Navigation:
HAZ-Shop AboPlus Online-ServiceCenter
Staatsoper Stuttgart

Streit um Verfahren für Puhlmann-Nachfolge


Das Vorgehen der Politik bei der Neubesetzung des Amtes des Opernintendanten am Staatstheater Stuttgart stößt auf Kritik.

 „Wir bedauern die Entscheidung, den Vertrag von Albrecht Puhlmann über 2011 hinaus nicht zu verlängern und besonders die Verfahrensweise, die zu dieser Entscheidung geführt hat“, hieß es am Dienstag in einer gemeinsamen Erklärung von Schauspiel-Intendant Hasko Weber, Ballett-Intendant Reid Anderson und dem geschäftsführenden Intendanten Marc-Oliver Hendriks. Eine Nachfolgeentscheidung bis 27. Juli halten die Intendanten für kaum realisierbar. Der baden-württembergische Wissenschaftsminister Peter Frankenberg (CDU) wies Vorwürfe an seinem Verhalten zurück.

Der Verwaltungsrat hatte am Montag einstimmig beschlossen, den bis Sommer 2011 gültigen Vertrag von Opernintendant Puhlmann nicht zu verlängern. Bei der Sitzung hatte sich zugleich der frühere Intendant der Staatsoper Unter den Linden in Berlin und derzeitige Kölner Kulturdezernent, Georg Quander, auf Vorschlag von Frankenberg und Stuttgarts Oberbürgermeister Wolfgang Schuster (CDU) dem Gremium als möglicher Nachfolger vorgestellt.

Frankenberg rechtfertigte das eilige Vorgehen. Weil bis zum Wechsel 2011 nur wenig Zeit bleibe, habe „rasch“ gehandelt werden müssen, sagte er in Stuttgart. Es sei deshalb „vorsondiert“ worden, wer das Amt erfüllen könne. Dabei habe sich Quander als am meisten geeignet herausgestellt, zumal er verfügbar sei. Frankenberg fügte hinzu, dass mit der Nennung Quanders aber keine Vorentscheidung gefallen sei. Wenn die weitere Sondierung ergebe, dass es einen besseren Kandidaten gebe, werde man sich dem nicht verschließen. Die Personalentscheidung solle am 27. Juli fallen.

„Wir wollten ihn nicht im Verborgenen halten“, begründete Frankenberg das ungewöhnliche Vorgehen weiter. Wenn die Intendanten des Hauses von dem Kandidaten wüssten, müsse auch der Verwaltungsrat informiert werden. Der Minister fügte hinzu, ein Opernintendant brauche zwei Jahre, um sich vorbereiten zu können. Er sehe deshalb zu dem Vorgehen „keine Alternative“. Unterstützung für diesen Kurs bekam er von Ministerpräsident Günther Oettinger (CDU). Das eindeutige Nein des Verwaltungsrats zu Puhlmann zeige, dass gehandelt werden musste.

In der Erklärung von Anderson, Hendriks und Weber hieß es, der Nachfolgevorschlag sei ihnen vor der Sitzung nicht mitgeteilt worden. Auch dass Quander für eine Vorstellung anwesend sei, habe man nicht vorher erfahren. Dem Beschluss des Verwaltungsrats, unter Einbeziehung der Intendanten weitere Nachfolgevorschläge zu unterbreiten, „werden wir gerne nachkommen“, hieß es weiter. „Wir halten es allerdings für äußerst kurzfristig und deshalb kaum realisierbar, dass der Verwaltungsrat am 27. Juli eine endgültige Entscheidung treffen kann.“

Aus der SPD-Landtagsfraktion wurde der Vorwurf einer „dilettantischen Personalpolitik“ laut. Der SPD-Kulturexperte Peter Hofelich sagte, Frankenberg habe die Mitwirkungsrechte des Verwaltungsrates „eklatant missachtet“. Auch die Grünen kritisierten das Vorgehen. „Wo Frankenberg ist, herrscht politisches Chaos“, sagte der Grünen-Abgeordnete Jürgen Walter.

