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Kultur Aufschreiben, wie es ist
Nachrichten Kultur Aufschreiben, wie es ist
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00:15 19.03.2017
Stefan Aust in der Buchhandlung Decius. Quelle: Samantha Franson
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Hannover

Angekündigt war eine Lesung von Stefan Aust, der sein neues Buch „Hitlers erster Feind. Der Kampf des Konrad Heiden“ in der Buchhandlung Decius vorstellen wollte. Gelesen hat der ehemalige Chefredakteur des „Spiegel“ und jetzige Herausgeber der „Welt“ aber kaum. Die Veranstaltung war vielmehr ein Gespräch über Konrad Heiden, Fake-News und die Rote-Armee-Fraktion.

Rund 130 Zuhörer waren zu dem von Klaus Wallbaum, Chefredakteur der Zeitschrift „Rundblick“, moderierten Abend gekommen. Aust erzählte von Konrad Heiden, einen der ersten Publizisten, der den Aufstieg Hitlers kritisch begleitete, aber schnell in Vergessenheit geriet. Auch Aust hatte noch nie etwas von ihm gehört, bis er eine Originalausgabe von Heidens erster Hitlerbiografie zum 60. Geburtstag geschenkt bekam. „Ich habe sie vergessen, aber irgendwann wiederentdeckt - und habe die Nacht durch nicht mehr aufgehört zu lesen“, sagt Aust. Wer ist dieser Mann?, habe er sich gefragt und angefangen zu recherchieren.

Service

Stefan Aust: Hitlers erster Feind. Der Kampf des Konrad Heiden. Rowohlt-Verlag, 22,95 Euro.

Heiden begegnete Hitler bereits 1919. Schon damals engagierte sich der Sozialdemokrat mit jüdischer Abstammung gegen den Nationalsozialismus. 1933 flüchtete er nach Amerika und veröffentlichte drei Jahre später seine zweibändige Hitler-Biographie. „Was das Ganze so interessant macht, ist, dass Heiden ja nicht wusste, was aus Hitler noch werden würde“, sagt Aust. Er habe die furchtbare Entwicklung - von der totalen Diktatur bis hin zur Ermordung der Juden - vorausgesehen. Mit seinem Buch wolle Aust ein Stück weit dafür sorgen, dass Hitlers erster Feind Gerechtigkeit erfährt.

Doch viele Zuhörer interessierten sich nicht nur für Heiden, sie nutzten die Gelegenheit auch dazu, den Terrorismus-Experten Aust - er schrieb eine der ersten umfassenden Dokumentationen zur Rote-Armee-Fraktion - zu anderen Dingen zu befragen, beispielsweise zu seinem neuesten Projekt, der vierten Version des Buchs „Der Baader-Meinhof-Komplex“, die im Spätsommer erscheinen soll. „Ich glaube, mein Buch ist ein Bestseller, weil ich - wie Heiden - versucht habe, alles so aufzuschreiben, wie es war“, sagt Aust. Aufschreiben, wie etwas wirklich ist, gibt es das noch in Zeiten von Fake-News, will ein Zuhörer wissen. „Fake-News gab es schon immer“, antwortet Aust. „Neu ist, dass sich Journalisten offenbar oft nicht fragen, woher sie die zugespielten Informationen bekommen und wieso sie sie erhalten“, sagte er. Und Fake News im Internet? Davor habe er keine Angst - was solle man auch dagegen tun? „Wenn wir jetzt ein Wahrheitsministerium einführen, dann sind wir wirklich bei George Orwell angekommen“.

Von Lisa Malecha

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