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Altes Haus: Schauspiel wird 25 Jahre alt

Prinzenstraße Altes Haus: Schauspiel wird 25 Jahre alt

Am Sonnabend vor 25 Jahren wurde das Schauspiel Hannover eröffnet. Die einen nannten es Schwimmbad, die anderen Raumschiff, U-Boot oder Aquarium. Demnächst stehen teure Reparaturen an.

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Arbeiten im Raumschiff: Im Schauspielhaus wird die Bühne für John Osbornes „Der Entertainer“ eingerichtet. Techniker Franco Birkemeyer schätzt das Haus.

Quelle: Samantha Franson

Hannover. Kunst hinterlässt Spuren. Oft absichtlich, manchmal unabsichtlich. Im Schauspiel Hannover, das seit 25 Jahren an der Prinzenstraße residiert, sind Kunstspuren tief unter der Bühne zu besichtigen. Auf dem Betonfundament zeigt sich, was in vergangenen Inszenierungen reichlich Verwendung fand: Kunstblut. Hier hat die durch Spalten im Bühnenboden getropfte Flüssigkeit ein ganz eigenes Kunstwerk geschaffen. Zu besichtigen ist es bei Theaterführungen und auch nur, wenn die Podien der Bühne nach oben gefahren sind.

Sonnabend vor 25 Jahren wurde das Schauspielhaus in der Prinzenstraße eröffnet. Ödön von Horvaths „Glaube Liebe Hoffnung“, Bertolt Brechts „Dreigroschenoper“ und Frank Wedekinds „Lulu“ waren am Eröffnungswochenende zu sehen. Kunstblut floss damals kaum.

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Die angereisten Kritiker setzten sich nicht nur mit den ersten Produktionen auseinander, sie würdigten auch den Neubau des Schweizer Architektenbüros Claude Paillard und Partner. „Weißer Riese“, „U-Boot“ oder auch „Badeanstalt“ waren gern genutzte Metaphern für das kühl gekachelte Haus, das mit seinem großen und beidseitig verglasten Foyer und den gelben Garderobeschränken (Einwurf: 1 Mark, mit Rückgabe) tatsächlich gleichermaßen an ein Schiff oder ein Schwimmbad erinnerte. Aus Hannover kamen später noch die Begriffe „Aquarium“ und „Raumschiff“ zur Beschreibung des neuen Hauses hinzu.

Der ganz normale Verschleiß

Das alles zielte auf das Äußere des Hauses. Aber wie ist es im Inneren? Wie arbeitet es sich in den fensterlosen Bereichen des Schwimmbadraumschiffunterseebootaquariums? Franco Birkemeyer kennt sich hier bestens aus. Er ist seit 25 Jahren in der Theatertechnik des Hauses tätig. Zuerst war das nur als Studentenjob gedacht, dann hat er das Maschinenbaustudium aufgegeben und sich ganz der Theatermaschinerie gewidmet. Er kommt schnell ins Schwärmen, wenn er über Theatertechnik spricht. Das Podium über dem Orchestergraben hat gerade eine neue Hebetechnik bekommen: mit Kettenantrieb statt Scherentechnik. „Das lässt sich jetzt viel schneller fahren und genauer positionieren“, sagt Birkemeyer.

In drei bis vier Jahren steht ein größerer Eingriff in die Bühnentechnik bevor. Dann muss die Antriebstechnik für die Podien der großen Bühne erneuert werden. Gerade war ein Gutachter da und hat sich die Technik angeschaut. Jürgen Braasch, der Verwaltungsdirektor der Staatstheater GmbH, will noch keine genauen Zahlen und auch keinen festen Termin nennen. Nur so viel: In den kommenden fünf Jahren muss die Maschinerie erneuert werden - und dafür wird wohl ein siebenstelliger Betrag fällig werden.

Die Renovierung ist dem ganz normalen Verschleiß der Maschinerie geschuldet: Seit 25 Jahren werden die Bühnensegmente mittels Zahnstangentechnik auf und ab bewegt. Im Lauf der Zeit hat sich da an manchen Stellen ein bisschen was verzogen. Die einzelnen Elemente lassen sich nicht mehr so genau positionieren. Es sind Spalten entstanden, durch die das Theaterblut aufs Fundament tropfen kann, und auf der Bühne bilden sich kleine Stufen.

Ansonsten hat sich das Haus immer peu à peu modernisiert. Vor Kurzem wurde ein neues Tonpult eingebaut. Trotz der allgemeinen Miniaturisierung im Elektronikbereich ist es größer als das Vorgängermodell. Aber es kann auch mehr. Und es muss auch mehr können: Heute sprechen die Schauspieler in vielen Stücken über Mikrofone.

Das Schauspiel Hannover ist außen kühl und kühn und innen geradezu gemütlich. Bühne und Zuschauerraum bilden einen großen Kreis. Und die Vorbühne ragt kreisförmig ins Publikum.

Diese Rundungen sind für die Techniker durchaus ein Problem. „Beim Bühnenaufbau fehlen einem die Bezugspunkte“, sagt Franco Birkemeyer, „und es ist immer reichlich kompliziert, die Teppiche zuzuschneiden.“ Dafür sieht so ein rundes Theater aber sehr schön aus.

Seitenbühne Prinzenstraße

Anders als viele vergleichbare Theaterhäuser hat das Schauspiel Hannover nur eine Seitenbühne. Dort, wo die zweite Seitenbühne sein sollte, ist kein Platz, denn dort ist die Prinzenstraße. Die Techniker haben sich längst damit arrangiert.

Größere Planungsfehler können die Theatertechniker dem Architekten nicht vorwerfen. Das, was Claude Paillard für die Baulücke in der Prinzenstraße geschaffen hat, funktioniert im Ganzen so, wie es soll. Bis auf eine Sache: Die Ladezone ist zu klein geraten. Bei großen Lkw gibt es Schwierigkeiten. Aber auch dafür gibt es Lösungen. Improvisation gehört schließlich zum Theater.

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