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So sieht es in der Elbphilharmonie aus

Rundgang So sieht es in der Elbphilharmonie aus

Die eigentliche Eröffnung der neuen Elbphilharmonie, im Volksmund Elphi, in Hamburg ist erst am 11. Januar 2017. Doch Plaza, der öffentlich zugänglichen Aussichtsplattform, bietet bereits ein optisches Ausnahme-Erlebnis.

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Die Plaza der Elbphilharmonie in Hamburg bietet in 27 Metern Höhe einen 360-Grad-Blick über die Hansestadt.
 

Quelle: AFP

Hamburg. Man ist schon per du. „Elphi reicht“, unterbricht die Taxifahrerin sofort, wenn man ein Ziel nennen will, das hier in den vergangenen Jahren immer wieder einmal unerreichbar schien: die Elbphilharmonie. Rechtzeitig zur Eröffnung haben sich die Hamburger mit ihrer kostspieligen neuen Konzerthalle versöhnt. Der Ärger auf der Baustelle, der Dauerstreit der Beteiligten, die Kostenexplosion – wenn jetzt die Plaza mit ihren Restaurants und dem Hotel nach 15-jährigen Bauleidensgeschichte öffentlich zugänglich wird, sind kaum noch kritische Töne zu hören.

Wasserseitiger Blick auf die Elbphilharmonie in Hamburg

Wasserseitiger Blick auf die Elbphilharmonie in Hamburg.

Quelle: AFP

Schon bevor hier zum ersten Mal Musik erklingt – das wird erst ab der Eröffnung des Großen Saals am 11. Januar der Fall sein – scheinen die meisten Hamburger den teilweise heftig umstrittenen Bau ins Herz geschlossen zu haben. Wie selbstverständlich kann Olaf Scholz, der Erste Bürgermeister der Stadt, bei einer Pressekonferenz im Konzertsaal konstatieren, dass es eine richtige Entscheidung gewesen sein, die Elbphilharmonie zu bauen. Und auch die Taxifahrerin zeigt so stolz aus dem Fenster, wenn der spektakuläre Bau zum ersten Mal zwischen den Häuserschluchten sichtbar wird, als sei die „Elphi“ das überraschend doch noch wohlgeratene Kind der Familie.

Zum familiären Gefühl gehört wohl auch, dass der Bau zunächst nicht mit den Superlativen protzt, an denen er so reich ist. Im Eingangsbereich übt sich die Elbphilharmonie in hanseatischer Zurückhaltung. Dass der Zugang, durch den man diese architektonische Wunderwelt betritt, „der Schlitz“ genannt wird, ist nämlich keine Untertreibung: Durch eine niedrige Lucke am Fuße des schweren Backsteinspeichers, auf dem sich der ausgreifende Glaskörper des Neubaus erhebt, fahren auf einer Seite die Autos ins Parkhaus, in der Mitte rollen die Hotelgäste ihre Koffer in den Fahrstuhl und rechts führt eine Rolltreppe ins Ungewisse. Unspektakulärer lässt sich ein Eingang kaum gestalten. 

Lange ist die Elbphilharmonie gebaut worden, nun ist das Gebäude vom Baukonzern Hochtief an die Hansestadt Hamburg übergeben worden.

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Das ändert sich, sobald man die „Tube“ genannte Rolltreppe betritt, über die man die Plaza und weiter die Konzertsäle erreicht. Besonders stolz sind die Architekten Jacques Herzog, Pierre de Meuron und Ascan Mergenthaler auf den gebogenen Parcour der Treppe, der keinen Ausblick auf das Ziel ermöglicht, wenn man die rund dreiminütige Reise auf dieser längsten Rolltreppe Europas antritt. Dieser dramaturgisch geschickt gestaltete Zugang, das Verzögern der Erwartungen, bevor man den atemberaubenden Blick über die Stadt genießen kann, hat aber auch Nachteile: Die „Tube“, die mit ihren paillettenverzierten Röhrenwänden von fern an die Rutsche im Spaßbad erinnert, ist nichts für Menschen mit Platzangst. Zum Glück ist die Treppe nicht der einzige Zugang: Rund ein Dutzend Fahrstühle führen ebenfalls auf die Höhe von 37 Metern, auf das Dach des ehemaligen Tabak- und Kaffeespeichers, der nun in eine 3100 Quadratmeter große Plaza verwandelt wurde.

Hier kann man durch eine der insgesamt 2200, teilweise sphärisch gebogenen Scheiben den Blick über den Hafen und die Skyline der Stadt genießen, ein rundumlaufender Balkon eröffnet zudem eine 360-Grad-Aussicht auf die Stadt. Von hier wird man ab Januar zu den beiden Konzertsälen gelangen. Falls man nicht Besitzer einer der unterm geschwungenen Dach gelegenen Eigentumswohnungen ist, die derzeit noch für einige Millionen Euro zum Verkauf stehen, oder sich ins Hotel „The Westin“ mit seinen großzügigen Suiten eingemietet hat, kann man hier immerhin aus dem „Störtebeker“ in die Welt schauen. 15 Fassbiere hat die Gaststätte im Angebot hat. Ein 0,3-Glas kostet 3,80 Euro: Nicht alles in der Elbphilharmonie ist unbezahlbar.

Am 4. November eröffnet das „Westin Hamburg“ in der Elbphilharmonie. Das Luxus-Hotel mit 244 Zimmern, verteilt auf 19 Ebenen, bietet durch bodentiefe Panoramafenster einen atemberaubenden Ausblick.

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Dass die 789 Millionen Euro Baukosten nicht spurlos verschwunden sind, kann man eindrucksvoll sehen, sobald man die Foyerlandschaft des Konzertbereichs betritt. Edles Holz an Boden und Wänden und eine eindrucksvolle Architektur, die mit ihren vielen Durch- und Einblicken an englische Landschaftgärten erinnert. Mit Wegen, Treppen und kleinen Plätzen läuft das riesige Foyer rund um das Herzstück der Elbphilharmonie: dem Großen Saal, der an 362 Federblöcken in der Mitte des Gebäudes aufgehängt ist. So ist die Bühne geschützt vor dem Tuten der Container- und Kreuzfahrtschiffe, die nur wenige Meter entfernt den Hafen anlaufen.

Das Podium liegt weiter in der Mitte des Saals als etwa in der Berliner Philharmonie, die das Urbild auch dieses Saales war, und ist der Grund, warum die Elbphilharmonie trotz ihrer Luxusappartments als demokratischer Bau bezeichnet wird: Von allen Plätzen kann man hier bestens sehen.

Für das gute Hören sorgt die „Weiße Haut“ an der Wand, die tatsächlich grau ist und an unterschiedlich deformierte Eierkartons erinnert. Offenbar funktioniert das Konzept: Die Musiker des NDR Elbphilharmonie-Orchesters, die hier ab sofort ihren Arbeitsplatz haben, sollen vor Freude und Begeisterung geweint haben, als die das erste Mal in dem Saal geprobt haben.

Ob es den Zuhörern auch so gehen wird, lässt sich erst ab Januar sagen. Die Erwartungen waren hoch, sagt Bürgermeister Scholz: „Wir haben sie hier aber übertroffen.“

Von Stefan Arndt

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