fersen gewesen sei, aber ihn niemals eingeholt habe. Eine durchaus philosophische Einsicht. Seine Schlussweisheit, dass Vollkommenheit ein Ort sei, an dem die Sonne scheint, ist allerdings eher schlagertauglich als diskursfördernd. Der Begeisterung schadete das nicht. Schließlich bleibt uns, laut Leibniz, neben der Vernunft noch ein zweiter Weg, die zufällige Wahrheit zu erkennen: die Erfahrung.
Und die konnte man hier mit Hörspaß sammeln und zwar, wie versprochen, kontinuierlich.

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