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Stadt, Land, Flügelschlag

Thees Uhlmann spielt im Capitol Stadt, Land, Flügelschlag

Wenn Thees Uhlmann auf der Bühne steht, dann gibt es einen besonders berührenden Moment. Dann erzählt Uhlmann von früher und seiner Heimat. Während er ins Schwärmen gerät, wird sein Publikum still.

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Indie-Rocker Thees Uhlmann begeistert seine Fans im Capitol

Quelle: Christian Behrens

Hannover. Wer Uhlmann kennt, der weiß, was jetzt kommt. Es sind Erinnerungen an Mopedfahrten über die Dörfer, an die Schweinedisko, bei der Whisky mit Cola aus kleinen Gläser auf einem runden Tablett serviert wurde. Es scheint eine tolle Zeit im Norden Niedersachsens gewesen zu sein, wo Uhlmann aufwuchs, wo er seine Band Tomte gründete, mit der er auf den großen Bühnen des Landes erfolgreich deutschsprachigen Indie-Rock spielte. Vor zwei Jahren legte Tomte eine Pause ein auf unbestimmte Zeit. Seitdem ist Uhlmann alleine unterwegs und hat im Sommer sein zweites Album „#2“ herausgebracht, womit er gerade durch Deutschland tourt.

 Indie-Rocker Thees Uhlmann begeistert seine Fans im Capitol.

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Diesen Heimatmoment gibt es auch Donnerstagabend im nicht ausverkauften Capitol, wo Uhlmann das vorletzte seiner 23 Konzerte spielt. Der Musiker greift zur Akustikgitarre und ruft seinen Fans zu: „Kommt hier jemand vom Dorf?“ Das Publikum grölt und der Enddreißiger stimmt „Hier komm’ ich her, hier bin ich geboren“ an, seine private Hommage an die Heimat. Direkt hinterher schiebt er seinen Hit „Zum Laichen und Sterben ziehen die Lachse den Fluss hinauf“ an, mit dem er vor zwei Jahren bei Stefan Raabs Musikwettbewerb den achten Platz belegte.

Eigentlich ist Uhlmann, der nicht nur als Tomte-Sänger gekannt wurde, sondern auch als Autor und Mitbegründer der Hamburger Plattenfirma Grand Hotel van Cleef, ein Stadtmensch geworden. Er lebt in Berlin; auch dafür hatte er an diesem Abend eine Geschichte parat. Als er neulich seine Kinder im Kindergarten abgeliefert hatte, stürzte er mit dem Rad auf der matschigen Hauptstraße, als er gerade Bruce Springsteen hörte. Uhlmann schiebt es auf das regnerische Herbstwetter und stimmt passend „Zugvögel“ an, die erste Single seines Albums.

Uhlmanns Konzerte sind nicht voll gepackt mit großer Technik. Ein bisschen Licht, ein bisschen Rauch und viel Gitarrensounds. Seine Musiker, die er als Thees Uhlmann Band um sich versammelt hat, unterstützen ihn am Donnerstagabend mit voller Kraft bei Rocksongs wie „Weiße Knöchel“, bei dem er sich dem Wahlkampf eines Sozialdemokraten aus dem Ruhrpott widmet. Und mit Liedern wie „Die Bomben meiner Stadt“ beweist Uhlmann, dass er auch ohne die großen Gefühle, große Texte schreiben kann. Uhlmann ist ein Geschichtenerzähler, der auf sympathische und entspannte Art sein Publikum unterhält – bis zu einem weiteren wichtigen Moment am Abend.

Dann fällt die Jeansjacke, Uhlmann zückt den Zeigefinger, gestikuliert wild, klatscht heftig in die Hände, dass es in den hinteren Reihen zu hören ist. Er wedelt mit den Armen und dreht durch, wie es sich für einen Rocker gehört. Auch für einen mit großen Heimatgefühlen.

Von Felix Klabe

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