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Sprengel-Museum zeigt junge Grafik-Künstler

„Viermal Neues auf Papier“ Sprengel-Museum zeigt junge Grafik-Künstler

Jung, intelligent, vielfältig: Das Sprengel-Museum startet zur Fertigstellung des Erweiterungsbaus seinen großen Eröffnungsreigen mit einer Grafikschau. „Viermal Neues auf Papier“ heißt die Ausstellung, die noch bis zum 10. Januar in Hannover zu sehen ist.

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Kunst mit Durchblick:
Pia Linz mit ihrem Zeichengehäuse (oben) und ein Druck aus der „Plattenbau“-Serie von Benjamin Badock (rechts).

Quelle: Michael Thomas

Hannover. Und auf der anderen Seite fällt die Zeichnung eines Tisches ins Auge. All das hat die Künstlerin Pia Linz aus dem Inneren dieses Quaders gesehen, den sie in der Shopping Mall aufgestellt hatte. Hat es auf den Innenflächen des Plexiglasgehäuses festgehalten - und dies damit in ein Zeichenkunstwerk verwandelt.

Das Plexiglas-Exponat ist in der neuen Ausstellung des Sprengel-Museums zu besichtigen, wo seine Zeichenlinien auf der weißen Wand hinter dem Quader feine Schattenrisse bilden. Ein Beispiel dafür, dass Zeichnungen durchaus kunstvoll aus dem zweidimensionalen Rahmen fallen und in die dritte Dimension aufbrechen können. „Viermal Neues auf Papier“ heißt diese Kunstschau. Ein etwas irreführender Ausstellungstitel. Denn die raumgreifende Arbeit von Pia Linz, deren Werke in Hannover zuletzt in der Galerie Robert Drees zu sehen waren, ist auch ein Beispiel dafür, dass Zeichenkunst nicht auf Papier angewiesen sein muss.

In der kleinen Gruppenschau ist dies eine von vier Künstlerpositionen: Kristin Grothe experimentiert mit oft großflächigen Radierungen, bei denen sie den zunächst in ganz traditioneller Drucktechnik entstandenen Werken mit Messer oder Schleifpapier zu Leibe rückt, die Farbe in engen Linien abschleift oder feine Papierschichten des dicken Büttenpapiers abträgt.

Service

„Viermal Neues auf Papier“. Bis 10. Januar 2016. Eröffnung am Dienstag um 18.30 Uhr im Sprengel-Museum, Kurt-Schwitters-Platz.

Frauke Dannert sagt der Quaderform eines Ausstellungsraums den Kampf an. Sie nutzt dafür eine Installation aus sieben Tageslichtprojektoren. Damit wirft sie Architekturvisionen des Brutalismus der Siebzigerjahre in Ausschnitten auf die Raumwände. Lauter kühne Diagonalen, die Wände, Decke und den Boden des Raumes durchschneiden. Überdies ist noch der Teppichbelag in mehreren Schlaglichtlinien aufgeschnitten und bis auf den nackten Estrich entfernt.

In Hannover schon bekannt sind die Holzschnitte von Benjamin Badock. Er hatte 2014 eine kleine Einzelausstellung im Sprengel-Museum aus Anlass der Verleihung des Sprengel-Preises an den mittlerweile 41-Jährigen. Badock arbeitet mit Druckplattenmodulen, die er zu immer neuen Bildern zusammenfügt. In der aktuellen Ausstellung ist der in Leipzig lebende Künstler mit Drucken aus seiner Serie „Plattenbau“ vertreten. Schon klar, die darin präsentierte Architektur ist aus lauter (Druck-)Platten zusammengesetzt, das Medium ist die Message. So intelligent und vielfältig können grafische Arbeiten heute sein.

Augenfällig ist, dass es hier stets um den Strich im Raum, um den künstlerischen Umgang mit architektonischen Visionen geht. Wer das nächste Großereignis im Sprengel-Museum vor Augen hat, weiß auch, dass dies kein Zufall ist. „Wir wollten einen Beitrag der Grafischen Sammlung zum Thema Architektur leisten“, sagt Grafik-Kuratorin Karin Orchard bei der Präsentation der Ausstellung mit vier Künstlern in vier Räumen. „Zehn Räume, drei Loggien und ein Saal“, heißt Ende nächster Woche die Eröffnungsausstellung des Sprengel-Erweiterungsbaus, bei der die neuen Räume selbst die Stars sind. „Das Sprengel-Museum läuft sich dafür warm“, sagt Museumsdirektor Reinhard Spieler.

Die Grafikausstellung bietet mit ihrem Architekturschwerpunkt nicht nur ein Vorspiel dazu, sie demonstriert auch, wie stark eine Schau junger Künstler sein kann. Über lange Zeit waren in den Grafikräumen des Sprengel-Museums nur historische Ausstellungen zu sehen, eine Grafikschau zum Ersten Weltkrieg und bis vor Kurzem die thematische Ausstellung „Auszeit“. Solche Präsentationen zeugen zwar geradezu respektheischend vom Reichtum der Sammlung dieses Hauses. Doch was neue Trends in der Zeichnung sind, war umfassend zuletzt nur im Kunstmuseum Wolfsburg zu sehen, wo auch ein Plexiglasquader von Pia Linz ausgestellt wurde. „Künftig“, sagt Karin Orchard, „wollen wir alle zwei Jahre junge Zeichenkunst zeigen.“

Damit liegt im Sprengel-Museum künftig also auch bei der Grafik die Latte noch etwas höher.

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