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Kultur Schmökern im ewigen Eis
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13:05 17.01.2015
Ein Pinguin geht in der Antarktis an einem Container mit der "Bibliohek im Eis" vorbei . Die südlichste Bibliothek Deutschlands befindet sich im Eis der Antarktis. Quelle: Lutz Fritsch/dpa
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Köln

Der kleine grüne Container dürfte einer der gemütlichsten Orte in der Antarktis sein. Die „Bibliothek im Eis“ steht in einer der unwirtlichsten Regionen der Erde - am Südpol. 100 Meter entfernt von der Neumayer-Station des Alfred-Wegener-Instituts für Polar- und Meeresforschung (AWI) lädt der Container Forscher und Techniker zum Schmökern zwischen Kirschholzregalen ein.

Jetzt feiert die Bibliothek ihren 10. Geburtstag - wieder mit einer Ladung neuer Bücher und 40 Liter Kölsch, die der Erfinder der Bibliothek, der Kölner Künstler Lutz Fritsch, jedes Jahr zum Neujahrsempfang in die Antarktis schickt. Rund 700 Bücher stehen inzwischen in den Regalen. Bis zu 1000 Bücher könne die Bibliothek fassen, sagt Fritsch.

Eigentlich ist der Container ein Kunstwerk, das ein Geheimnis hütet. Denn welche Bücher in der Bibliothek am Pol stehen, weiß niemand außer den neun «Überwinterern» auf der Station. Der Kreis der Mitwisser könnte allerdings im derzeitigen antarktischen „Sommer“ etwas größer sein, denn dann bewohnen bis zu 40 Leute die „Neumayer III“.

Die Bücher werden gestiftet von Künstlern und Wissenschaftlern, die Fritsch persönlich anschreibt und um Widmungen bittet. „Jedes Buch ist ein persönliches Geschenk an die Überwinterer der Forschungsstation“, sagt er. Einige wenige Stifternamen wurden allerdings doch im Lauf der Jahre bekannt. So soll Günter Grass seinen Roman „Hundejahre“ an den Pol geschickt haben und Tom Tykwer einen Roman von Peter Hoeg: „Der Plan von der Abschaffung des Dunkels“.

Sogar eine Packung Buchstabennudeln stehe im Regal, enthüllt der ehemalige „Überwinterer“ Holger Schmithüsen. Darauf habe jemand geschrieben: „Goethes gesammelte Werke“. Anders als in anderen Bibliotheken seien die Bücher am Südpol nicht sortiert. Viele Bücher hat Schmithüsen aus dem Regal genommen, darin geblättert und die Signatur gelesen. Für ihn ist die Bibliothek ein „etwas anderer Ort, abseits vom Tagesgeschäft“.

Früher war der Bücher-Container das einzige oberirdische Gebäude, während die Neumayer-Station mit der Zeit immer tiefer im Eis versank. Seit 2009 gibt es nach Angaben einer Sprecherin des Instituts aber die „Neumayer III“, die auf Stützen stehe, die hochgefahren werden könnten. Die Station liegt also genauso wie der Bibliothekscontainer nun auf dem Eis.

Eben mal in die gute Bücherstube reinschauen, geht aber trotzdem nicht so einfach. „Man muss einen Weg auf sich nehmen“, um in die Bibliothek zu gelangen“, sagt Fritsch. Der ehemalige Überwinterer Holger Schmithüsen schreibt: „Bei einem Schneesturm muss sich der Besucher an einer Handleine entlanghangeln.“ Einmal angekommen, muss man sich zunächst aus Polar-Overall und Stiefeln schälen, bevor man in die bereit stehenden Pantoffeln schlüpfen kann.

Für Fritsch ist die Bibliothek ein „Gegenpol zur Funktionalität einer Forschungsstation“. Er sieht die Bibliothek im Eis auch als eine Art «Arche Noah» der Bücher. „Kultur hat auch am Ende der Welt etwas zu suchen“, sagt er. Dass sogar am Südpol eine Bibliothek steht, ist für ihn ein starkes Zeichen in Tagen, „wo Stadtteilbibliotheken geschlossen werden“.

dpa

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