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Nackt im Mittelalter

Subway to Sally Nackt im Mittelalter

Ausgestöpselt? Eingestöpselt? Oder doch beides? Subway To Sally mögen es, ihre Fans ein wenig zu irritieren. Vor zehn Jahren wagten die Mittelalter-Metaller, die am liebsten in keine Schublade gesteckt werden möchten, einen ersten Versuch, sich „Nackt“, so das Tourmotto,  ohne Stromgitarren zu präsentieren.

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Nicht nur Flötentöne: Subway To Sally im Pavillon.

Quelle: Hagemann

Hannover. Weil das ankam, folgte eine „Nackt II“-Tour. Und jetzt eine Neo-Nackt-Tour. Abgekürzt: „NeoN“. Eine Akustiktour also! Aber was hören die 650 erschienenen Nachtschattengewächse, als im gruftig dunklen Pavillon-Saal eine gruselige Gestalt auf der Bühne vor einem Dornen-Panorama erscheint? Elektronische Beats aus der Konserve! Die Fährte führt also in die Irre. Ganz bewusst. Denn was hatte die Band im Konzertinfo versprochen? „Neues soll gewagt, Altbewährtes und Unverzichtbares mit Unerwartetem kombiniert werden.“

Die Potsdamer Mittelalter-Rocker Subway to Sally haben im Pavillon Hannover ihre Fans unterhalten.

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Also ist die einzige Konstante, die auf ein Unplugged-Konzert hinweist, die Tatsache, dass die Musiker (weitestgehend)  im Sitzen spielen. Ansonsten passiert, was die Anhänger in der Einheitsausgehfarbe Schwarz von ihren Lieblingen erwarten. Das Potsdamer Septett lotst sie gekonnt durch ein Programm, das schön zwischen Modernität und Mittelalter, Hits und verspielten Momenten, Archaischem und Erfrischendem pendelt. Es rockt. Auch gerne mit Strom. Aber auch rein akustisch. Verspielte Momente mit Geige, Renaissancelaute, Mandoline oder Drehleier brechen den Spannungsbogen. Dieser baut sich mit nach Reißbrettmuster gespielten Metal-Riffs schnell wieder auf. An Hits zum Mitsingen fehlt es nicht: „Kleid aus Rosen“, „Henkersbraut“, „Krähenfraß“ und halt eben „Eisblumen“. Letzteren dürfen die Fans intonationssicher ohne Begleitung der Band vorsingen. Dann wieder darf die Band zeigen, dass sie versierte Musiker wie den Gitarristen Ingo Hampf in ihren Reihen hat und den schnittigen und textlich plakativen Folk-Rock-Mix mit nekrophiler Neigung in kluge Arrangements bettet.

Über zwei Stunden erzählen uns die Potsdamer etwas von „falschen Heilanden“, „bösem Erwachen“, „hassenden Engeln“ und „grausamen Schwestern“. Es scheint, als könne das Publikum davon nicht genug bekommen. Und die Band darf sich auf die Schulter klopfen: Publikum erreicht. Und doch was Neues ausprobiert. Zumindest ein bisschen.

Von Bernd Schwope

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