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Auftakt: So spielen die New York Gypsy All Stars

Masala Weltbeat Festival im Pavillon Auftakt: So spielen die New York Gypsy All Stars

Auf der Bühne des Pavillon beweisen Andreou und Lumanovski von der Band New York Gypsy Allstars, dass nicht nur ihre Geschichte sie zu Prototypen des Masala Weltbeat Festivals macht, dessen 22. Ausgabe sie mit ihrer Band New York Gypsy All Stars eröffnen. 

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Auf der Bühne beweisen Andreou und Lumanovski, dass nicht nur ihre Geschichte sie zu Prototypen des Masala Weltbeat Festivals macht.

Quelle: Villegas

Hannover. Ein griechischer Bassist betritt eine kleine Bar in New York. Panagiotis Andreou hat in den USA ein klassisches Musikstudium absolviert, aber die Klarinettenklänge, die ihn plötzlich überfluten, bringen seine frühen musikalischen Erinnerungen zum Schwingen. Er kennt jede einzelne Melodie, die den Improvisationen zugrunde liegt. Kurzerhand steigt er mit seinem Bass zu Ismail Lumanovski auf die Bühne, der einer mazedonischen Musikerfamilie mit langer Tradition entstammt und in seiner Kindheit und Jugend mit den lokalen Größen seiner Heimat auf Hochzeiten und Festen gespielt hat. Auch Lumanovski spielt als klassischer Musiker mit renommierten Orchestern. In dieser Nacht bauen sich die beiden Exilanten ein neues musikalisches Zuhause: eines, in dem Balkanmelodien neben Rhythmen und Harmonien aus der ganzen Welt wohnen.

Die New York Gypsy All Stars haben das Masala Weltbeat Festival eingeleitet.

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Auf der Bühne des Pavillon beweisen Andreou und Lumanovski, dass nicht nur ihre Geschichte sie zu Prototypen des Masala Weltbeat Festivals macht, dessen 22. Ausgabe sie mit ihrer Band New York Gypsy All Stars eröffnen. Sie haben sich nach ihrer Begegnung in New York vor knapp zehn Jahren mit zwei weiteren Musikern zusammengetan, die ihre Erfahrungen teilen: Schlagzeuger Engin Gunyadin ist in Australien geboren, aber in der Türkei aufgewachsen. Und Tamer Pinarbasi kommt ebenfalls aus der Türkei – er experimentiert schon lange mit der Kanun, einer orientalischen Kastenzither, die in der Band die Gitarre ersetzt, und verbindet dabei mikrotonale Makam-Tonleitern mit westlichen Harmonien.

Masala Weltbeat Festival im Pavillon

  • Sonnabend, 20 Uhr: African Night mit Soweto Soul aus Südafrika und Salif Keita aus Mali.
  • Mittwoch, 17. Mai, 20 Uhr: Belcirque aus Belgien.
  • Donnerstag, 18. Mai, 20 Uhr Omar Sosa aus Kuba und die NDR Bigband.
  • Freitag, 19. Mai, 21 Uhr: Bukahara aus Deutschland und La Dame Blanche aus Kuba.
  • Sonnabend , 20. Mai: Electro Fusion Dance Night mit Inna Modja aus Mali und Systema Solar aus Kolumbien
  • Sonnabend, 20. Mai, ab 14 Uhr und am Sonntag, 21. Mai, ab 12 Uhr auf dem Weißekreuzplatz: Masala Weltmarkt mit UNESCO-City-of-Music-Bühne und Streetfood.

Dass der junge Jazzpianist Marius van den Brink, Absolvent des Konservatoriums in Utrecht, im Pavillon zum allerersten Mal mit den New Yorkern spielt, ist kaum zu glauben – und es passt ebenso gut zur Offenheit und Intuition des Ensembles wie der Umstand, dass Sebastian Nickoll, ein deutscher Latin-Percussionist, mal schnell für einen Song zu seinen Freunden auf der Bühne stößt. Die Balkan-Salsa-Rhythmen, die dabei zustande kommen, sind symptomatisch für die musikalischen Weltenbummler, die in ihre Kompositionen neben einer traditionellen Basis auch Elemente aus Ambient, Jazz, Rock, Funk und Elektro einfließen lassen. Bei allem forschenden Interesse der Klangsammler und ihren kaum zu durchschauenden Taktcollagen ist ihre Musik geprägt von atemberaubender Lebendigkeit. Andreous knallende Bässe und Lumanovskis über allem schwebende Klarinette machen es fast unmöglich, nicht mitgerissen zu werden.

Auch dass die Musiker im Pavillon von sechs Tänzerinnen begleitet werden, die Elemente aus orientalischen, indischen und nordafrikanischen Tänzen sowie Flamenco vereinen, ist typisch Masala – und doch eine Premiere. Im Rahmen des Programms „Niedersachsen im Dialog“ schließen sich erstmals nicht zwei Bands zusammen. Perlatentia aus Hannover war vor zwölf Jahren eine der ersten Tribal-Dance-Gruppen Deutschlands. Innerhalb nur eines Probentages hat sie gemeinsam mit den New York Gypsy All Stars genresprengende Bauchtanz-Choreografien entwickelt. Beide Ensembles tragen auf ausgesprochen sinnliche Weise zum Diskurs des aktuellen Masala-Schwerpunktthemas bei: Es geht um Grenzen. Politisch und gesellschaftlich möchte das Team für die Gefahren weltweit schnell wachsender Abschottungs-Mentalitäten sensibilisieren. Musikalisch stellt es Fragen nach dem Eigenen und dem Fremden – danach, ob ohne umrissene Traditionen, Stile und Genres das inspirierende Abenteuer der Grenzüberschreitung überhaupt möglich wäre.

Dass das Durchdringen von Grenzen immer auch mit Kühnheit, Intuition und Visionen zu tun hat, zeigt das kulturpolitische Bekenntnis der Generalsekretärin der Stiftung Niedersachsen bei der Masala-Eröffung – Lavinia Francke kann sich nämlich noch viel mehr Musik in Hannover vorstellen: „Wenn sie in Berlin Till Brönners House of Jazz und die 12,5 Millionen Bundesförderung nicht wollen, nehmen wir beides gerne“, sagt sie. Und ergänzt lächelnd: „Und dann bauen wir ein großes Kulturquartier im Ihme-Zentrum.“ Da bleiben vermutlich noch viele Details zu klären. Doch jenseits aller Zuspitzung wird deutlich, dass Hannovers Kultur Menschen braucht, die bereit sind, vor allem gedankliche Grenzen zu überschreiten. Dazu wird im Pavillon noch bis zum kommenden Sonntag ausreichend Gelegenheit sein.

  Von Thomas Kaestle

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