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Status Quo kommt mit Akustik-Sound nach Hannover

Francis Rossi im Interview Status Quo kommt mit Akustik-Sound nach Hannover

„Das klang doch nur noch wie bei AC/DC“: Francis Rossi (67) ist Sänger und Gitarrist von Status Quo. Im Interview mit der HAZ spricht er über den späten neuen Sound seiner Band, den Bandausstieg von seinem Kollegen Rick Parfitt und ein Leben im Ruhestand. Am 25. November spielt die Band in der Swiss-Life-Hall.

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„Es wurde immer schmerzhafter“: Francis Rossi verzichtet inzwischen am liebsten auf schweres elektrisches Gerät.

Quelle: Goodwin

Hannover. Wer hätte das gedacht: Die Hardrockband Status Quo tauscht die Telecaster gegen Akustikgitarren. Und der Untertitel „That’s A Fact“ des neuen Albums  „Aquostic II“ verspricht Dauerhaftigkeit, oder?

Die ersten Akustikkonzerte waren eine reine Freude. Man kann in einer tieferen Tonart singen. Außerdem war es erfolgreich und Erfolg lässt einen ja immer denken: Das mach ich noch mal.

Was sagt die Fanbasis dazu?

Die Hardcore-Fans hassen es natürlich. Aber es gibt genügend andere Leute, die es lieben und zu uns kommen. „Aquostic I“ war das meistverkaufte Album seit Langem.

Und der elektrische Quo-Rock ist damit nach 45 Jahren endgültig Vergangenheit?

Nach dem Album „Quid pro Quo“ war es eigentlich vorbei. Immer die gleichen Tonarten, immer die gleiche Zahl von Beats per Minute. Das Ding klang ja fast wie ein Album von AC/DC. Auch wurde das mit den Konzerten immer schmerzhafter.

Inwiefern?

Am Morgen nach einem elektrischen Gig tut dir alles weh: Arme, Beine, der Hals ist wund. Man wird alt. Der Engländer sagt: Abwechslung tut Wunder. Eigentlich hatte ich vor, am Ende des Jahres ganz aufzuhören. Dann kam die Akustiksache. Die war frisch und auch ein bisschen riskant.

Die Tour

Bis Weihnachten dauert die wahrscheinlich letzte Tour der Band mit den elektrischen Telecastergitarren und dem deftigen Boogie-Rock, für den die Briten geliebt und gehasst wurden. Im Juni erlitt Rick Parfitt, Rossis Bandgefährte seit 1967, einen Herzinfarkt, wurde während der laufenden Tour durch den Iren Richie Malone ersetzt. Status Quo spielt am Freitag, 25. November, in der Swiss-Life-Hall, Kartentelefon: (05 11) 12 12 33 33.

Der irische Neuzugang Richie Malone, der für Ihren Kogitarristen Rick Parfitt eingesprungen ist, scheint den Rest der Band zu inspirieren.

Die Show unserer letzten elektrischen Tour hat sich durch diesen jungen Mann total verändert, und er ist wirklich jung – 29. Er hat dieser Band in den Hintern getreten. Plötzlich zogen wieder alle am gleichen Strang, und da ist eine solche Energie!  So weiß ich zum ersten Mal seit sehr langer Zeit nicht, was mit Quo als Nächstes passieren wird. Ich denke, wir machen erst mal akustisch weiter,  aber leider sind die elektrischen Shows derzeit so gut. Belfast und Dublin – das waren Abende! Unsere Körper fühlten sich hinterher nach reiner Freude an. Aber dann am Morgen wieder: Autsch!

Manche Lieder finden unplugged gerade zu ihrer wahren Natur. „Hold You Back“ hörte sich schon 1977 nach Celtic Folk in Metalrüstung an.

Genau. 85 bis 90 Prozent der Songs der frühen Zeit haben wir sowieso auf akustischen Gitarren komponiert: „In My Chair“, „Paper Plane“, „Caroline“. Das war prima, die Gitarre sitzt an deinem Brustkorb, du wirst vom Sound durchdrungen. Schwer war es dann oft, von einer akustischen zu einer elektrischen Aufnahme zu gelangen. Im Prinzip gehen wir dahin zurück, woher die Songs kommen. Zugleich ist es auch ein Neustart. Und das mit 67.

Sieht man Ihnen nicht an.

Als ich 40 Jahre alt war und mein Vater arbeitete noch, dachte ich: „Wie dumm.“ Jetzt bin ich so alt wie er, und ich arbeite ebenfalls noch. Aber wenn man in Europa unterwegs ist, sind es zumeist reife und alte Bands, die das Live-Business beherrschen. Auch im Radio gibt’s viel Musik, die 30 bis 60 Jahre alt ist. Und die Jüngeren hören da durchaus rein. Ich kann mich nicht erinnern, dass wir anno 1969 Musik von 1920 gehört hätten. Der alte Rock ’n‘ Roll aber lebt noch. Und viele der Bands auch.

