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„Wenn alles klappt, ist es der Hammer“

Simone Kermes in der Staatsoper „Wenn alles klappt, ist es der Hammer“

Warum Koloraturen Angst machen und Dirigieren Männersache ist: Star-Sopranistin Simone Kermes spricht mit HAZ-Redakteur Stefan Arndt über die Gala zur Spielzeiteröffnung an der Staatsoper Hannover.

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Star-Sopranistin Simone Kermes.

Hannover. Sie ist die Primadonna unter den deutschen Opernstars: Simone Kermes ist auf den großen Bühnen der Welt ebenso gefragt wie bei den wichtigen Festivals für Alte Musik. Die vielfach ausgezeichnete Sängerin ist berühmt für die furchtlose und makellose Bewältigung selbst der haarsträubendsten Koloraturen und für ihren klaren, sehr hellen Sopran. Umso erstaunlicher ist es, wenn man die Sängerin sprechen hört: Auf Fragen antwortet die gebürtige Leipzigerin mit rauchiger Stimme und breitem Sächsisch – wenn sie überhaupt antwortet. Viel lieber stellt Kermes selbst Fragen: über die Akustik im hannoverschen Opernhaus, den Stand des Kartenverkaufs und die Kleidungsgewohnheiten des Publikums.
Frau Kermes, Sie gehen gern auf musikalische Entdeckungsreise ins 18. Jahrhundert und machen spektakuläre Opernaufnahmen an exotischen Orten. Ist es da nicht ein bisschen langweilig, einfach nur ein paar Arien in einem Galakonzert zu singen?
Auf keinen Fall, schon allein, weil ich noch gar nicht weiß, was da genau passiert. Ich habe ja nur drei Stücke zu singen. Dazu gibt es wohl noch jede Menge andere Sänger. Das ist schon etwas Spezielles für mich. Die Galakonzerte, die ich in letzter Zeit gegeben haben, musste ich ganz alleine stemmen. Ich bin auch gespannt, wie das Orchester ist. Nach meiner Erfahrung ist so ein Arienprogramm schwieriger mit Musikern zu spielen, die sonst nur Oper machen. Mit Rundfunkorchestern, die musikdramatisch eher unbefleckt sind, geht das oft besser. Wichtig ist natürlich auch der Dirigent, da muss man sich schon verstehen.

B ei der Gala hier wird es verschiedene Dirigenten geben, oder besser Dirigentinnen: Es sind nämlich gleich zwei Frauen dabei.
Auwei! Ich habe schon ein paarmal mit Frauen gearbeitet, das ist nicht so einfach. Ich finde es gut, wenn Frauen in allen Berufen ihren Mann stehen. Aber beim Dirigieren? Vielleicht bin ich da ein bisschen konservativ, obwohl das sonst eigentlich nicht meine Art ist. Aber ich lasse mich in Hannover gerne positiv überraschen!

Ist es nicht inzwischen ganz normal, wenn Frauen dirigieren?
Das ist schon noch sehr, sehr selten. Es hat immer etwas Spezielles. Und ich habe damit eben ab und zu schlechte Erfahrungen gemacht. 

Ich hoffe, ich habe Sie jetzt nicht nervös gemacht.
Aber nein, das wird schon gut gehen.

Man rühmt oft Ihr Temperament bei den Aufführungen. Kommt das immer von allein, oder ist das auch ein bisschen Markenpflege?
Ich bin wirklich so. Aber es hängt schon auch vom Publikum, vom Orchester und von den Stücken ab. Oder von besonderen Umständen: Gerade hatte ich einen Auftritt in Norwegen, und mein Koffer ist dort nicht angekommen. Ich bin dann einfach in den Klamotten aufgetreten, die ich schon drei Tage anhatte, ein T-Shirt mit einem Wolf drauf und so. Mein erster Auftritt ohne Kleid! Aber ich habe mich trotzdem wohlgefühlt, und dem Publikum hat es super gefallen. Vielleicht ist das ein Zeichen. Man braucht nicht immer alles so kompliziert zu machen. 

Stimmt es, dass Sie sich für die Arie aus Bernsteins „Candide“, die Sie auch in Hannover singen, ein eigenes Kleid haben schneidern lassen?
Die Arie ist bei einer Aids-Gala in Essen zum ersten Mal in mein Repertoire gekommen. Das Stück ist so schwer, rein technisch ein Wahnsinn, aber es ist toll komponiert! Ich habe jedes Mal ein bisschen Angst davor, aber wenn alles klappt, ist es ein Hammerstück! Ich habe mir damals tatsächlich extra ein Kleid dafür machen lassen. So Lila mit Glitzi im Stil von Alexander McQueen und passende Schuhe dazu. Das habe ich jetzt aber schon oft angehabt. Ich weiß nicht, ob ich es in Hannover anziehe. Kann man sich da während des Konzerts umziehen? Aber das ist vielleicht doch Quatsch. Für die Musik sind die Kleider ja eh nicht wichtig, oder?

Eigentlich nicht. Aber es schadet auch nicht, beim Singen gut auszusehen.
Ja, ich mag das eigentlich auch. Gerade sind hier neue Stoffe aus New York angekommen, aus denen ich Kleider machen lassen. Die sind so schön, ich freue mich schon auf die Kleider, die daraus werden. Man sollte sich schon so verhüllen, dass es die Figur positiv umschmeichelt. Man muss nur ins Fernsehen gucken: Die Leute sehen doch oft furchtbar aus. Teure Kleider, und dann sieht man fett aus! Ich weiß nicht ...

Sie kümmern sich also auch um die Stoffe Ihrer Kleider selbst?
Natürlich, ich mache inzwischen fast alles allein. Auch das Management, CDs produzieren, Booklets schreiben ...

Warum?
Ich möchte Dinge tun, mit denen ich mich identifizieren kann. Sonst sucht vielleicht jemand Stücke aus, die ich gar nicht mag. Ich weiß doch selbst am besten, was meiner Persönlichkeit entspricht. Man muss die Chance haben, seine eigene Sprache zu sprechen, um nicht ständig mit Sängern aus der Vergangenheit verglichen zu werden. Ich muss die Musik leben. Dann brenne ich dafür und setze mich ein. Ich denke, nur so kann am Ende doch etwas wirklich Gutes herauskommen. Dann kann ich auch hoffen, dass es dem Publikum ebenfalls gefällt.

 

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