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Nachrichten Kultur Spenden aus dem Internet sollen jungen Filmemachern helfen
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14:45 18.07.2011
Hauptsächlich Blockbuster locken den Durchschnittsdeutschen jährlich 1,6 Mal ins Kino. Quelle: dpa
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München

Das Urteil war vernichtend. Sein Film sei nicht lustig. Außerdem würden Fördergelder nur an Projekte vergeben, die wirtschaftlichen Erfolg versprächen, teilte die Filmförderungsanstalt in Berlin dem noch unbekannten Filmemacher mit. Zehn Jahre, fast 12 Millionen Zuschauer und 65 Millionen Euro Umsatz an den Kinokassen später kann sich Michael „Bully“ Herbig über diese Fehleinschätzung seiner Komödie „Der Schuh des Manitu“ amüsieren. Andere aufstrebende Kollegen sehen ihre Ideen im zunehmend umkämpften Markt jedoch zum Scheitern verdammt - und suchen nach kreativen Wegen der Finanzierung. Der neueste Trend: Crowd-Funding - Schwarmfinanzierung - über’s Internet.

„Das ist mehr als eine witzige Idee“, sagt Sascha Schwingel, Produzent und Mitglied der Geschäftsführung bei der Filmproduktionsfirma teamWorx in Berlin. Schwingel, der TV-„Tatorte“ oder Filme wie den RTL-Zweiteiler „Hindenburg“ produziert, hält den öffentlichen Aufruf, für einen Film Geld zu spenden, besonders für Spartenprogramme für attraktiv. Angesichts des Booms der Social Media sei die Methode außerdem höchst zeitgemäß. Seit Anfang Juni sammeln teamWorx und die Gesellschaft VonFiesbachFilm auf der Internetseite hotel-desire.com solche Spenden für den gleichnamigen Film. Rund 70.000 Euro für die Low-Budget-Produktion kamen so bereits zusammen.

Die Filmemacher locken mit Gegenleistungen. Je nach Höhe der Spende bekommen die Geldgeber einem Gutschein, um sich den Film kostenlos im Internet anzusehen (ab 5 Euro) oder eine Einladung zu einer Privataufführung mit den Darstellern in Berlin (ab 5000 Euro).

Die Methode ist gar nicht so neu. In den USA werden schon seit Jahren Musik-CDs oder Dokumentarfilme von Fans mitfinanziert. Protestantische Gläubige zum Beispiel unterstützten den Kinostreifen „Luther“. Vorreiter in Europa war die finnisch-deutsch-australische Produktion „Iron Sky“. Die Fans werden dort mit einer Gewinnbeteiligung belohnt. „Kulturelle Projekte sind dafür ideal“, sagt Claudia Pelzer, Gründerin der Internet-Plattform Crowdsourcingblog.de. Die Spender wollten etwas fördern, weil sie dazu eine emotionale Bindung hätten.

In Deutschland mindern sie zudem ein Manko der Filmwirtschaft. Die klassische Filmfinanzierung wendet sich meist an Großproduktionen und bereits bekannte Produktionsfirmen, bei denen das Risiko des Scheiterns als gering eingeschätzt wird. „Unter 1 Million Euro Darlehen fangen wir gar nicht an“, sagt Andreas Brey, Leiter des Filmgeschäfts bei der DZ Bank. Sie ist eine von wenigen, die sich auf das Filmgeschäft einlassen. Kleine Projekte wären unrentabel.

Kultur scheitert am Kapital. „Es fehlt an Privatkapital, weil man die Medienfonds kaputt gemacht hat“, findet Arno Ortmair, Vorstandsvorsitzender des Verbands deutscher Filmproduzenten. Er ist schon lange im Geschäft, hat sein Büro vor den Toren von München, in Grünwald auf dem Gelände der Bavaria Film Studios. Aber gerade junge Kollegen scheiterten an Forderungen der Banken nach Besicherungen, die sie nicht bieten könnten, kritisiert er. „Kreativität und Unabhängigkeit werden so konterkariert.“

Auch die KfW-Bank, die nach dem Willen der Bundesregierung seit wenigen Monaten den Mangel an Darlehen privater Banken abfedern soll, schaut laut Markus Röhle, Leiter des jungen KfW-Filmgeschäfts, auf den „Track Record“ des Produzenten und das Ausfallrisiko. „Am Ende sind auch wir nur eine Bank“, räumt er ein. „Für Nachwuchsproduzenten sind wir nicht die richtigen Ansprechpartner.“

Keine Chance für „Hotel Desire“ aus der Feder des Schauspielers Sergei Moya. „Es war sofort klar, dass wir den Film nicht klassisch würden finanzieren können“, sagt Schwingel. Der Film mit Anna Maria Mühe und Herbert Knaup wäre nur 45 Minuten lang, zudem mit pornografischen Szenen gespickt.

Und die diversen Institutionen der Filmförderung, in die Länder und Sendeanstalten viele Millionen Euro pumpen, um den europäischen Film gegen die Marktübermacht von US-Streifen zu stärken? Haben nicht genügend finanzielle Mittel, um die wachsende Zahl der Produzenten und ihre Ideen zu finanzieren, sagt Klaus Schaefer, Geschäftsführer des Film-Fernseh-Fonds Bayern (FFF): „In den 90er Jahren wurden die Absolventen der Filmhochschulen vom Privatfernsehen abgeworben. Wer heute Produktion studiert, der drängt auf den freien Markt.“ Von den jährlich 50 bis 60 Kinoproduktionsanträgen beim FFF würden 40 Prozent bezuschusst, und auch die nicht mit den beantragten Summen. Er wünsche sich sogar, dass die „begrüßenswerte Besessenheit der Künstler“, für ihre Ideen neue Finanzierungswege zu suchen, Erfolg habe, sagt Schaefer. „Letztlich ist das marktnah. Und es nimmt uns den Druck, dass ein Projekt stirbt, wenn wir kein Geld dafür geben.“

Ob „Hotel Desire“ verwirklicht wird, entscheidet sich am 23. August. Kommt die benötigte Summe von 170.000 Euro bis dahin nicht zusammen, sollen die bereits eingesammelten Spenden dem deutschen Nachwuchspreis „First Steps“ zu Gute kommen. Der wird jedes Jahr an junge Filmemacher vergeben.

dpa

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