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Senna Gammour gastiert mit ihrem Programm „Liebeskummer ist ein Arschloch“ in Hannover

Comedy im Theater am Aegi Senna Gammour gastiert mit ihrem Programm „Liebeskummer ist ein Arschloch“ in Hannover

Im Theater am Aegi hat Senna Gammour ihre meist weiblichen Fans begeistert – und ihnen ein paar gute Ratschläge mit auf den Lebensweg gegeben.

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Senna Gammour im Aegi.

Quelle: Michael Wallmüller

Hannover.  Ganz am Ende ihrer ausverkauften Show im Theater am Aegi wird Senna Gammour ernst. Da hat sie ihr fast ausschließlich weibliches Publikum bereits knapp drei Stunden lang mit Plaudereien, Alltagsbeobachtungen und derben Scherzen rund um Beziehungs- und Liebesprobleme unterhalten. Die wesentlichen Botschaften hat sie sich für einen Zeitpunkt aufgespart, an dem etliche der 15- bis 20-Jährigen bereits auf die Uhren schielen. Vieles habe sie zuvor überspitzt. Dabei sei Liebeskummer wie eine Krankheit, man fühle sich alleine an einem kalten, dunklen Ort. Gammour hat viele letzte Botschaften an ihre Fans, die einen Ratgeber füllen könnten. „Schraub deine Ansprüche höher“, ist eine davon. Eine andere lautet: „Die beste Beziehung, die du führen kannst, ist die Beziehung mit dir selbst.“ 

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Nah an den Fans: Senna Gammour.

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 Gammour hat es sich nach ihrer Popkarriere in der Girlgroup Monrose zur Aufgabe gemacht, Identifikationsfigur für junge Frauen zu sein, ihnen im Erwachsenwerden zu Selbstbewusstsein zu verhelfen. Seit einigen Jahren sammelt sie Zuhörerinnen in den sozialen Medien, seit Ende 2016 ist sie mit ihrem Programm „Liebeskummer ist ein Arschloch“ unterwegs. „Ich bin eine von euch, die eure Gedanken ausspricht“, sagt sie. Dass sie mit 38 etwa 20 Jahre älter ist, als die meisten Mitglieder der von ihr beschworenen Gemeinschaft, hält sie für unproblematisch. Sie versichert sich durch Fragen in den Saal, dass die Mehrzahl über 18 ist und einen Job hat. „Wir sind doch alle erwachsen“, fasst sie zusammen, wie um sich vor Vorwürfen zu schützen. 

 Sie übt dennoch großen Einfluss aus. Ihre Fans liegen ihr kreischend zu Füßen. Gammour hat als B-Promi eine lange Reise durch populäre Fernsehformate hinter sich, darunter Talent-, Tanz-, Koch-, Styling- und Quizshows. Diese Verwurzelung in einer konsumdominierten Parallelwelt, in der mit Persönlichkeitsklischees gehandelt wird, ist zwangsläufig Teil all ihrer Ratschläge. So wird auch Liebe zum Konsumgut: Partner gehören sich gegenseitig und Liebeskummer ist die Folge eines Eigentumsdeliktes. Gammours Welt polarisiert mit einfachen Regeln, sie lockt mit einer Atempause in zunehmend empfundener Grenzenlosigkeit. 

 Trotz aller Aufforderungen, sich als Frau nichts gefallen zu lassen, bleibt Weiblichkeit dabei oft in bürgerlichen Geschlechterklischees verhaftet. Die stärken zwar das Gemeinschaftsempfinden, verschließen individuellen Entwicklungen jedoch jeden Weg: Frauen machen sich am Wochenende alle schön und wenn ihnen etwas unangenehm ist, lügen sie. Nicht zuletzt gilt: „Die Huren bekommen immer die besten Männer und die netten Mädchen gehen leer aus.“ Nicht normative Identitätsentwürfe kommen bei Gammour schlecht weg. Menschen, die es sexuell etwas gröber mögen, sind dumm, Dicke machen schneller schlapp und mangelnde Intimrasur ist ein probates Verhütungsmittel. 

 Dass die selbsternannte Ratgeberin all dies immer wieder in gut beobachtete Alltagserfahrungen einbettet, macht es umso naheliegender, dass sich Fans insgeheim ausgegrenzt fühlen – oder sich im Recht fühlen, wenn sie andere ausgrenzen. Gammours Show gerät einerseits zu einer Art Erweckungsgottesdienst für starke Frauen. Andererseits fehlt ihr der empathische Blick zur Seite. Wie schnell es in der Peripherie zu Widersprüchen kommen kann, beweisen zwei Aufsichtspersonen, die unermüdlich das Publikum daran hindern, mit Smartphones zu filmen, indem sie mit grellen Taschenlampen aggressiv in die Menge leuchten. Dass es sich dabei um Männer mittleren Alters handelt, hinterlässt einen unangenehmen Beigeschmack.

Von Thomas Kaestle

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