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Wertschätzung für die Fotografie

Sprengel Museum Wertschätzung für die Fotografie

Es ist ein deutliches Signal für die Wertschätzung der Fotografie: Stefan Gronert startet als Fotokurator am Sprengel-Museum in Hannover.

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Experte für Licht und Schatten: Stefan Gronert, der neue Kurator für Fotografie im Sprengel-Museum. Foto: Hagemann

Quelle: Insa Cathérine Hagemann

Hannover. Eines der ganz herausragenden Häuser“ - so stuft Stefan Gronert das Sprengel-Museum ein und fügt fast schwärmerisch hinzu: „Zwei Stellen allein für die Fotografie, das ist an Museen in Deutschland die große Ausnahme.“

Zwei Fotokuratorenstellen, das gibt es auch in Hannover erst seit Anfang dieses Monats. Und künftig werden sich am Sprengel-Museum sogar drei Fachleute exklusiv um den Bereich Fotografie kümmern. Denn neben der langjährigen Fotokuratorin Inka Schube und Stefan Gronert als weiterem Kurator soll es noch einen Fotorestaurator geben. Möglich wird dieser Ausbau durch den Kooperationsvertrag des Museums mit der Niedersächsischen Sparkassenstiftung, die dem Haus damit auch ihre hochkarätige Sammlung künstlerischer Fotografie überantwortet.

Viel zu tun also, auch für den 51-jährigen Gronert. Er hat Kunstgeschichte, Pädagogik, Germanistik und Philosophie studiert und über den Renaissancemaler Hans Holbein seine Doktorarbeit geschrieben. Am Kunstmuseum Bonn, wo Gronert bislang als Kurator für Gegenwartskunst und Fotografie arbeitete, war sein Chef Stephan Berg, der frühere Direktor des Kunstvereins Hannover.

Das ist für Gronert nur eine von vielen Verbindungen zwischen Bonn und Hannover. Im Jahr 2012 hat er hier schon, gemeinsam mit der Kestnergesellschaft, eine Ausstellung des US-Fotografen Lewis Baltz veranstaltet, 2006 hat er eine Ausstellung des Fotografen Jörg Sasse im Kunstverein Hannover und dem Kunstmuseum Bonn begleitet. Und schon in den Neunzigerjahren hat er mit Thomas Weski zusammengearbeitet, der die Fotografieabteilung am Sprengel-Museum aufbaute.

Und er hatte auch Berührung mit der berühmten Sammlung Ann und Jürgen Wilde. Diese Fotografiesammlung - darunter Werke von Karl Blossfeldt und August Sander, Florence Henri und Germaine Krull, Bernd und Hilla Becher - hatte das Sammlerpaar 1992 dem Sprengel-Museum als Dauerleihgabe überlassen. Im Jahr 2009 allerdings haben die Wildes ihre Sammlung vom Sprengel-Museum an die Münchner Pinakothek der Moderne verlagert.

Damit so etwas dem Sprengel-Museum nie wieder passiert, setzt Reinhard Spieler auf eine Stärkung der Fotografieabteilung, seit er das Amt des Museumsdirektors von seinem Vorgänger Ulrich Krempel übernommen hat. Zu dieser Stärkung zählt der jüngst geglückte Erwerb des Nachlasses des Fotografen Otto Maximilian Umbehr, genannt Umbo, ebenso wie die Rückbesinnung auf hannoversche Stärken, darunter die Tradition der Spectrum-Photogalerie, die die Fotografen Peter Gauditz, Joachim Giesel und Heinrich Riebesehl 1972 in Hannover gegründet hatten.

Wird sich die Fotografie, der in der öffentlichen Wahrnehmung erst seit den Siebzigerjahren auch ein Kunststatus zugestanden wird, auch im Zeitalter des vielfachen digitalen Knipsens als Kunst behaupten? „Die digitale Bilderflut erhöht die Notwendigkeit, zu unterscheiden“, sagt Gronert. „Gerade an der künstlerischen Fotografie lässt sich, im Unterschied zur Mode- oder Wissenschaftsfotografie, erkennen, welches die Bilder sind, die die Zeiten überdauern, weil sie vielschichtig sind und sich nicht auf schlichte Formeln reduzieren lassen.“

Fotokuratoren sichten, was von den vielen Bildern als überliefernswert übrig bleibt, und das Material dafür liegt gerade in Hannover besonders reichhaltig vor. „Umbo, Riebesehl, Ballhause - Hannover ist bei der Fotografie sehr gut aufgestellt“, sagt Stefan Gronert.

Wer sich fragt, welche beruflichen Gründe Gronert vom Rhein an die Leine locken, mag darin eine Erklärung erkennen. Außerdem bietet das Sprengel-Museum mit seinem im Vergleich zum Kunstmuseum Bonn über dreimal so großen Sammlungsbestand mehr Möglichkeiten. Größere Potenziale erblickt Stefan Gronert auch darin, dass Hannover, anders als Bonn, eine Landeshauptstadt ist, da lasse sich mehr Geld von Stiftungen oder aus privaten Quellen mobilisieren. „Was es in Bonn überhaupt nicht gibt“, sagt Gronert, „ist das riesige Konvolut US-amerikanischer Fotografien aus den Siebziger- und Achtzigerjahren mit Diane Arbus, Lee Friedlander, Lewis Baltz, Garry Winogrand - das ist wirklich faszinierend.“

Vieles davon wird man im Rahmen der großen Sammlungspräsentation „130 % Sprengel“ zu sehen bekommen. Stefan Gronerts Arbeit als Kurator wird im Sprengel-Museum bei einer für 2017 geplanten Ausstellung von Werken der niederländischen Fotografin Rineke Dijkstra sichtbar werden, die er kuratiert.

Zu den professionellen Gründen für den Wechsel nach Hannover kommen übrigens auch private Motive, die dazu führen, dass Gronert das Leben in Hannover nicht erst kennenlernen muss. „Ich bin acht Monate lang nach Bonn gependelt - schließlich lebe ich mit meiner Familie seit vergangenem August in der Südstadt.“

Nicht pendeln musste seine Frau, die gleichfalls in einer Kunstinstitution arbeitet - es handelt sich um Christina Végh, seit Mai 2015 Direktorin der Kestnergesellschaft.

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