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So gut ist Cornelia Funkes "Drachenreiter"-Fortsetzung

Kinderbuch So gut ist Cornelia Funkes "Drachenreiter"-Fortsetzung

Cornelia Funke hat ihren „Drachenreiter“ fortgesetzt: Am Montag erscheint „Die Feder eines Greifs“ – die Fortsetzung des ersten Bandes, der bereits vor 19 Jahren erschienen ist.

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Noch ein Bestseller? Die Autorin Cornelia Funke.

Quelle: Jörg Schwalfenberg

Schon auf den ersten Seiten begegnet man einem alten Bekannten: Schieferbart, dem alten, weisen Silberdrachen, der seinen Artgenossen in Cornelia Funkes Kinderbuch „Der Drachenreiter“ den entscheidenden Rat gibt: Sie sollen in ihre Heimat, in den zwischen den Gipfeln des Himalajas verborgenen „Saum des Himmels“ zurückkehren. Schieferbart und seine Prophezeiung stehen in dem 1997 erschienenen Kinderbuch – mit weltweit 2,6 Millionen verkauften Exemplaren nach Angaben des Verlages der erfolgreichste Cornelia-Funke-Titel überhaupt – für Aufbruch, für das Prinzip Hoffnung.

In der Fortsetzung des Buches, die jetzt, 19 Jahre nach Band 1, erscheint, wartet der alte Silberdrache gleich zu Beginn auf den Tod. „Ein neuer Ort und neue Freunde“ ist das Kapitel zwar überschrieben. Und tatsächlich lebt Schieferbart mittlerweile in einem neuen, sagenumwobenen Haus, das „so vollkommen mit Wald, Erde und Himmel verwoben ist“, dass es schier unsichtbar scheint. Geprägt ist das Kapitel aber von Wehmut, Melancholie. Schieferbart, der älteste der Silberdrachen, muss seine schwerste Reise, die ins „Land des Mondes“, antreten. Seine Freunde, der Menschenjunge Ben und die Koboldin Schwefelfell, müssen sich gleich zu Beginn des Buches von ihm verabschieden.

Das ist bemerkenswert, weil diese ernste, sehnsüchtige Grundstimmung weite Teile von Funkes Fortsetzung prägt. „Die Feder eines Greifs“ hat nicht mehr die Leichtigkeit des Erstlings, den Witz, die Unterhaltsamkeit, ja auch die Schlagfertigkeit vieler Figuren, die vor allem die jüngeren Leser am „Drachenreiter“ so liebten. Das ist leicht nachvollziehbar, auch Cornelia Funke ist eine andere als vor 19 Jahren. Die heute in den USA lebende 57-Jährige musste in der Zwischenzeit unter anderem den Tod ihres Mannes verwinden. Literarisch anspruchsvollere Werke wie die mit literaturgeschichtlichen Zitaten gespickte „Tintentrilogie“ hat sie seitdem geschrieben. Auch die „Reckless“-Reihe, die mit Motiven der Märchenwelt der Brüder Grimm spielt und in der Sehnsuchts- und Liebesmotive eine wichtige Rolle spielen, wendet sich an ein deutlich älteres Publikum als der 1997 erschienene „Drachenreiter“.

Dass Funke mit „Die Feder eines Greifs“ kein Kinderbuch, sondern ein All-Age-Book schreiben wollte, eines also, das sich auch an Erwachsene mit einer Leidenschaft für Kinderbücher wendet, lässt sich an vielen Details festmachen. Da sind die bedeutungsschweren Zitate, die Funke wie in der Tintentrilogie jedem Kapitel voranstellt. Sätze von Albert Camus oder Johann Wolfgang von Goethe findet man hier genauso wie die schöne Frage von John Lennon, ob „Träume und Albträume nicht genauso real seien wie das Hier und Jetzt“. Funke spielt mit Namen von Wissenschaftlern wie der Affenforscherin Jane Goodall (hier heißt sie Jane Gridall), es gibt Anspielungen auf Zeitgeschichtliches wie die „ziemlich schlechten Nachrichten“, die - natürlich - aus Griechenland stammen.

Inhaltlich knüpft die Fantasyautorin an das Ende des „Drachenreiters“ an: Wissenschaftler Barnabas Wiesengrund kündigt an, sich auf die Suche nach einem Pegasus, einem geflügelten Pferd, zu machen. In „Die Feder eines Greifs“ hat er gleich ein Paar gefunden. Das Weibchen stirbt allerdings an einem Schlangenbiss, nachdem es drei Pegasuseier gelegt hat, die eigentlich nur von ihm ausgebrütet werden können. Nur mithilfe der Sonnenfeder eines Greifs können ihre Kinder, die Letzten ihrer Art, gerettet werden. Wie Ben und Barnabas den bösartigen Vögeln dennoch die ersehnte Feder abluchsen wollen, davon handelt das Buch.

Trauer- und Sehnsuchtsmotive sind in der fantastischen Abenteuergeschichte oft zu finden. Da ist die Trauer des Pegasushengstes Anemos um die verstorbene Gefährtin Synnefo. Da ist die Einsamkeit des Homunculus Fliegenbein, ebenfalls des Letzten seiner Art: seine Sehnsucht danach, vielleicht doch noch irgendwo einen Artgenossen zu finden. Nicht Kindsein, Elternsein spielt eine wichtige Rolle (der Drache Lund aus dem ersten Band ist Vater geworden).

Drachenreiter Ben selbst ist zerrissen zwischen zwei Welten, der der Drachen und der der Menschen. Das ist so traurig wie stimmig erzählt und in teilweise wunderschön geschilderte Fantasiewelten eingebettet. Daneben gibt es einige eingestreute Lebensweisheiten wie „Es war abscheulich, wenn das Herz an zwei Orten liebte“ oder „Ich weiß, es ist kein Trost, aber oft macht der Schmerz uns stärker“. Das können auch Dritt- oder Viertklässler leicht verstehen - die Frage ist, ob es ihnen auch gefällt.

Der Dressler-Verlag traut seinem neuesten Cornelia-Funke-Titel dennoch eine ähnliche Erfolgsgeschichte wie dem „Drachenreiter“ zu. 500.000 Exemplare wurden in Deutschland insgesamt von ihm verkauft. In den USA schaffte er es 2004 auf Platz eins der Bestsellerliste der „New York Times“. Allein die Startauflage von „Die Feder eines Greifs“ zeigt, dass man dort anknüpfen will. Sie liegt bei beachtlichen 100.000 Exemplaren.

Cornelia Funke: „Die Feder eines Greifs“. Dressler. 416 Seiten, 18,99 Euro.

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