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Kultur Schaper-Ausstellung in der Galerie Kubus
Nachrichten Kultur Schaper-Ausstellung in der Galerie Kubus
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11:46 02.03.2016
Großbriefe: Schapers Holzpost. Quelle: HAZ
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Hannover

Für Karl Schaper (1920-2008) hingen das Zeichnen und das Zeigen, das Malen und das Mahnen immer zusammen. Bild und Text bestimmen in inniger Allianz die Physiognomie seiner Werke, die ebenso poetisch wie politisch sind. Die Kunst war für ihn kein erhabenes Kreisen um einen ästhetischen Kern, sondern Mittel zum Zweck, um etwas zu bewegen.

Das machen seine aus Holz geschnitzten, bemalten und wie großformatige Plastiken im Raum stehenden Briefe besonders deutlich. Er hat sie an reale und fiktionale Persönlichkeiten geschrieben, etwa an die Eva der Bibel und die Medea der attischen Tragödie, an Kurt Schwitters und Robinson Crusoe, aber auch an Franz Josef Strauß und Helmut Kohl.

Die retrospektiv angelegte, von Christiane Oppermann eingerichtete Erinnerungsausstellung im hannoverschen Kubus konzentriert sich auf den „politischen“ Schaper. Er kommentiert ironisch und sarkastisch das Zeitgeschehen, wie es die Art der von der Wirklichkeit gekränkten Idealisten und Humanisten ist.

Das bezeugt bereits die Auswahl seiner Holzbriefe. Unter ihnen sehen wir einen Ermutigungsbrief an die Genossen in der CSSR aus dem Jahr 1968, mit dem er auf den Einmarsch der Russen in ihr Land reagiert. Den Hammer des sozialistischen Emblems hat er in seiner Plastik durch einen Holzhammer ausgetauscht.

An Kurt Schwitters schreibt er auf einer alten Schullandkarte, auf der sein niedersächsischer Lebensmittelpunkt Apelnstedt eingezeichnet ist. Es ist die Zeit, als der Kalte Krieg immer bedrohlicher wird und mitten in Deutschland Ost und West einander mit Atomraketen bedrohen. Angesichts dieser Untergangsmöglichkeit bittet Schaper den Künstlerkollegen, den er im Paradiese wähnt, ihm schon einmal vorsorglich ein Plätzchen in seiner Nähe zu reservieren.

Die Ausstellung zeigt, wie vielfältig Karl Schaper als Künstler agierte und agitierte. Er hat ein umfangreiches malerisches, zeichnerisches und druckgrafisches Werk hinterlassen, das bisher noch längst nicht in allen Facetten der Öffentlichkeit vorgestellt wurde. In den neunziger Jahren setzt er all diese Medien ein, um die Schattenseiten der deutschen Wiedervereinigung zu geißeln. Aufseiten der Westdeutschen sieht er eine Bereicherungsmentalität und Besserwisserei am Werk und aufseiten der Ostdeutschen eine Neigung zum Ressentiment und zur Unterwerfung.

Solche Eigenschaften hat er bereits in den sechziger Jahren, als ungute Facetten eines gesamtdeutschen Nationalcharakters ausgemacht. Damals hat er seine Kritik in der Ausschmückung einer bunten Hundetypologie geäußert, die heute noch so aktuell zu sein scheint wie zu jener Zeit. Auch sie ist im Kubus zu besichtigen.

Bis zum 30. September im Kubus. Eröffnung am 1. September um 11 Uhr.

Die Schaper-Ausstellung ist eine Stationdes Kunstvolkslaufs Zinnober an diesem Wochenende. Infos: www.zinnober-kunstvolkslauf.de.

Michael Stoeber

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