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Nachrichten Kultur So war das Konzert von Schnipo Schranke
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00:15 29.03.2017
Singen von Dinge, die jeder kennt, über die man aber höchstens mit guten Freunden spricht: Fritzi Ernst (vorn) und Daniela Reis.Foto: Wallmüller Quelle: Michael Wallmüller
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Hannover

Vor drei Jahren verursachte Schnipo Schranke ein kleines Erdbeben in der deutschsprachigen Musik. Zwar war diese zu jener Zeit an Erschütterungen nicht arm. Bands wie Wanda und AnnenMayKantereit tauchten auf und nannten die Dinge beim Namen. Geradeheraus chauvinistisch die einen, alltäglich unspektakulär die anderen.

Das Pop-Duo Schnipo Schranke gehört zu Deutschlands aufregendsten Newcomern. Hier gibt es die Bilder von ihrem Konzert in der Faust.

Das kam gut an bei einer zunehmend von Komplexitäten und Differenzierungsnotwendigkeiten überforderten jungen Generation. Doch keiner sang über die Liebe wie Fritzi Ernst und Daniela Reis, die sich nach dem banalsten deutschen Gericht benannten, das ihnen einfiel: Schnitzel mit Pommes, Mayonnaise und Ketchup - Schnipo Schranke eben. Ihr Song „Pisse“, ein Liebes- und Trennungslied jenseits von Scham wurde einer der großen Hits des Jahres 2014.

Die beiden jungen Frauen, studierte Musikerinnen, schildern darin lustvoll zwischenmenschliche Untiefen rund um Körperlichkeit und Sexualität. Dinge, die jeder kennt, über die man aber höchstens mit guten Freunden spricht. Dass das in harmlos beschwingten Pop verpackt war, tat ein Übriges.

Keine Feministinnen

Im September 2015 erschien dann Schnipo Schrankes Debütalbum, das die Band kurz darauf auch im hannoverschen Lux vorstellte. Da hatten Ernst und Reis gerade in allen großen Feuilletons erklärt, sie seien keinesfalls Feministinnen, sondern einfach nur Frauen, die die Unanständigkeiten, Widersprüche, Fantasien und Frustrationen ihres Alltags in Songs übersetzten.

Nach eineinhalb Jahren ist nun mit „rare“ ein zweites Album erschienen und Schnipo Schranke stellt es in der Sechzigerjahrehalle des Kulturzentrums Faust vor. Während AnnenMayKantereit inzwischen in der ausverkauften Swiss-Life-Hall auftrat, hat sich das Publikum hier nur unwesentlich erweitert: Etwa 300 Fans sind gekommen, nicht einmal doppelt so viele wie vor eineinhalb Jahren im Lux.

Unbequem statt unbeschwert

Schnipo Schranke spielt eben keinen oberflächlichen Soundtrack für ein unbeschwertes Studentenleben. Die Songs der Band sind anders geblieben, direkter, unbequemer, abgründiger. Der Überraschungseffekt des Krassen hat sich dabei allerdings abgenutzt. Wer auch das zweite Album hört, bekennt sich wie dessen Autorinnen vor allem zu seinen Unzulänglichkeiten.

Dabei wirken die neuen Songs oft düsterer, die Kompositionen sind komplexer und zitieren romantische Klaviermusik und Synthesizerklänge des New Wave. Referenzen, die angesichts der erzählten Geschichten kein Zufall sein dürften: Wieder geht es um Rumhängen und Treibenlassen, um Abhängigkeiten, Drogen, Missverständnisse und unerfüllte Sehnsüchte. Schnipo Schranke benennt noch immer Schmutziges und Hässliches auf skurril übersteigerte Weise.

Musikerinnen stellen Widersprüche direkt zur Schau

Ernst und Reis verlieren dabei außerhalb ihrer Popsongs nicht viele Worte. „Wir spielen jetzt eine traurige Ballade“, kündigt Fritzi Ernst mehr als einmal lächelnd an. Die beiden Musikerinnen stellen ihre Widersprüche geschickt zur Schau.

Perfekt zu sein, gehört nicht zu ihrem Image. Als Daniela Reis sich zu Beginn eines Songs verspielt, bricht sie lächelnd ab und sagt nur: „Nochmal.“ Die Fans jubeln - vermutlich ebenso über die charmante Aufrichtigkeit wie über den Fehler selbst.

Von Thomas Kaestle

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