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Kultur So gut war das Konzert von Die Sterne
Nachrichten Kultur So gut war das Konzert von Die Sterne
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09:32 11.02.2017
Quelle: Philipp von Ditfurth
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Hannover

"Wo fing das an und wann?", fragt Frank Spilker, Sänger der Band Die Sterne, in dem Song "Was hat dich bloß so ruiniert?", der Hymne, die eine ganze Indie-Generation geprägt hat und immer wieder, immernoch aktuell ist und abholt. Die Hamburger Schule jedenfalls, jener Gymnasiasten-Pop mit Diskursanspruch, entstand ziemlich genau in dem Gründungsjahr der Band Die Sterne. Im selben Jahr veröffentlichten Blumfeld und Captain Kirk &. ihre ersten Alben, die Sterne folgten ein Jahr später mit ihrem Debüt. Das ist nun 25 Jahre her, Zeit für ein Jubiläumsalbum und eine Tour: Am Freitag waren Die Sterne im Chéz Heinz und spielten vor ausverkauftem Haus.

"Von allen Gedanken schätze ich doch am meisten die Interessanten"

Und sie lassen sich ziemlich feiern auf ihrer neuen Platte "Mach's besser - 25 Jahre Die Sterne". 25 ihrer Songs werden gecovert von Freunden, Weggefährten und Nachfolgern, es liest sich ein bisschen wie das Who-is-Who der Indie-Szene von Peter Licht, Egotronic, Max Müller, Fehlfarben und Isolation Berlin. Letztere haben sie nach Hannover begleitet.

Seit 25 Jahren prägen sie maßgeblich die Musikrichtung der Hamburger Schule, nun sind sie auf Jubiläumstour: Am Freitag spielten "Die Sterne" mit "Isolation Berlin" im Chéz Heinz.

Isolation Berlin covern auf dem Sterne-Album "Mach's besser" den Song "Irrlicht". Die Band aus Berlin, langsam aus der Asche steigend, ist bereits auf dem Radar der popmusikalisch interessierten Öffentlichkeit, sie besteht aus vier jungen Männern, zornig, punkig und mit diesem unverkennbaren Do-It-Yourself-Charakter der Neunzigerjahre. Sänger Tobias Bamborschke macht manchmal in verzweifelt hohen Lagen seine Stimme ordentlich kaputt, das geht einen richtig an. Ihre Stücke heißen "Alles Grau", "Aquarium", "Fahr weg" oder "Prinzessin Borderline" - live werden dann sogar die gefühligeren Stücke rausgedrückt.

"Ich bin ein Arschloch und ich bin eine Armee"

Hamburger Schule, ein Begriff, von dem sich seine Protagonisten lange Zeit distanziert haben, ist quasi als musikalisches Pendant der Frankfurter Schule zu denken, die Texte verzichten auf abgedroschene Bilder, wollen reizen, sind oft zornig, bisweilen politisch, spielen mit Referenzen und haben irgendwie immer diese intellektuelle Ebene, trotz Leugnungsversuche oder ironischer Brechungen. Deutlich wird das in dem Song "Scheiss auf deutsche Texte" - auf dem Album von der Electropunkband Egotronic gecovert - im Chez Heinz leitet es den Abend mit den Sternen ein.

"Dies war nicht mein erster Shitstorm, und es wird nicht mein letzter sein"

Anschließend spielen sie gut anderthalb Stunden, "Mein Sonnenschirm umspannt die Welt", "Depressionen aus der Hölle", "Nach fest kommt lose", "Mach mich vom Acker" - dabei eben viele Songs ihres letzten Albums "Flucht in die Flucht". Und Frank Spilker moderiert die Songs an in einer herrlich unprätentiösen Art. Man möchte meinen, er wisse gar nicht um seinen Status als Kultfigur.

Ein ausgefülltes Chéz Heinz, ein begeistertes Publikum. Die Hamburger Schule ist tot? Mitnichten. Lang lebe die Hamburger Schule.

Von Katharina Derlin

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