ddp

Nächster Artikel
Nächster Artikel
Vorheriger Artikel
Voriger Artikel
  • staatlich subventionierter Intendantenrummel ums schnöde Geld Herta – 08.07.09
    mit Kopfschütteln habe ich ebenfalls gelesen, dass eine verweigerte Vertragsverlängerung des Herrn Puhlmann in Stuttgart derart theatralisch thematisiert wird, nicht mehr und nicht weniger. Angesichts der Tatsache, dass jeden Tag unendlich viele fleissige und sicher auch verdiente Menschen von heute auf morgen geradezu zynisch begründet ihren Arbeitsplatz verlieren ist es doch angebracht, darüber einmal laut nachzudenken. Gerade Intendanten sind bekanntermassen nun einmal mit etlichen hunderttausend Euro "Gage" die Spitzenverdiener unter den Theaterschaffenden. Wenn sie dann auch noch mal hin und wieder Regie führen, erhöht sich ihr Geld sofort nicht unbeträchtlich.
    Das alles, und...... das darf nicht übersehen werden, alles aus staatlichen Subventionen von jedem Steuerzahler.
    Im Gegensatz zum "kleinen Mann ohne Lobby" der seinen Job verliert, wird Herr P. wohl sicherlich nicht zum HARTZ IV-Empfänger.
    Ich glaube das und nur das wollte Kassandra zum Ausdruck bringen. Recht hat sie.Leider laufen noch zu viele beleidigende Pumuckels mit Tunnelblick durch die Landschaft, frei nach dem Motto: wasch mich aber mach mir den Pelz nicht nass.
  • Notizen aus der (gehobenen) Provinz Pumuckel – 08.07.09
    Kassandra kann eben nur in die Zukunft blicken (und auch das ist zu bezweifeln)! Puhlmann hatte eine tolle Zeit in Hannover, der Opernbetrieb hat unter ihm einen sichtbaren Aufschwung erfahren, Hannover galt - nach vielen Jahren der Ödnis - wieder als ambitionierter Opern-Standort. Da kann man sich schon dafür interessieren, was aus demjenigen geworden ist, dem sich dieses kleine Wunder (auch [!]) verdankt. Hinzu kommt, Kassandra und ihrem geschwätzigen Vater mag es gleichgültig sein, dass Stuttgart und Köln ausgesprochen interessante Kulturstädte sind, in denen wirklich viel passiert, auch jenseits des Orchester-Grabens im Opernhaus. Ich finde es gut, dass die HAZ den Blick dafür offen hält, wie die Personalie Puhlmann auch die Kultursender der ARD - von Hamburg bis München - den ganzen gestrigen Tag beschäftigt hat. Die HAZ ist also mit ihrer Berichterstattung ganz auf der Höhe des Geschehens! Aber, was soll uns dies in den Niederungen der Provinz? Beweinen wir lieber den Rückbau der "Exponale" ...
  • A.Puhlmann in Stuttgart Kassandra – 08.07.09
    ehrlich gesagt ist mir nicht recht begreiflich, weshalb die ehrenwerte HAZ über einen Herrn Opern-Intendant Albrecht Puhlmann in Stuttgart berichtet.
    Wollte sie dem ollen Herrn H.-P.Lehmann mal wieder eine Freude bereiten? Kann ja nicht schaden.
    Als ehemaliger Opern-Intrigant (sorry Intendant)und Vorgänger des Herrn Albrecht Puhlmann wusste dieser doch ganz genau, wie man was macht, sonst hätte er sein Amt nicht so viele Jahre inne gehabt.
    Der Rest ist Schweigen.
    Fakt ist doch, dass der Puhlmann-Vertrag in Stuttgart ausläuft. Puhlmann wurde sogar rechtzeitig darüber in Kenntnis gesetzt, dass er künftig nicht mehr gebraucht wird.
    Basta.
    Wann bitte schön hat diese Zeitung jemals ausführlich darüber berichtet, dass Bühnen-Protagonisten (und nicht nur diese) auf der Strasse landeten, wenn wieder mal ein Intriganten (sorry Intendanten) Wechsel ins Haus stand?
    Der designierte Intendant hatte bereits einen Großteil seiner eigenen Leute an der Kandarre und der scheidende brauchte sie ebenfalls nicht mehr. nimmt er doch in der Regel auch nur seine Lieblinge mit.
    Um all die leidlich unwürdigen Umstände besser zu verstehen, empfehle ich, sich einmal mit der Vitae des jeweiligen Intendanten zu befassen und dem Herrn Puhlmann insbesondere empfehle ich, sich doch vielleicht einmal als Kultur-Dezernent bei der Stadt Köln zu bewerben oder .....ach, lassen wir das lieber.
    Mein Vater pflegte stets zu sagen: "Mit ein paar Leichen im Keller passiert dir so schnell nichts"
    Mit besten Wünschen Kassandra

Meistgelesene Kultur-Artikel

Anzeige

Kinomagazin

Raten Sie die Filmzitate

Anzeige
„Ariadne auf Naxos“
"Ariadne auf Naxos" - die Oper feierte Premiere.

Hamburgs Opernchefin Simone Young versucht seit Beginn ihrer Amtszeit 2005 mit Strauss-Opern zu punkten. Mit „Ariadne auf Naxos“ legt sie jetzt ihre fünfte Strauss-Produktion vor. Beim Premierenpublikum gab es Beifall, aber auch Unmut.



Top