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„Die Sprengel-Identität wird tiefer verankert“

Sprengel-Museums-Chef im Interview „Die Sprengel-Identität wird tiefer verankert“

Reinhard Spieler, der Direktor des Sprengel Museums, spricht im HAZ-Interview mit Kulturredakteur Daniel Alexander Schacht über seine Ausstellungspläne für 2015 und 2016 – und über den Neubau.

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Museumsdirektor Reinhard Spieler spricht im HAZ-Interview über seine Pläne mit dem Sprengel-Anbau.

Quelle: Alexander Körner

Viel ist im Sommer über die Sprengel-Fassade diskutiert worden. Was wird man wohl dahinter sehen, jetzt und in Zukunft?
Der Bodenunterbau ist fertig, die Leitungen liegen, die Zwischenwände sind verputzt, also: Es ist noch eine Baustelle, aber es wird ein Ende absehbar.

Rechtzeitig zum Übergabetermin 1. Juni 2015?
Davon gehen wir aus.

Sie sind ja erfahren mit Museumsbaumaßnahmen, das Schweizer Museum Franz Gertsch war neu, als Sie da starteten, im Ludwigshafener Wilhelm-Hack-Museum stand ein jahrelanger Umbau an. Waren solche Erfahrungen nützlich?
Jeder Bau ist anders, aber natürlich profitiert man von solchen Erfahrungen. In Hannover konnte ich allerdings feststellen, dass doch vieles besser vorbereitet war als etwa in Ludwigshafen.

„Die Architektur schafft den Museen die Bühne, tritt aber nicht selbst darauf auf“, hat Architekt Markus Peter gesagt. Für welchen Auftritt taugt die neue Bühne?
Kurz gesagt: für jeden. Die neue Raumhöhe ist nicht nur für ausladende Stücke der Gegenwartskunst geeignet, sie wird auch Werke der klassischen Moderne perfekt zur Geltung bringen. Und die machen ja einen Großteil der Sammlung aus, die wir in nie zuvor dagewesener Breite präsentieren werden.

Schon nächstes Jahr?
Geplant ist ein zweistufiger Start. Der Erweiterungsbau soll Ende Juni 2015 der Öffentlichkeit vorgestellt werden. Im Mittelpunkt steht dabei zunächst einmal die Architektur und das Raumprogramm: zehn Räume, drei Loggien und ein Saal. Für jeden der dann noch leeren Räume laden wir eine Künstlerin oder einen Künstler ein, mit einer Skulptur oder Installation einen künstlerischen Akzent zu setzen ...

… und die Sammlungspräsentation?
Das ist die zweite Stufe, die wir dann Anfang 2016 zünden. Wir zeigen, was das Sprengel Museum zu bieten hat und erarbeiten eine komplett neue Sammlungspräsentation, die sich im gesamten Haus über alle Räume – im Neubau, in Ober- und Untergeschoss des Altbaus wie auch in Wechselausstellungshalle und Einblickshalle – erstreckt. Nur das Kabinett der Abstrakten und der Merzbau, die Kunsträume von El Lissitzky und Kurt Schwitters, bleiben an ihrem Platz. Die klassische Moderne zieht vom Untergeschoss des Altbaus in den Erweiterungsbau um. Die frei gewordenen Räume werden wir vor allem der Fotografie widmen, um dort unter anderem die große Sammlung der Sparkassenstiftung zu zeigen. Der bisherige „Raum für Fotografie“ an der Museumsstraße wird künftig „Sprengel Fokus“ heißen und als Projektraum konzentrierte Werkeinheiten vorstellen. Wechselausstellungen werden wie bisher in der Ausstellungshalle gezeigt.

Wozu versetzt man Museumsräume gegen den rechten Winkel? Und was bedeutet das für die Kunstpräsentation?
Die „tanzenden Räume“ waren eine schöne Idee der Architekten. Sie rücken die Räume stärker ins Bewusstsein, schaffen Dynamik, vielleicht auch eine gewisse Verunsicherung …

… eine Entschleunigung?
Ein sehr wichtiger Punkt! Sie kommt eher dadurch zustande, dass die Durchgänge nicht als Enfilade, also auf Achse verlaufen, sondern jeweils versetzt sind. So läuft man nicht einfach durch eine lange Raumflucht, sondern jeweils auf die nächste Hängewand zu, vor der man dann verweilt. Das Gefühl von Ruhe stellt sich auch durch eine großzügige, nicht zu dichte Hängung ein. Und schließlich gibt es auch noch die drei wunderbaren Loggien – Ruhe-Oasen zwischen den Ausstellungsräumen, in denen man das Gesehene Revue passieren und reflektieren, aber auch einfach den Blick auf den Maschsee genießen kann.

Was planen Sie sonst fürs nächste Jahr?
Eine Ausstellung widmen wir der Trägerin oder dem Träger des nächsten Kurt-Schwitters-Preises, der Ende Oktober 2014 gekürt werden soll. Parallel zur Präsentation des Erweiterungsbaus planen wir eine Ausstellung mit dem Titel „Unsere Sammler, unsere Stifter“, eine 
Hommage an unsere Dauerleihgeber, Schenker und Unterstützer. Daneben stellen wir in der Wechselausstellungshalle unsere große Plakatsammlung vor.

Also auch eine Schau des Selbstbezuges?
Ja, das Sprengel Museum reflektiert sich und seine Sammlung immer auch selbst. So ein Erweiterungsbau ist ein Umbruch, und in Umbruchzeiten blickt man zurück – um dann mit umso klarerem Blick vorauszuschauen. Die Sprengel-Identität wird damit von neuem und tiefer verankert – nach innen und nach außen.

Zur Person

Reinhard Spieler ist seit Februar 2014 Direktor des Sprengel Museums. Der 49-Jährige hat Kunstgeschichte, Klassische Archäologie und Neuere deutsche Literatur in München, Berlin und Paris studiert und seine Doktorarbeit über die Triptychen von Max Beckmann geschrieben. Nach Jahren an der Kunstsammlung NRW wurde er 2002 Gründungsdirektor des Museums Franz Gertsch im schweizerischen Burgdorf bei Bern, bevor er 2007 die Leitung des Wilhelm-Hack-Museums in Ludwigshafen übernommen hat. Dort ist er durch Schritte zur Öffnung des Museums für neue Publikumsschichten aufgefallen – durch populäre Ausstellungen sowie Kunst- und Kulturaktionen in der Stadt Ludwigshafen. In Hannover hat der erklärte Fan des Sprengel-Neubaus – und hier besonders des Placements mit seinem runden Treppenaufgang – bereits die Ausstellung von Werken des in London lebenden Niederländers Michael Raedecker kuratiert.

Interview:  Daniel Alexander Schacht     

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