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Kultur Staatsorchester Hannover Drittes Sinfoniekonzert
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00:00 28.10.2016
Jun Märkl Quelle: Christiane Höhne
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Hannover

Das einmalige Blau des Himmels und des Meeres, der Duft von Zitronenblüten, kraftvoller Wein, ehrfurchtgebietende Ruinen einer vergangenen Weltmacht, bedeutende Kunstschätze selbst in den entlegensten Kirchen: Gründe, Italien zu besichtigen, gibt es immer wieder. Auf den Spuren des in Deutschland wohl berühmtesten Italien-Touristen, Johann Wolfgang von Goethe, bereiste Felix Mendelssohn Bartholdy 1830/31 Italien. Wie zahlreiche bildende Künstler und Komponisten vor und nach ihm, war Mendelssohn tief beeindruckt von dem Land, von seinen Bewohnern, seinen Bräuchen und der Musik. Wenig verwunderlich also, dass er in Briefen in die Heimat erwähnte, dass er eine „Italiänische“ Sinfonie in Angriff nehmen wolle. Zwar ist nicht mit Sicherheit zu belegen, dass er damit seine Sinfonie A-Dur meinte, die er im Anschluss an die Reise im Auftrag der Londoner Philharmonic Society komponierte. Doch der leichtfüßig-helle, tänzerische Charakter der Rahmensätze wurde von Kritikern in Verbindung mit Mendelssohns Italienaufenthalt und mit einer „typisch italienischen“ Lebensfreude gebracht, sodass dem bis zum heutigen Tag ungemein erfolgreichen Werk nach Mendelssohns Tod der Beiname „Italienische“ gegeben wurde.

Auch Peter I. Tschaikowsky schätzte das südeuropäische Land sehr: Dort verbrachte er gern die Wintermonate, nach 1873 bereiste er mehrfach Italien. Inspiriert von Stimmung, von Impressionen und Farben schrieb er 1879 sein „Capriccio italien“, das mit einem Trompetensignal beginnt, wie Tschaikowsky es angeblich von seiner Ferienwohnung aus morgens von einer nahen Kaserne vernahm. An verschiedenen Stellen baute er eine rhythmisch pointierte neapolitanische Tanzmelodie oder eine übermütig hüpfende Tarantella ein, was das Orchesterstück in Verbindung mit der brillanten Orchestrierung besonders abwechslungsreich macht.

Zu diesen beiden von Italien angeregten Werken gesellt sich Ballettmusik aus dem tiefsten Süden Spaniens: Manuel de Fallas „El amor brujo“ („Der Liebeszauber“) steckt voller sinnlicher Leidenschaft, Eifersucht und dunkler Zauberei. Begleitet von Rhythmen der andalusischen Volksmusik, expressiven Ausrufen und einer virtuosen Orchestrierung, erzählt „Der Liebeszauber“ in einem Schauermärchen, wie das Gleichgewicht zwischen der Welt der Lebenden und der Toten wieder hergestellt wird.

Toshio Hosokawas „Meditation - To the Victims of Tsunami (3.11.)“ bildet den Auftakt zu dem ansonsten südländischen Programm. Der japanische Komponist gedenkt mit diesem Werk des Todes von circa 16 000 Menschen durch den verheerenden Tsunami im März 2011. Die Kombination von westlichen Kompositionstechniken mit dem stetigen Fließen traditioneller japanischer Musik kennzeichnet die musikalische Sprache des 1955 in Hannovers Partnerstadt Hiroshima geborenen Hosokawa. Eine feine Balance zwischen Stille, Ton oder Geräusch sowie nuancierte Klangflächen erzählen von der Vergänglichkeit des Menschen angesichts von Naturgewalten - und lassen durch die stille Einkehr die Lebensfreude und das Licht der folgenden Werke umso heller strahlen.

Christopher Baumann

3. SINFONIEKONZERT

Toshio Hosokawa „Meditation – To the Victims of Tsunami (3.11)“ (2011/12)

Manuel de Falla „El amor brujo“ („Der Liebeszauber“) (1925)

Peter I. Tschaikowsky „Capriccio italien“ (1879/80)

Felix Mendelssohn Bartholdy Sinfonie Nr. 4 A-Dur op. 90 „Italienische“ (1833)

Dirigent: Jun Märkl

Niedersächsisches Staatsorchester Hannover

Sonntag, 6. November, 17 Uhr

Montag, 7. November, 19.30 Uhr

Kurzeinführung jeweils 45 Minuten vor Beginn

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