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Kultur Sprengel-Museum zeigt Fotos zweier Generationen 
Nachrichten Kultur Sprengel-Museum zeigt Fotos zweier Generationen 
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17:17 11.03.2018
1938 Geburtstagsfest Sprengel Museum Sprengel 1968 Quelle: 1938 Geburtstagsfest Sprengel Museum
Hannover

 Die Identitätssuche eines Jugendlichen anhand der von ihm fotografierten Sneakers - und die Identitäten von acht Jugendlichen aus Hellersdorf in den Fotoporträts von Helga Paris. Ein Film über eine fiktive Revolution - und der tatsächliche Aufstand des Prager Frühlings in den Fotodokumenten von Josef Koudelka. Starre Räume in neuen Funktionsbauten – und reglose Figuren in bewegtem Raum, nämlich jene „Menschen im Fahrstuhl“, die Heinrich Riebesehl in Hannover fotografiert hat. 

Das sind einige der Gegenüberstellungen, die das Sprengel-Museum in seiner neuen Fotoausstellung bietet – teils disparate, teils seltsame, teils wirklich bemerkenswerte Konfrontationen von Bildern, deren Schöpfer bei aller Unterschiedlichkeit eines gemeinsam haben: Sie gehören zwei Generationen an. Die einen sind größtenteils in den Achtzigerjahren, die anderen durchweg im Jahr 1938 zur Welt gekommen. 

„1938. Ein Geburtstagsfest mit Gästen“, heißt die von Inka Schube kuratierte Ausstellung. „Wir haben diese Schau dem reichen Wissensschatz von Inka Schube zu verdanken“, sagt Sprengel-Museumsdirektor Reinhard Spieler bei der Präsentation der Ausstellung. Und die Fotokuratorin des Museums sagt, durch die 1955 entstandene Fotoserie „Wir sind 17“ des Amsterdamer Fotografen und Filmemachers Johan van der Keuken sei sie vor Jahren schon auf dieses bemerkenswerte Jahr aufmerksam geworden. „1938 war das Geburtsjahr vieler wichtiger Fotokünstler.“  Neben dem Niederländer van der Keuken und dem Tschechen Koudelka, Heinrich Riebesehl und Helga Paris sind auch der Ukrainer Boris Mikhailov und der Japaner Daido Moriyama in diesem Jahr zur Welt gekommen. 

Ein Jahr, zwei Generationen, zwölf Künstler: Die Ausstellung „1938. Geburtstagsfest mit Gästen“ feiert das Jubiläum des Sprengel-Museums.

Inka Schube hat diese Fotokünstlern durch sechs jüngere zum Dutzend ergänzt und füllt die sechs Räume der Fotoabteilung im Untergeschoss des Sprengel-Museums so mit je zwei fotografischen Positionen der beiden Generationen. Teils entstehen so reizvolle Konfrontationen, teils geben die Gegenüberstellungen auch Rätsel auf. Hana Miletics Präsentation der Sneakers-Fotos des Jugendlichen Zak, die noch durch einen auf Vinyl gepressten Hip-Hop-Soundtrack ergänzt werden, bilden einen kraftvollen Kontrapunkt zu den eher schüchtern wirkenden Hellersdorfer Jugendlichen von Helga Paris. Die eher düsteren sozialen Typen, die Andrzeij Steinbach für seine Fotoserie „Gesellschaft beginnt mit drei“ inszeniert, sind van Keukens „Wir sind 17“-Serie auf den ersten Blick verblüffend ähnlich. Und die „Limbolator“-Installation des Duos Jasmin Krausch und Florian Merkel, in der Ausstellungsbesucher Kugeln nach Ratio und Emotion ordnen können, lässt sich wie ein Kommentar zu Mikhailovs „I am not“-Nacktselbstbildnissen verstehen. 

Allenfalls satirisch wirkt dagegen die Gegenüberstellung von Koudelkas Prag-Fotos mit einem Video des in Seoul lebenden Künstlerduos Young-Hae Chang Heavy Industries. „Cunnilingus in Nordkorea“ verbreitet acht Minuten lang Pseudopropaganda, nach der die wahre sexuelle Revolution Nordkorea stattfindet, fingiert vom sicheren Südkorea aus. Man spürt den simplen Spott über Pjöngjang. Und wüsste lieber mehr über die echte Spannung im Prag von 1968. Und im nächsten Raum streifen Moriyamas fotografische Recherchen die Randzonen der japanischen Gesellschaft, während soziale Inhalte aus den Digitalisaten von Delia Jürgens komplett verbannt scheinen, „dekonstruiert“, wie die Künstlerin sagt. 

Umso lohnender ist ein Blick in den siebten Raum, der 28 Kunstwerke aus dem Jahr 1938 zeigt, darunter viel gefährdete, damals als „entartet“ gebrandmarkte Kunst, Werke von Klee, Beckmann und Schwitters, aber auch internationale Künstler wie Max Ernst oder Marc Chagall. Das Geburtsjahr der sechs Fotografen wird damit Jahr der Zäsur kennzeichnet: Davor mochte man noch Illusionen über den weiteren Verlauf der Geschichte hegen, danach war der Weg in den Zweiten Weltkrieg absehbar. 

1938. Geburtstagsfest mit Gästen“. Bis 3. Juni im Sprengel-Museum, Kurt-Schwitters-Platz. Eröffnung heute um 19 Uhr. Zur Ausstellung erscheint die Publikation „Heinrich Riebesehl, Menschen im Fahrstuhl“ (Spector-Verlag, 53 Seiten, 28 Euro) - die komplette Serie der 1969 im Gebäude der „Hannoverschen Presse“ aufgenommenen Bilder erstmals in Buchform. 

Von Daniel Alexander Schacht

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