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Beißwenger kehrt nach Hannover zurück

Schauspiel Hannover Beißwenger kehrt nach Hannover zurück

„Ich habe gemerkt, dass ich nach Hause will“: Die Schauspielerin Sonja Beißwenger ist von Dresden nach Hannover zurückgekehrt. Ab dem 11. Dezember ist sie in Dürrenmatts „Die Physiker“ im Ballhof zu sehen.

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Die Schauspielerin Sonja Beisswenger steht im Bühnenbild der „Physiker“ am Ballhof. 

Quelle: Tim Schaarschmidt

Hannover. Das soll die Ärztin sein? Sie ist ja viel jünger als erwartet. Und auch gar nicht missgestaltet. Das mit dem Alter sei aber kein Problem, sagt Sonja Beißwenger, die Schauspielerin, die die Ärztin spielen wird: „Man kann jung sein und trotzdem viele Mittel zur Verfügung haben.“ Und das Missgestaltete? „Da stellt sich die Frage, wo?“, sagt Beißwenger, „man kann auch innerlich missgestaltet sein.“ Na dann.

Sonja Beißwenger spielt Mathilde von Zahnd, die Chefärztin der psychiatrischen Klinik, in der der Physiker Johann Wilhelm Möbius Zuflucht gesucht hat. Er hat eine Formel gefunden, die die Welt zerstören könnte, und er befürchtet, dass sie in falsche Hände gerät. In der Anstalt der Frau von Zahnd sind aber auch diverse Geheimdienstagenten untergetaucht. Und die schrecken vor nichts zurück.

Jung und talentiert

1962 wurde Friedrich Dürrenmatts Komödie „Die Physiker“ am Schauspielhaus Zürich in sehr prominenter Besetzung uraufgeführt: Hans Christian Blech, Gustav Knuth und Theo Lingen spielten die drei Physiker, Therese Giehse trat als die Mathilde von Zahnd auf.

Sonja Beißwenger hat eine Videoaufzeichnung gesehen. Über Therese Giese sagt sie: „Die hat eine beeindruckende natürliche Autorität.“ Aber einschüchtern lässt sie sich nicht. Wie gesagt: Man kann jung sein und trotzdem viele Mittel in der Hand haben.

Dass Sonja Beißwenger über beachtliche Mittel verfügt, ist schon vielen Regisseuren aufgefallen. Die Schauspielerin hat mit bekannten Regisseuren wie Sebastian Baumgarten, Andreas Kriegenburg oder Roger Vontobel zusammen gearbeitet. Und Sven-Eric Bechtolf hat sie als Polly für seine Fassung von Brechts „Dreigroschenoper“ bei den Salzburger Festspielen engagiert. Ihr Spiel fällt durch eine merkwürdige Kühle auf. Es hat etwas Kristallines, etwas Funkelndes, Klares und sehr Starkes. Sonja Beißwenger ist eine Idealbesetzung für sehr schöne Frauenfiguren - und für sehr böse.

Beißwenger folgte Schulz nach Dresden

Schon der Karrierestart von Sonja Beißwenger war vielversprechend. Sie hatte ihre Schauspielausbildung an der Hochschule für Musik und Theater in Hannover noch nicht beendet, da stand sie schon im hannoverschen Schauspielhaus auf der Bühne. Hier spielte sie die Wendla in „Frühlings Erwachen!“ von Frank Wedekind und den Mephisto in Goethes „Faust“. Mit „Hotel Paraiso“ von Lutz Hübner und „Pornographie“ von Simon Stephens war sie beim Berliner Theatertreffen dabei.

Als Intendant Wilfried Schulz 2009 von Hannover nach Dresden wechselte, ging sie mit. Und jetzt kommt sie zurück nach Hannover. Nicht als feste Schauspielerin im Ensemble, sondern als Gast. Hannover soll für die nächsten Jahre der Lebensmittelpunkt für sie und ihre Familie sein. „Ich habe gemerkt, dass ich nach Hause will“, sagt sie - und erzählt, dass Dresden nie ein richtiges Zuhause für sie geworden ist: „Ich habe mich mit der Stadt nie richtig verbunden gefühlt.“

Das hannoversche Publikum werde gelegentlich als „ein bisschen reserviert“ wahrgenommen, sagt sie, aber das sei für sie nie ein Problem gewesen, mit dieser Reserviertheit habe sie immer gut umgehen können. In Dresden aber, da habe sie immer so „eine Art schlechter Laune gespürt“. Und die Leute hätte oft an den merkwürdigsten Stellen gelacht. Und sie seien still geblieben, wenn es doch eigentlich komisch war.

Frei in Hannover

Jetzt also wieder Hannover. Und frei. Wie soll das gehen? Um Angebote muss sich Sonja Beißwenger wohl keine Sorge machen, aber ob sie die auch annehmen wird? Sie ist ein bisschen unschlüssig. Sie sagt, sie sei ja nicht nach Hannover zurückgekehrt, um gleich wieder wegzufahren. Sie sei gerade in einer „Umgestaltungsphase“, sagt sie.

Zwar stehe sie nach wie vor „wahnsinnig gern“ auf der Bühne, aber das sei eben nicht alles. Als Schauspielerin kann sie ja auch anderswo tätig sein. Für den Hörfunk will sie auf jeden Fall weiter arbeiten, wenn’s geht auch noch mehr machen. Sie ist eine der Sprecherinnen der „Betthupferl-Geschichten“ des Bayerischen Rundfunks. Und einige Hörbücher hat sie auch schon eingelesen. Sie hat eine tolle Stimme - klar, schön und gut ausgebildet. Und manchmal kann sie kalt und schneidend werden.

Womöglich auch auf der Bühne - wenn sie in Florian Fiedlers Inszenierung der „Physiker“ als „Fräulein Doktor Mathilde von Zahnd“ auf der Bühne stehen wird. Dürrenmatts Komödie gefällt ihr. Und sie findet gar nicht, dass der viel gespielte Stoff ein wenig nach Deutsch-Leistungskurs riecht. „Das ist ein wahnsinnig toller und auch ein wahnsinnig wichtiger Stoff“, sagt sie und lobt „den bösen Humor“ in der Komödie.

Ihr dürfte es wohl gelingen, sie richtig böse klingen zu lassen.

Theatertipp

Die Premiere von Dürrenmatts „Die Physiker“ am Freitag, 11. Dezember, sowie einige weitere Vorstellungen im Dezember sind bereits ausverkauft. Für die Preview am Mittwoch sowie für die Aufführung am 14. Dezember gibt es noch Restkarten. Weitere Informationen unter  schauspielhannover.de

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