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Abstimmung mit den Füßen

Movimentos-Festival Abstimmung mit den Füßen

Zum Start des Movimentos-Festivals befreit José Montalvo den Ballettklassiker "Le Sacre du Printemps" aus der Endlosschleife. In der Company des Franzosen mit spanischen Wurzeln haben klassische Ballerinas ebenso ihren Platz wie virtuose Breakdance-Artisten und energische Flamencotänzer.

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Ein Klassiker mit neuen Bildern: José Montalvos Choreografie "Y Olé!".

Quelle: Thomas Ammerpohl

Es ist ein Kultstück. Igor Strawinskys Ballettmusik „Le Sacre du Printemps“ bringt uralte rituelle Handlungen zum Klingen, die uns fern sind wie verschüttete Erinnerungen. Sie ist der manchmal erschreckend plastische Soundtrack zu Jungfrauenreigen, Priestermärschen und Menschenopfern, ein archaisches, mythenverbrämtes Werk. Darum sieht es oft sehr ähnlich aus, wenn Choreografen das Stück auf die Bühne bringen. Was kann man dieser bildmächtigen Musik schon entgegensetzen? Gruppen von jungen Männern und jungen Frauen führen zunächst ordentlich getrennt ihre fremden kultischen Tänze auf, bevor sie sich im Rhythmus der immer wilderen Musik durchmischen und schließlich auf dem letzten Akkord eine Auserwählte präsentieren.

Auch zum Auftakt der diesjährigen Movimentos-Festwochen in der Wolfsburger Autostadt wirkt alles wie gewohnt. Dass der Choreograf José Montalvo seine „Sacre“-Version „Y Olé!“ übertitelt hat, muss zunächst verwundern. Der Franzose mit spanischen Wurzeln bleibt zwar auch hier seiner schon mehrfach bei Movimentos gezeigten Linie treu, verschiedene Tanzstile zu durchmischen. In seiner Company haben klassische Ballerinas ebenso ihren Platz wie virtuose Breakdance-Artisten und energische Flamencotänzer. Gerade die scheinbar unbegrenzte Vielfalt ist seine persönliche Note. Aber Strawinskys 1913 in Paris uraufgeführter Klassiker scheint auch bei ihm nach dem üblichen Drehbuch abzulaufen: die „Introduktion“ mit dem fistelnden Fagott, zu dem sich das Leben auf der Bühne langsam entfaltet wie eine Blüte im Morgentau. Dann die „Vorboten des Frühlings“ mit Tänzern, die wie Schmetterlinge über die Bühne flattern und nervös die folgende, erstmals brutal menschliche Musik ankündigen: den „Tanz der Jünglinge“.

Doch die gehämmerten Streicherakkorde bleiben aus. Das Band mit der Musik stoppt. Und dort, wo sonst üblicherweise die Männer als Jünglinge ihren ersten großen Auftritt haben, stampfen nun Flamencotänzerinnen den Rhythmus des Stückes mit den Füßen auf dem Boden. Unter den energischen Tritten erwacht das Stück aus mythischem Halbdunkel und nimmt Kurs auf die lichte Gegenwart.

Am Ende landet es bei José Montalvo in Flüchtlingsbooten des Mittelmeers, was allerdings nicht ohne noch massivere Brüche abgeht: Der Traumwelt von Strawinskys Urzeitritualen lässt der Choreograf unmittelbar eine moderne Schlagerparade folgen. „Dream a Little Dream of Me“ und „What a Wonderful World“ geben dann den Takt vor, zu dem die Boote mit den schwarzen, asiatischen und arabischen Tänzern aus Montalvos Company über die Bühne gleiten.

Strawinskys „Frühlingsritual“ beschwört den Neuanfang. Bei José Montalvo verliert das viel gespielte Stück im Laufe des faszinierenden Abends seine kunstvolle Abstraktion und wird so verständlich wie selten. Ein starker, im ausverkauften Kraftwerk ungewöhnlich lange bejubelter Festival-Auftakt.

Von Donnerstag, 14. April, an zeigt die Compagnie La Baraka ihre Version des biblischen Hohelieds. Die Movimentos-Festwochen dauern bis zum 10. Mai. Karten und Programm gibt es unter Telefon (08 00) 2 88 67 82 38.

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