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Kultur Takis Würger verteidigt seinen neuen Roman
Nachrichten Kultur Takis Würger verteidigt seinen neuen Roman
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07:00 23.01.2019
„Interessant“: Takis Würger im Gespräch mit Margarete von Schwarzkopf im Schauspielhaus. Quelle: Tim Schaarschmidt
Hannover

Fangen wir mit dem Positiven an: Die Hütte ist voll, die Stimmung bestens. Takis Würger, aufgewachsen in Wennigsen, wie immer gekonnt unfrisiert frisiert, sagt, es sei schön, zu Hause zu sein. Jubel im Schauspielhaus. Würger, „Spiegel“-Reporter und Bestsellerautor, strahlt in die Runde.

Was nicht so gut ist: Es ist streckenweise nicht so gut. Die Veranstaltung, organisiert von der Buchhandlung Leuenhagen & Paris, läuft unter dem Titel „Takis Würger liest aus seinem Roman ‚Stella‘“. Das ist leider übertrieben. Er liest drei kurze Passagen, ansonsten wird viel und lange geredet.

Würger hat seinen zweiten Bestseller verfasst, der erste, „Der Club“ wurde von Publikum und Kritik gefeiert, „Stella“ wird nur noch vom Publikum geliebt, die Kritik fiel reihenweise vernichtend aus: „Holocaust-Kitsch“ (es geht um eine Liebesgeschichte zwischen einem 19-jährigen Schweizer und der real existiert habenden Figur Stella, die Jazz liebt und Juden jagt, das Ganze spielt im Berlin des Jahres 1942) war noch eine freundliche Aburteilung.

Nun, das gibt es ja, dass Journalisten einen Autor bei dem einen Buch hochschreiben und beim nächsten niedermachen. Und es gibt auch Autoren, die erst einen Supertext abliefern und dann, erfolgstrunken und im Zweitbuchstress, danebenhauen. Das ist nicht der Untergang des Abendlandes.

Trotzdem hat die Veranstaltung im Schauspiel etwas Angestrengtes. Moderatorin Margarete von Schwarzkopf findet alles immer „interessant“ und bemüht sich darum, die Feuilletonhinrichtungen anzusprechen, ihnen aber nicht zu viel Gewicht zu geben. Würger klingt leider bei sehr vielen seiner Sätze nach Verteidigungsposition. Allerdings: Was soll er machen. Er kann ja schlecht sagen, das Buch sei leider schiefgegangen.

„Stella“ krankt wohl vor allem daran, dass Würger eine reale Figur fiktionalisiert, aber den wirklichen Namen verwendet hat (und der Verlag hat sogar das Foto der Frau aufs Cover gedruckt), was Erwartungen weckt, die der Autor nicht erfüllt. Bei seiner Figur Tristan, die an den Judenvernichtungsplaner Reinhard Heydrich angelehnt ist, funktioniert das sehr viel besser, denn sie bleibt fiktional.

Leider ist auch sprachlich nicht immer alles auf der Höhe. In einer Szene, die Würger vorliest, legt ein Mann Stella die Hand auf den „unteren Rücken“. Einen unteren Rücken gibt es bei der Physiotherapeutin. Aber bei nichts, was mit Begehren zu tun hat. Klassischer Fall von Lektorenversagen, und das ist in dem Roman leider nicht das einzige Beispiel.

Nun. Es ist, wie es ist. Beim nächsten Buch wird alles anders.

Von Bert Strebe

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