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Garutti-Schau in der Kestnergesellschaft

Programm 2017 Garutti-Schau in der Kestnergesellschaft

Wo die Zeitung zum Kunstwerk wird: 2017 präsentiert die Kestnergesellschaft das Werk von Alberto Garutti. Und zeigt dabei, was Kunst leisten kann – nicht nur bei der großen Schau "Made in Germany".

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Kunst und Leben: „Forty and Forty“, eine Installation von Marc Camille Chaimowicz, die im Herbst in der Kestnergesellschaft ausgestellt wird.

Hannover. Es ist das Jahr, zu dessen Auftakt bereits „Made in Germany“ in Hannover ebenso wie die Documenta in Kassel „Blockbusterereignisse“ genannt werden, und es ist das Jahr, mit dem die 1916 gegründete Kestnergesellschaft in ihr zweites Jahrhundert aufbricht. Grund genug für Gedanken über den aktuellen Stellenwert von Kunst. „Wir wollen zeigen“, sagt Christina Végh, „ was sich mit Kunst anfangen lässt - und was Kunst im wirklichen Leben leisten kann.“

Im Falle der Direktorin der Kestnergesellschaft scheint das ziemlich viel zu sein. „Das ist mein Leitsatz geworden“, sagt Végh über ein Werk, das der italienische Künstler Albert Garutti im September 2016 auf Einladung der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung realisiert hat. „Dieses Werk ist jedem gewidmet, der jetzt den Blick nach oben richtet und schaut“, lautet der Satz, der am 3. September in der Zeitung prangte. Für Végh ist er die Quintessenz ihres Kunstverständnisses - weil er ausdrückt, dass die Auseinandersetzung mit Kunst an jeden adressiert ist, ein kollektiver, gegenwärtiger und gleichzeitiger Akt, der im Vertrauen auf sinnliche Wahrnehmung das große Ganze in den Blick nimmt. „Darum geht es, um Momente des Innehaltens, welche uns die Kunst beschert - deshalb hängt dieser Satz jetzt in meinem Büro.“

Darüber hinaus sollen Hunderte von Zeitungsausgaben mit dem Leitsatz, die Leser, teils zerknüllt, teils kommentiert, auf Bitten Garuttis an die Kestnergesellschaft geschickt haben, dort präsentiert werden. Wozu bei einer Preview im Rahmen des „Dîner des beaux-arts“ am 11. Februar auch Garutti aus Mailand anreist.

Mehrere Generationen Künstler

Die Garutti-Schau ist dabei Teil eines Mehrgenerationenauftakts der Kestnergesellschaft. Denn mit der Präsentation des 68-jährigen Italieners startet außer einer weiteren zeitgenössischen und einer historischen Einzelausstellung eine Gruppenschau von zwölf Künstlern aus Norddeutschland, die durchweg jünger als 35 Jahre sind. Möglich wird dies durch ein Stipendienprogramm, das in diesem Jahr die Kestnergesellschaft ausrichtet und das nach dem Künstler Friedrich Vordemberge-Gildewart (1899-1962) benannt ist.

Wie breit das Spektrum der Nachwuchskünstler ist, zeigen die Beispiele, die Kuratorin Elmas Senol nennt: Zu erwarten sind etwa Videoarbeiten von Annika Kahrs und Rauminstallationen von Verena Isse sowie eine Soundinstallation mit Protestgesängen von Lucas Odahara. Die Jury der Vordemberge-Gildewart-Stiftung wählt aus den Nachwuchskünstlern noch den Träger des mit 60 000 Euro besonders hoch dotierten Künstlerstipendiums aus. Und zum Werk von Vordemberge-Gildewart, der in den Zwanzigerjahren im Atelier der Kestnergesellschaft gearbeitet und deren Erscheinungsbild damals etwa mit seinen Plakaten geprägt hat, bereitet Senol eine Ausstellung vor - die erste Einzelpräsentation seit einer kleinen Schau in der Kestnergesellschaft im Jahr 1924.

Parallel zu diesen Ausstellungen wird es im Obergeschoss eine Präsentation von Werken der Fotokünstlerin Annette Kelm geben, die für ihre Fotografien künstliche Welten inszeniert. Dass auf Kelms Bildern nichts ist, wie es scheint, wird für den Betrachter meist erst auf den zweiten Blick erkennbar - wodurch Kelm die Betrachter ihrer Werke mit den eigenen (Vor-)Urteilen und Wahrnehmungsklischees konfrontiert (11. März bis 7. Mai).

Produktion in der Kunst

An der dritten Ausgabe von „Made in Germany“ wirken diesmal außer der Kestnergesellschaft, dem Sprengel-Museum und dem Kunstverein auch das Schauspiel sowie die Festivals Theaterformen und Kunstfestspiele mit. „Produktion“ soll dabei das gemeinsame Stichwort sein - und darunter ist durchaus mehr als die Reflexion künstlerischer Produktionsbedingungen zu verstehen. Unter den insgesamt zehn künstlerischen Positionen, die nach den Worten von Kurator Milan Ther allein in der Kestnergesellschaft zu sehen sein werden, ist der unter anderem für seine Computer-Fotografie bekannte Fotokünstler Thomas Ruff. Oder auch das Künstlerduo Enzo Camacho & Amy Lien, das den Volkswagen-Konzern zum Kunstgegenstand macht (3. Juni bis 3. September).

Alte Oper, neue Musik

Eine Filmarbeit rund um Musik zeigt die Kestnergesellschaft im Anschluss an „Made in Germany“. Titel des Werks der US-amerikanischen Künstlerin Frances Stark ist nicht von ungefähr „The Magic Flute“, denn auf Mozarts „Zauberflöte“ basiert dieser Opernfilm, der dem klassischen Kunstwerk neues Leben mit Hip-Hop-Elementen verleiht - und nach dem Start im Los Angeles Museum of Art und einer Station im Rijksmuseum Amsterdam seine Deutschlandpremiere in der Kestnergesellschaft hat.

Zeitgleich beginnt eine besonders poetische Verbindung von Kunst und Leben - eine Ausstellung von Werken des Franzosen Marc Camille Chaimowicz, der in seiner Kunst Skulptur und Performance verknüpft - etwa in Arbeiten wie „Forty and Forty“, einer Rauminstallation aus 40 neu produzierten Vasen, die von 40 Kanarienvögeln bewohnt werden. So blüht dann also neues Tierleben aus den Kunstkeramiken (30. September bis 7. Januar 2018).

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