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Kultur Der eigenwillige Kosmos von Wenzel Storch
Nachrichten Kultur Der eigenwillige Kosmos von Wenzel Storch
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19:08 10.04.2017
Der aus Hildesheim stammende Filmemacher und Autor Wenzel Storch. Quelle: Tim Schaarschmidt
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Hannover

Mitte der Achtzigerjahre wurde Hildesheim zum Mittelpunkt der Popkulturforschung. Einer der Protagonisten war Hans-Otto Hügel, der dort an der Universität als erster deutscher Professor für populäre Kultur lehrte. Der andere heißt Wenzel Storch und wollte mit akademischen Diskurs nie etwas zu tun haben. Zwischen 1986 und 1989 arbeitete er als Autodidakt an seinem ersten Kinofilm  „Der Glanz dieser Tage“, gedreht in selbst gebauten Kulissen, mit Laiendarstellern und auf Super-8-Material. Dem filmischen Werk dieses Popkultursammlers und -arrangeurs widmet das Sprengel-Museum jetzt zum ersten Mal eine Museumsausstellung.

Verstiegene Üppigkeit

In einem Raum versammelt sie 65 Skizzen, Entwürfe und Zeichnungen, aber auch Filmausschnitte, Fotografien und Requisiten: Versatzstücke des gedanklichen Netzwerks hinter der visuell verstiegenen Üppigkeit von Storchs künstlerischem Gesamtentwurf. Darin verarbeitet der 1961 Geborene Eindrücke seiner Kindheit und Jugend. Da ist der provinzielle Mief der Kindheit in einem streng katholischen Elternhaus. Da sind die ersten kleinen Ausbrüche in popkulturelle Bildwelten der Siebzigerjahre, Happen der bunter werdenden Welt, die Storch in Fernsehen, Zeitschriften und Musik aufschnappt. Und schließlich ergeben sich erste Drogenerfahrungen mit psychedelischen Bildwelten.
Als Trash bezeichnete das Gros der Filmkritik Storchs drei Kinofilme bei deren Erscheinen. Dass deren lustvoll überfrachtete Visualität jedoch voller poetischer Details steckt, dass ihre oft irrwitzigen Geschichten sich zum barocken Weltentwurf eines Universalkünstlers fügen, erkannte der Filmkritiker Georg Seeßlen schon früh. „Er trug viel dazu bei, mein Werk langsam in die Feuilletons sickern zu lassen“, erzählt Storch, der allerdings auch Verrisse mag und auf seiner Webseite sammelt. Er findet: „Sie beschreiben meine Filme eigentlich am umfassendsten.“ Auch Sprengel-Kuratorin Inka Schube verfolgt sein Schaffen begeistert seit dem ersten Film.
Bei „Die Reise ins Glück“, dem letzten, nach zehn Jahren zermürbender Produktionszeit 2004 fertiggestellten Film, förderte das Museum Wenzel Storch sogar mit einer kleinen Summe. „Mich beeindrucken diese poetischen, anarchischen Welten, die jenseits aller Diskurse Autonomie behaupten“, erklärt Schube. Auf die Frage, ob sie seit ihrer ersten Begegnung vor 25 Jahren einen kunsttheoretischen Überbau zu Storchs Arbeiten formuliert habe, gesteht sie lächelnd: „Ich bin immer noch sprachlos fasziniert.“ Entsprechend versucht die schillernde Ausstellung, einen intuitiven Zugang zu Storchs wildem Schaffen zu vermitteln, Zusammenhänge und Hintergründe vorzuschlagen, und auch Teile von Arbeiten zu zeigen, die erst nach der Filmtrilogie entstanden sind.

Psychedelischen Bildwelten

Blumenkostüme, die die Kostümbildnerin Pia Maria Mackert für Storchs Dortmunder Theaterinszenierung über katholische Aufklärungsliteratur entwarf, stehen neben vorgeblich naiven Bildern zu Arno Schmidts Biografie, mit denen der Künstler für die Zeitschrift „Konkret“ einen Kindermalwettbewerb der Volksbank Bargfeld behauptete. „Eigentlich ergaben sich die künstlerischen Formate für mich immer eher zufällig“, sagt Storch. Hauptsache, die Annäherung an ein Thema gerate nicht zu verkopft.

Einen Einblick in den Kosmos des eigenwilligen Künstlers Wenzel Storch gibt eine Ausstellung im Sprengel-Museum.

Wenzel Storch „Das heiße Eisen der Erinnerung“: Eröffnung heute um 18.30 Uhr in Anwesenheit des Künstlers im Sprengel-Museum. Die Ausstellung läuft bis zum 16. Juli.

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