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„Das hat mir einen Stromstoß versetzt“

Sopranistin Ania Vegry „Das hat mir einen Stromstoß versetzt“

Die Sopranistin Ania Vegry spricht mit Redakteur Stefan Arndt über die Reaktionen auf den hannoverschen „Freischütz“ und die Arbeit mit Regisseur Kay Voges.

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„Ich bin gespalten“: Ania Vegry am Bühnenrand der Staatsoper.

Quelle: Surrey

Wenn Max seiner Verzweiflung auf der Bühne Ausdruck verleiht, ist Ania Vegry immer gerade in der Garderobe. Während der Proben hat die Sopranistin diese Passage aus dem „Freischütz“ viele Male gehört, während sie sich auf ihren nächsten Auftritt als Ännchen vorbereitet. Und immer verhallte Max’ Stoßseufzer ins Leere – Carl Maria von Webers Partitur lässt den Sänger danach für einen Moment schweigen. Doch jetzt während der Premiere tönt plötzlich eine Antwort durch den kleinen Lautsprecher, der das Geschehen auf der Bühne in die Katakomben des Opernhauses überträgt. „Mir reicht’s“, ruft Max, und ein Zuschauer ruft unmittelbar darauf „Uns auch!“ in den Saal.

Entgegen der ursprünglichen Einschätzung sei die aktuelle Inszenierung des „Freischütz“ nicht für Heranwachsende unter 16 Jahren geeignet.

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„Das hat mir noch einmal einen richtigen Stromstoß versetzt“, sagt Vegry heute. Reaktionen aus dem Publikum findet die hannoversche Sängerin, die  erst beim Mädchenchor Hannover und später an der Hochschule ausgebildet wurde und seit sieben Jahren zum Ensemble der Staatsoper gehört, grundsätzlich positiv. Auch die zum Teil heftigen Buhrufe verbucht sie keinesfalls ausschließlich negativ. Leidenschaftliche Publikumsreaktionen hätten im Theater eine „unbedingte Daseinsberechtigung“: „Es ist toll, geradezu aufregend, wenn die Zuhörer sich uneinig sind und dadurch ein offener Diskurs entsteht. Wenn nicht nur wir auf der Bühne lieben und streben, sondern wenn die Emotionen wirklich übergreifen.“

Überrascht war sie von den zum Teil heftigen Reaktionen auf die Inszenierung von Kay Voges nicht. Schon während der Proben hat sich abgezeichnet, dass diese Produktion das Zeug hat, ein Publikum zu polarisieren. Und nicht nur das Publikum: Auch bei den Mitwirkenden gibt es ein breites Meinungsspektrum. „Ich selbst bin gespalten“, sagt Vegry.

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Der „Freischütz“ ist das nächste Mal am Mittwoch um 19.30 Uhr zu sehen. Um 19 Uhr gibt es eine Einführung. Im Anschluss an die übernächste Vorstellung am 7. Januar stellt sich Regisseur Kay Voges in einem Publikumsgespräch allen Fragen.

Die grundsätzliche Herangehensweise des Regisseurs, sehr viele Dinge gleichzeitig auf der Bühne ablaufen zu lassen, findet die Sängerin sehr interessant. „Wir laufen ja auch im wirklichen Leben auf mehreren Kanälen gleichzeitig“, sagt sie und meint damit unter anderem den Umgang mit den neuen sozialen Medien. Darum vermutet Vegry, dass die Inszenierung bei einem jüngeren Zuschauer besser funktioniert als bei einem älteren Menschen, der nicht so selbstverständlich mit Facebook, Twitter und Co. vertraut ist.

Nicht ganz so glücklich scheint Vegry damit zu sein, dass die Sänger auf der immer auch mit vielen Videos bespielten Bühne nicht so stark wie sonst im Mittelpunkt stehen. „Wenn man wie beispielsweise gerade in ,Candide’ auch noch den Scheinwerfer für seine große Arie bekommt, ist das schon toll“, sagt sie. Aber auch hinsichtlich solcher freimütig eingestandenen „Eitelkeit einer Sängerin“ sorge dieser „Freischütz“ eben für Abwechslung. Und die Videos selbst findet sie wenig skandalös: „Natürlich muss das nicht jedem gefallen – ich persönlich verbuche das jedoch unter künstlerischer Freiheit.“

So umstritten die Aufführungen auch sind – die Proben dazu sind erstaunlich harmonisch verlaufen. „Kay Voges ist ein ungewöhnlich liebenswürdiger Regisseur, der sehr zugänglich ist und viel erklärt“, sagt die Sängerin. Und seine Inszenierung sei weit entfernt von bloßer Provokation. „Alle Details sind sehr genau durchdacht und miteinander in Beziehung gesetzt.“ Eine Szene, die sie nur deshalb spiele, weil sie es müsse, gebe es in dieser Inszenierung nicht. „Das würde ich auch gar nicht zulassen.“ Man könne immer mit dem Regisseur diskutieren und gemeinsam einen Weg finden, der es ermöglicht, die Rolle mit Überzeugung auszufüllen. „Hier war das aber gar nicht nötig.“

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