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Sieg der Musik

9. Joseph-Joachim-Violinwettbewerb Sieg der Musik

Es wird sportlich in den Konzertsälen der Stadt: In der kommenden Woche fällt der Startschuss für den 9. Joseph-Joachim-Violinwettbewerb in Hannover. Fast alle bisherigen Preisträger haben Karriere gemacht. 

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Der hannoversche Geiger Andrej Bielow gehörte 2000 zu den Preisträgern.

Bei der Vorstellung des Programms am Mittwoch im Rathaus liefen sich die Organisatoren schon einmal warm für ein kulturelles Ereignis mit Wettkampfcharakter. Selbst Oberbürgermeister Stefan Schostok schwärmte von der „weltmeisterschaftlichen Attitüde“ des Geigermarathons und lobte dessen „enorme internationale Ausstrahlung“.

Doch gerade der Joseph-Joachim-Wettbewerb ist mehr als ein instrumentales Kräftemessen. Anders als bei vergleichbaren Wettbewerben geht es in Hannover um Musik und nicht nur um den Sieg. Nirgendwo sonst können sich die einzelnen Teilnehmer bei einem Wertungsspiel so oft und so vielseitig präsentieren wie hier. Kein Wunder, dass fast alle früheren Preisträger inzwischen Karriere gemacht haben und statt in einem Wettbewerbsfeld nun auch im wahren Musikleben die erste Geige spielen. Allein drei von ihnen machen gerade wieder mit aktuellen CD-Veröffentlichungen von sich reden.

Nemanja Radulovic war 2003 ein heiß diskutierter Sieger beim Violinwettbewerb. Nun kehrt er für ein Sonderkonzert nach Hannover zurück. Der Serbe mit der auffälligen Frisur war damals auch wegen seines exaltierten Geigenspiels musikalisches Stadtgespräch. Das haben auch Künstleragenturen und Plattenfirmen bemerkt, die Radulovic inzwischen eine bemerkenswerte Karriere eröffnet haben. Zuletzt hat er bei der Deutschen Grammophon das Album „Journey East“ veröffentlicht, für das er gerade mit einem Echo-Klassik-Preis geehrt wurde. Auf der Aufnahme sind Stücke ganz unterschiedlicher Genres versammelt, die der Geiger alle mit der gleichen Begeisterung zum Leuchten bringt. In der Titelmelodie aus „Schindlers Liste“ oder Dvoráks „Zigeunerlied“ räumt Radulovic mit Geschmack und Klangsinn den Kitsch-Verdacht beiseite: So klingt die Musik einfach und schön. Das gilt auch für (zu) viel gespielte Stücke wie „Säbeltanz“ oder „Csárdás“, in denen der Geiger mit neuem Feuer die alte Glut zu entfachen weiß.

Andrej Bielow war zweiter Preisträger beim denkwürdigen Wettbewerb des Jahres 2000. Sieger wurde damals der Amerikaner Frank Huang, der seit zwei Wochen Konzertmeister des New York Philharmonics ist. Weitere Auszeichnungen gingen an Arabella Steinbacher und Baiba Skride, die heute beide feste Größen des Konzertbetriebs sind. Auch der aus der Ukraine stammende Bielow ist als Solist (und Lehrer an der hannoverschen Musikhochschule) erfolgreich - vor allem aber konzentriert er sich auf eine andere musikalische Gattung: 2005 gründete er das Szymanowski Quartett, das schnell zu einem der renommiertesten Ensembles in dieser Königsdisziplin der Kammermusik wurde. Soeben haben die Musiker bei Avi-Music unter dem Titel „The Szymanowski Trip“ eine CD-Box veröffentlicht, auf der Werke des polnischen Namensgebers des Quartetts mit Stücken gemischt werden, die ihn beeinflusst haben. Neben Ravel und Schubert begegnet der Hörer dabei auch Komponisten wie Szymon Laks und Myroslaw Skoryk: Eine intelligente Erweiterung des Repertoires, die den „Trip“ zu einer spannenden Entdeckunsgreise macht.

Antje Weithaas ist die erste Gewinnerin der Wettbewerbsgeschichte. Nach ihrem Erfolg von 1991 startete die Deutsche eine Solistenkarriere, die sie weltweit zu den besten Orchestern führt. Mit der NDR Radiophilharmonie veröffentlicht sie bei CPO „Sämtliche Werke für Violine und Orchester“ von Max Bruch. Gerade ist die zweite Folge erschienen, auf der das berühmte erste Violinkonzert, aber auch Unbekanntes zu hören ist: Mit ihrem charakteristischen, warmen Ton gelingt Weithaas ein starkes Plädoyer gerade für die charmanten Stücke, die oft zu Unrecht im Schatten von Bruchs Erstlingswerk liegen.

Der Fahrplan

37 Geiger haben sich für den Wettbewerb qualifiziert. Darunter sind drei deutsche Geiger und fünf Studenten der hannoverschen Musikschule. Die neunköpfige Jury besteht aus bekannten Solisten und Pädagogen wie Salvatore
Accardo und Ingolf Turban.

Die Wertungsspiele starten mit zwei Runden in der Musikhochschule: Vom 27. bis zum 29. September stellen sich alle Teilnehmer mit Solowerken von Bach und Ysaye sowie der obligatorischen Joachim-Romanze vor. Vom 30. September bis zum 2. Oktober stehen dann eine Beethoven-Sonate und ein Virtuosenstück nach Wahl auf dem Programm.

Im Halbfinale sind noch zwölf Geiger dabei. In der Musikhochschule spielen sie erst ein Recital mit dem Auftragswerk von David Robert Coleman (3. und 4. Oktober), dann gemeinsam mit dem Münchener Kammerorchester ein Mozart-Konzert (5. und 6. Oktober). In den beiden Finalrunden am 8. und 9. Oktober präsentieren sich im Funkhaus noch sechs Geiger begleitet von der Radiophilharmonie. Hier bestimmt das Publikum auch einen eigenen Preisträger. Kartentelefon für alle Runden: (05 11) 16 84 12 22.

Ein Festkonzert im Funkhaus eröffnet den Wettbewerb bereits am 24. September. Alexandra Conunova und Dami Kim, die beiden ersten Preisträger der letzten Ausgabe, spielen mit der Radiophilharmonie. Am 3. Oktober gibt es ein Sonderkonzert in der Staatsoper mit Nemanja Radulovic. Das Galakonzert der Preisträger mit der Radiophilharmonie beendet den Geigengipfel am 10. Oktober im Funkhaus.

Zu gewinnen gibt es bei dem von der Stiftung Niedersachsen organisierten Wettbewerb insgesamt 140 000 Euro. Neu in diesem Jahr sind ein Preis für die beste Aufführung des Auftragswerks und ein „Community Award“, über den das Live-Stream-Publikum entscheidet.

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