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00:15 06.07.2013
Von Martina Sulner
Liebe und Tanz in Buenos Aires: Das Sommer-Gastspiel „Tanguera“ an der hannoverschen Staatsoper. Quelle: Schulze
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Hannover

Ein Schiff wird kommen: Die Gangway klappt herunter, und eine schöne Frau im dunkelblauen Trenchcoat schreitet an Land. Auch sie gehört zu den Immigranten, die in ein neues Land und ein neues Leben aufgebrochen waren. Überdimensionale Fotos von Europäern, die Anfang des 20. Jahrhunderts nach Argentinien eingewandert sind, hat man zuvor schon auf der Bühne gesehen: Bilder von verhärmt wirkenden Männern und von Frauen mit vielen Koffern und noch mehr Kindern. Was im Sommer-Gastspiel „Tanguera“ an der hannoverschen Staatsoper gezeigt wird, soll nicht nur eine Erzählung über die Geschichte des Tangos sein, sondern auch eine über die Geschichte Argentiniens.

Im Vordergrund jedoch steht, na klar, eine Liebesaffäre: Die schöne Immigrantin Giselle verlässt in Buenos Aires das Schiff und verliebt sich prompt in den Hafenarbeiter Lorenzo. Doch die Frau wird von Gaudencio verführt: Der ist zwar ein ausgemachter Schurke, sorgt aber immerhin dafür, dass Giselle zur gefeierten Tangotänzerin in seinem Etablissement wird. Lorenzo jedoch kämpft um seine Liebe.

„Tanguera“, im Jahr 2002 in Buenos Aires uraufgeführt und seit Jahren auf Welttournee, nennt sich im Untertitel „das Tango Musical“. Gesungen wird in der Produktion (Regie: Omar Pacheco) zwar kaum, doch der Abend erzählt eine zwar einfache, aber stimmige Geschichte und ist mehr als eine Aneinanderreihung von Tanzszenen. Die gut zwei Dutzend Tänzer sind auf ihrer Sommertournee – Ende Juni waren sie in Frankfurt am Main, nach dem knapp einwöchigen Hannover-Gastspiel geht es nach Linz und Köln – bestens eingespielt. Hier klappt alles wie am Schnürchen: Die Szenen wechseln ebenso flott und geschmeidig wie die Tänzer immer mal wieder während einzelner Stücke ihre Tanzpartner austauschen. Das ist hochprofessionelles Tourneetheater.

Doch bei all der Professionalität fehlt es an Herzblut. Zwar singt Marianella, die einzige Sängerin der Inszenierung, viel von Herz und Schmerz, doch der Inszenierung fehlt das. In eineinviertel Stunden spulen die Tänzer die Geschichte ab; anschließend gibt es – alles zur Musik vom Band – noch einen gut zehnminütigen Zugabenteil. „Tanguera“ wirkt extrem sportlich und versprüht dabei den Charme eines ambitionierten Wettkampfs. Daran ändert auch wenig, dass die Bühne oft in rotes Licht getaucht ist und üppige rote Vorhänge ein bisschen Bordell-Atmosphäre beschwören sollen.

Auch die Choreografien von Mora Godoy betonen den sportiven Charakter der Inszenierung. Leticia Fallacara als Giselle, Dabel Zanabria (Gaudencio) und Esteban Domenichini (Lorenzo) sind exzellente Tänzer – von Leidenschaft und Erotik hinter der stolzen Haltung jedoch ist an diesem merkwürdig seelenlosen Premierenabend nur wenig zu spüren.

Am Schluss von „Tanguera“ steht Giselle wieder am Hafen. Sie reist wohl – um manche Erfahrung reicher, aber mit gebrochenem Herzen – zurück in ihre französische Heimat. Wieder trägt sie den blauen Mantel. Die Liebe mag kommen und gehen – ein solider Trenchcoat überdauert alles.
Großer Beifall.

„Tanguera“: bis zum 7. Juli an der Staatsoper Hannover. Infos und Karten unter www.oper-hannover.de und (05 11) 99 99 11 11.

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