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"Die Physiker" im Ballhof Eins Im Wolkenkuckucksheim

Hier geht es um viel: die Weltformel, die Weltzerstörung, die Weltrettung. Die Verantwortung der Wissenschaft. Die Undurchschaubarkeit der Moderne. Die Frage, ob man Gedachtes ungedacht machen kann. Die Schuld. Friedrich Dürrenmatts Komödie „Die Physiker“ ist groß und klein zugleich. Groß im Thema und klein in der Erscheinung.

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Die Physiker (Jonas Steglich, Silvester von Hösslin, Jakob Benkhofer) mit der Ärztin Fräulein Mathilde von Zahnd (Sonja Beißwenger).

Quelle: Kawasz

Hannover. Warum das so ist, hat der Autor in seiner Dramentheorie erklärt. Realismus, sagt Dürrenmatt, funktioniere in einer Welt nicht mehr, in der man die Handelnden nicht mehr für ihr Handeln haftbar machen kann. Seine Analyse: „Kreons Sekretäre erledigen den Fall Antigone“, und: „Alle können nichts dafür und haben es nicht gewollt.“ Daraus schließt er: „Uns kommt nur noch die Komödie bei.“

Die Premiere von "Die Physiker" von Friedrich Dürrenmatt im Ballhof Eins.

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Darin folgt ihm Regisseur Florian Fiedler. Und er geht noch ein bisschen weiter. Er weitet die Groteske zum Traumgeschehen. Maria-Alice Bahra hat die Ballhofbühne mit luftigen halbdurchsichtigen Gardinen in viele kleine Räume geteilt. Auf den Vorhängen werden Filmsequenzen projiziert. Das ergibt ein kunstvolles Spiel vielschichtiger Überlagerungen und Überblendungen. Es passt zu diesem Vielebenenspiel, in dem Physiker Verrückte spielen, die sich wiederum als Physiker ausgeben.

Das Spiel mit den überlagerten Bildern ist schön anzusehen, aber es ist auch eine Flucht vor den großen Themen, um die es hier geht. Vieles wird auch nur so angetippt: Am Anfang gibt es viel Musik, fast erwartet man eine „Physiker“-Oper; später dann verliert sich das Musikalische. Am Anfang, wenn die Chefärztin Mathilde von Zahnd (schön kühl: Sonja Beißwenger) den Kommissar (nett zerfahren: Mathias Max Herrmann) im Pool empfängt, gibt es witzige Raumprojektionen, später verliert sich auch das.

Trotzdem: Es macht Spaß, dem Trio der eingesperrten Physiker (Silvester von Hösslin als Möbius, Jonas Steglich als Newton, Jakob Benkhofer als Einstein) zuzuschauen. Und dann ist da noch Sarah Sandeh. Sie ist in verschiedenen Rollen (nicht nur als Oberschwester, sondern auch als Oberpfleger) zu sehen – und eine großartige Entdeckung: eine sehr wandelbare Schauspielerin, voller Energie und ohne Angst vor Übertreibung. Was ja gut zur Groteske passt.
Weitere Vorstellungen: 20. Dezember sowie am 3. und 16. Januar.

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