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Roß ist die neue Stimme der jüdischen Musik

Musikhochschule Hannover Roß ist die neue Stimme der jüdischen Musik

Drei Jahre nach dem Abschied von Andor Izsák hat das Europäische Zentrum für Jüdische Musik endlich wieder eine Leiterin: Sarah Maria Roß ist die neue Stimme der jüdischen Musik in Hannover. Ein zentrales Anliegen des Instituts soll aber die Beschäftigung mit synagogaler Musik bleiben. 

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„Wir brauchen Offenheit in allen Richtungen“: Sarah Maria Roß vor der Villa Seligmann.

Quelle: Rainer Surrey

Hannover. Sind die fetten Jahre hier vorbei? Statt in der repräsentativen Halle der Villa Seligmann wird eine bemerkenswerte Personalie für das hannoversche Kulturleben in einem beengten Raum im Dachgeschoss des Prachtgebäudes verkündet. Hier stellt Susanne Rode-Breymann, die Präsidentin der Hochschule für Musik, Theater und Medien, die Nachfolgerin von Andor Izsák als Leiterin des Europäischen Zentrums für Jüdische Musik vor: Seit dem 1. Oktober hat Sarah Maria Roß den seit Iszáks Emeritierung vor drei Jahren verwaisten Lehrstuhl inne.

Die 38-jährige Musikwissenschaftlerin und -ethnologin steht an der Spitze des Hochschulinstituts – nicht aber der Villa Seligmann. Das Haus wird von der Siegmund-Seligmann-Stiftung mit Izsák als Ehrenpräsident an der Spitze wie bisher als Veranstaltungszentrum betrieben. Die Hochschule ist einfacher Mieter unter dem Dach. „Unten ist Andor Izsák, oben sind wir“, fasst Rode-Breymann die Situation zusammen.

Seit Mai 2013 hat sich die Hochschule auch mithilfe externer Experten bemüht, ein neues Profil für die Professur am Europäischen Zentrum zu finden. Ganz einfach wird das nicht gewesen sein: Die Arbeit Izsáks war vor allem auf die Sammlung von Orgeln und synagogaler Musik sowie die Veranstaltung von Konzerten ausgerichtet. „Die Lehre war bei ihm nicht so sehr im Zentrum“, sagt Rode-Breymann. Mit der Berufung von Sarah Maria Roß ändert sich das: Erstmals werden an dem Hochschulinstitut nun auch Studenten ausgebildet. Die Bedingungen dafür sind günstig: Die neue Stelle wird von Bund und Land in den ersten fünf Jahren finanziell außergewöhnlich gut ausgestattet.

Feldstudien in Griechenland geplant

In ihren Vorlesungen will die Professorin, die in Rostock über jüdisch-feministische Musik in Amerika promoviert und an der Uni Bern mit „Überlegungen zu einer Musikethnologie der Nachhaltigkeit“ habilitiert wurde, einen „Überblick über die verschiedenen Spielfelder der jüdischen Musik“ geben. „Wenn wir wollen, dass jüdische Musik wieder fester Bestandteil des gesellschaftlichen Lebens wird, brauchen wir Offenheit in alle Richtungen“, sagt Roß. Im kommenden Jahr wird sie das Ergänzungsfach „Jüdische Musikstudien“ anbieten, bei dem Studierende, die später in unterschiedlichen Bereichen als Musiklehrer, Kulturschaffende oder Journalisten arbeiten, mit dem Thema vertraut gemacht werden, um es „in die Welt zu tragen“.

Ein zentrales Anliegen des Instituts soll aber die Beschäftigung mit synagogaler Musik bleiben. Dass man auch dieses von Izsák geprägte Thema weit fassen kann, zeigen die nächsten Pläne der Professorin: Eine ihrer Vorlesungen wird sich mit der Musik der Synagogen in Indien beschäftigen, für das kommende Jahr sind Feldstudien bei Splittergemeinden in Griechenland geplant. „Die Studenten sollen lernen, wie man Daten aufnimmt“, erläutert Roß. „Es reicht bei Weitem nicht aus, ein Buch in die Hand zu nehmen und die Dinge einfach nachzulesen.“

Öffentliche Antrittsvorlesung ist im Mai

Nicht zuletzt wegen solcher intensiven Forschungsarbeit dürfte das Europäische Zentrum fortan weniger präsent in der Öffentlichkeit sein. Sarah Maria Roß spielt selbst zwar Klavier, hat eine Gesangsausbildung und Übung im 
 Umgang mit den Instrumenten des indonesischen Gamelan-Orchesters – im beruflichen Sinne wird sie diese Fähigkeiten aber fortan kaum einsetzen: Der Neuaufbau ihres Instituts, die Lehrveranstaltungen und zahlreiche meist internationale Forschungsprojekte werden die junge Professorin voll beschäftigen.

Von Andor Izsák erhofft sich Hochschulpräsidentin Rode-Breymann, die auch zum Kuratorium der Seligmann-Stiftung gehört, dass er die Beletage der Villa Seligmann „noch viele Jahre“ auf gewohnte Weise bespielt. Das Europäische Zentrum für Jüdische Musik könne und wolle diese Aufgabe als Hochschulinstitut nicht übernehmen. Auf Konzerte mit Chormusik von Lewandowski braucht man in Hannover also bis auf Weiteres nicht zu verzichten.

Am 19. Mai hält Sarah Maria Roß ihre öffentliche Antrittsvorlesung in der Musikhochschule.     

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