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Schätze im Himmel – Bücher auf Erden

Herzog-August-Bibliothek Wolfenbüttel Schätze im Himmel – Bücher auf Erden

Bis zum 27. Februar 2010 präsentiert die Herzog-August-Bibliothek Wolfenbüttel die Ausstellung "Schätze im Himmel – Bücher auf Erden" mit mittelalterlichen Handschriften aus Hildesheim.

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Bücher fürs Seelenheil: Restaurator Heinrich Grau präsentiert eines der kostbaren Stücke.

Quelle: dpa

Wie ein Fels in der Brandung steht er da, statisch und fast unbeteiligt. Um ihn herum tobt der apokalyptische Kampf der Engel gegen die Mächte der Finsternis. Doch in aller Seelenruhe stößt der heilige Michael dem Drachen seine Lanze ins Maul, mit einer Lässigkeit, als würde er sich vorm Abschlag noch mal kurz auf seinen Golfschläger stützen. Die prächtige Miniatur findet sich im „Stammheimer Missale“, einem der kostbarsten Bücher des Mittelalters. Das reich illustrierte Messbuch wurde um 1170 im Scriptorium des Hildesheimer Michaelisklosters angefertigt. Im Jahr 1997 erwarb das Paul-Getty-Museum in Los Angeles das Buch. Jetzt ist das Missale erstmals wieder in Deutschland zu sehen – als Glanzstück einer der größten Ausstellungen, die es in der altehrwürdigen Herzog-August-Bibliothek in Wolfenbüttel je gab.

„Schätze im Himmel, Bücher auf Erden“ präsentiert Dutzende mittelalterliche Handschriften, denen gemein ist, dass sie allesamt aus Hildesheim stammen. Der Erzengel Michael war der Patron des Michaelisklosters, das Bischof Bernward (933–1022) dort gegründet hatte. Den Kirchenfürsten trieb die Sorge, „um welchen Preis er einen Schatz im Himmel erkaufen könne“, wie es in einer Urkunde heißt. Schließlich ließ er für sein Seelenheil die Michaeliskirche bauen, die in diesem Jahr ihr 1000-jähriges Bestehen feiert. Und er schenkte den Mönchen des Klosters dort kostbare liturgische Handschriften.

Für das neue Scriptorium heuerte Bernward Buchmaler und Schreiber an, darunter Experten wie Guntbald aus Regensburg, der „Scriptor et Diacon“ war, also zugleich Schreiber und Geistlicher. Die Ausstellung zeigt mehrere Werke, an denen Guntbald beteiligt war – die Produktion gottgefälliger Psalter und Sakramentare war für Bernward gleichsam eine Investition in die postmortale Zukunft. Die Ausstellung dokumentiert, dass zunächst Schenkungen den Bestand der Hildesheimer Buchsammlung bildeten. Von Studienreisen nach Frankreich brachten Kleriker im 11. Jahrhundert scholastische Werke mit nach Hildesheim. Später bestückten Gottesmänner die Bibliothek mehr und mehr mit eigenen Schreibarbeiten. Im Laufe der Jahrhunderte zeigten sich zwischen einfachen Mönchen und gebildeten Klerikern indes zunehmend Bildungsunterschiede: Die Klosterbrüder sammelten vor allem erbauliche Meditationsschriften, die Kleriker delektierten sich eher an Werken gelehrter Humanisten.

Dabei beteten die Mönche nicht nur für das Seelenheil des verblichenen Bernward, sie drängten auch auf dessen Heiligsprechung. Dem dafür nötigen Prozess fehlte lange der Schwung; der intellektuelle Kunstförderer Bernward war nicht volkstümlich genug, um sich breiter Verehrung zu erfreuen. Die „Vita Bernwardi“, eine Leihgabe aus dem Hauptstaatsarchiv Hannover, listet daher gleich mehrere Berichte von Wundern auf, die sich an seinem Grab zugetragen hatten. Das ebenfalls in Wolfenbüttel gezeigte „Ratmann-Sakramentar“, entstanden im selben Scriptorium wie das „Stammheimer Missale“, porträtierte Bernward schon mal auf Augenhöhe mit dem Erzengel Michael – und Jahre vor seiner offiziellen Heiligsprechung wird er dort kurzerhand als „Sanctus“ bezeichnet. So können Bücher der Wirklichkeit den Weg bahnen.

Ein eigenes Kapitel der Ausstellung ist den Büchern von Bischof Bruno gewidmet, der 1161 starb. „Pro remedio anime“, zum Heil seiner Seele, vermachte er dem Dom seine Privatbibliothek, die drittgrößte Europas. Sie umfasste rund 70 Bände, darunter neueste Bibelkommentare aus Paris oder medizinische Werke, frisch aus arabischen Quellen übersetzt. Alle fünf heute noch erhaltenen Bände sind in Wolfenbüttel zu sehen – ebenso wie der Bernward-Psalter, den die Bibliothek vor drei Jahren für 1,5 Millionen Euro erwarb und der seitdem erforscht wird. Das berühmteste Buch der Bibliothek allerdings lässt noch etwas auf sich warten: Das Evangeliar Heinrichs des Löwen ist erst vom 7. Dezember an in der Ausstellung zu sehen – aus konservatorischen Gründen.

„Schätze im Himmel – Bücher auf Erden“ ist bis zum 27. Februar in der Herzog-August-Bibliothek Wolfenbüttel zu sehen. Infos unter (0 53 31) 80 82 14 oder im Internet unter www.hab.de.

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