Im Juni dieses Jahres klopfte trotzdem das Ende bei Status Quo an. Was ging Ihnen durch den Kopf, als Rick Parfitt seinen Herzinfarkt erlitt?

Wir sahen ihn auf dem Boden liegen, wir waren völlig erledigt. Sie sagten, er sei tot. Sie holten ihn zurück. In seiner Pressemitteilung erklärte er jetzt ganz philosophisch, er sei der wilde Mann der Band gewesen, während wir anderen das Rock-’n’-Roll-Leben in unseren späten Dreißigern aufgegeben hätten. Und dass er nun eben den Preis dafür zahle.

Status Quo sind nach der Schrecksekunde ohne ihn weitergezogen.

Ich weiß. Das ist schräg. Viele sagen: „Ihr hättet die Tour stoppen müssen.“ Aber wir haben nicht mehr die Siebziger, als du alles anhalten konntest, und nichts ist passiert. Jede Show ist hoch versichert. Sonst hätten AC/DC niemals Axl Rose mit auf Tour genommen, so viel ist sicher. Als Rick zusammenbrach, mussten wir Pläne machen. Eine Woche zuvor auf der Isle of White hatte er schon Herzbeklemmungen gehabt. Aber Rick denkt immer, er sei unbesiegbar. Er ist ein zäher, harter Typ – kein anderer wäre von da zurückgekommen, wo er war. Er war tot.

Und jetzt sagt er, er sei voll genesen, wolle aber nicht mehr mit der Band auftreten.

Wie das lief, hat ihn schon getroffen. Für jeden von uns wäre es ein Schock, ersetzt zu werden. Zu sehen, dass es so einfach ist.

In seinem romantischen Musikfan-Kopf hielt man Francis Rossi und Rick Parfitt immer für eine untrennbare Einheit – perfekte Kumpel.

Es war viel Druck auf unserer Beziehung. Wir sind älter geworden und haben uns auseinandergelebt. Am Anfang war unsere Band ein kraftvolles „Wir“. Dann waren Status Quo fünf „Ichs“. Du kannst sehen, wie es Rick irgendwann nach vorn an die Rampe drängte, wie ihn das „Rocking all over the World“-Ding mitnahm. Aus einem romantischen Blickwinkel sehen Bands großartig aus, aber es gibt immer Risse. Ich wusste zum Beispiel nicht, dass sich sogar die beiden Everly Brothers nicht leiden konnten. Und ich wünschte, ich hätte es nie erfahren.

Wird es Akustik-Alben geben, die nicht wie bisher bekannte Status-Quo-Songs verändern, sondern aus neuen Liedern bestehen?

Es gibt sogar eine ganze liegen gebliebene Quo-Songwelt von Ende der Achtziger- bis Mitte der Neunzigerjahre, als die Band Trends folgte statt ihrem Kompass. Wunderbare Lieder dabei. Aber wichtig ist: Was wir jetzt tun, muss Einnahmen bringen. Wenn wir das nicht schaffen, geht alles den Bach runter.

Sie haben doch aber mit Status Quo weit mehr als 100 Millionen Platten verkauft.

Ja, aber Sie dürfen nicht davon ausgehen, dass wir all unsere Verdienste in der Ecke aufgestapelt haben. Da waren Scheidungen, Drogen, das ganze Kokain, Rick hat tausend Autos gekauft, Boote, Flugzeuge. Und wir wurden auch noch kräftig abgezockt.

Wie wären Sie denn so als Ruheständler? Ein Hausmann, „doing the garden, digging the weeds“, wie die Beatles in „When I’m 64“ sangen?

Lachen Sie nicht: Ich hatte immer große Gärten, und ich bin da so oft, wie es nur geht. Ich liebe es, im Garten zu arbeiten. Aber einer der Gründe, warum wir jetzt in dieser Jahreszeit so gern in Deutschland sind, ist dieses wunderschöne Winter-Ding: Wenn man am Morgen aus dem Fenster schaut, die winterdampfende Kälte sieht und Schnee in der Luft riecht.

Das klingt relativ unrockig bürgerlich.

Wir waren in unseren Zwanzigern so sicher, wie wir mal sein würden. Wundersam, wie sich das alles ändert. Wir haben unsere Eltern angeschaut und gesagt: So werde ich nicht, ich werde nicht so, ich werde nicht so, ich werde … ich werde… ich bin wie sie geworden: Die Kleidung, der Garten, die Hündchen. Und es ist gut. Meine Exfrau hat mal gesagt, man müsste uns mit 30 liquidieren. Sie ist jetzt 70. Sie hat ihre Meinung geändert

Interview: Matthias Halbig

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