Volltextsuche über das Angebot:

5 ° / -3 ° Regenschauer

Navigation:
So gut ist die Tschick-Inszenierung in Hildesheim

Theater für Niedersachsen So gut ist die Tschick-Inszenierung in Hildesheim

Mit einem Minimum an Kulisse und Besetzung läuft der Erfolgsroman von Wolfgang Herrndorf nun auch auf der Hildesheimer Bühne des Theaters für Niedersachsen. Die Premiere war ausverkauft – und das Interesse dürfte anhalten.

Voriger Artikel
„Betrachten Sie sich als Revolutionäre!“
Nächster Artikel
"Wir wollen der Welt zeigen, wie gut wir sind"
Quelle: Clemens Heidrich

Hildesheim. Zwei Sitze und ein elektronischer Drumcomputer als Armaturenbrett reichen aus, fertig ist das Auto. „Hast du den etwa geklaut?“, fragt Maik. „Geborgt, nicht geklaut!“, antwortet Tschick. Mit einem Minimum an Kulisse und Besetzung läuft der Erfolgsroman von Wolfgang Herrndorf nun auch auf der Hildesheimer Bühne des Theaters für Niedersachsen.

Zu dritt erzählt die Theatergruppe Priapia 13 die Geschichte zweier jugendlicher Ausreißer, die mit einem geklauten Lada in die Walachei wollen. Die Jugend der drei angehenden Berufsschauspieler macht ihre Darstellungen dabei umso authentischer - dem 21-jährigen Philipp Steinmann nimmt man auch den 14-jährigen Maik ab und Calvin Auer überzeugt als schief grinsender Tschick. Alle anderen Rollen übernimmt Paula Freter, sie spielt Mutter, Sohn, Lehrer, Schüler und Miterzählerin. Scheinbar mühelos wechselt sie die Figuren, Dialekte und Spielweisen. Häufig kommen dabei Tiermasken zum Einsatz, häufig wirken die Szenen dann wie Klamauk. Aber die Textvorlage bietet immer wieder ein Gegengewicht, denn Tschick und Maik sind auch tragische Figuren, die nicht ohne Grund von zu Hause abhauen. Erst nach dem abrupten Ende ihrer wilden Fahrt wachen die Protagonisten wieder auf in zwei Familien, die sich vielleicht durch ihren Kontostand unterscheiden, nicht aber in ihrer fehlenden Zuwendung.

Die Premiere war ausverkauft, und seit das Buch auch vermehrt im Deutschunterricht auftaucht, ist die Nachfrage nach „Tschick“-Vorführungen - auch sechs Jahre nach der Buchveröffentlichung - wohl vorerst gesichert. In der Werkstatistik des Bühnenvereins von 2015 überholte „Tschick“ Goethes „Faust“ hinsichtlich Aufführungen und Zuschauerzuspruch. Allerdings trifft die Bühnenfassung des Jugendromans demnächst auf einen gefährlicheren Konkurrenten als den Weimarer Klassiker: Ab dem 15. September kommt die Verfilmung von „Tschick“ in die Kinos, Regie führt Fatih Akin („Soulkitchen“, „Gegen die Wand“) - und das Hildesheimer Lichtspielhaus ist gleich gegenüber.

Von Felix Müller

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Kultur
Die Böhsen Onkelz in der Tui-Arena

Comeback der Deutschrocker: Dienstag spielten die Böhsen Onkelz in der Tui-Arena im Hannover.