Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Kultur In Gütersloh und anderswo
Nachrichten Kultur In Gütersloh und anderswo
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:15 23.06.2016
„Geschichten, die ich nie erzählte“ – getanzte (Selbst-)Reflexion des Theaters Bielefeld. Quelle: Lioba Schöneck
Anzeige
Hannover

Wie alles begann? In der Regel in der Ballettschule. Mit vier Jahren. Doch Tänzerkarrieren verlaufen durchaus auch über Umwege: Sie starten mit Volkstanz, Aerobic, Gymnastik oder auf der Straße mit Hip-Hop oder Breakdance. Der erste Erfolg als Profi bleibt stets in besonderer Erinnerung. Da überstrahlt dann selbst ein Ort wie Gütersloh große internationale Bühnen. Das sind „Geschichten, die ich nie erzählte“. In seiner gleichnamigen Choreografie lässt Bielefelds Tanzchef Simone Sandroni seine Ensemblemitglieder ihre Biografie vertanzen. In Hannover war daraus jetzt nur ein rund zehnminütiger Ausschnitt zu sehen, doch er passte perfekt zum Abschluss des diesjährigen Tanzkongresses.

Die Tanzsparte des Bielefelder Theaters bestritt den Auftakt einer Gala im hannoverschen Opernhaus, bei der zwölf Stadt- und Staatstheater Auszüge aus aktuellen Tanzproduktionen präsentierten. Die freie Szene blieb bei diesem Best-of an deutschlandweiten Choreografien aus den vergangenen zwölf Monaten zwar außen vor, doch Sandronis Beitrag macht noch einmal deutlich, worum es bei diesem Tanzkongress im Kern ging: um die Arbeit von Tanzschaffenden – egal, ob sie sich an festen Bühnen oder in freien Gruppen engagieren. Diesen Gegensatz gibt es nicht mehr in einer Zeit, in der große Compagnien Stücke an freie Künstler vergeben oder diese als Tanzchefs an festen Häusern angedockt sind. Daran hat sich auch das Workshop- und Vortrags-Programm für das Fachpublikum orientiert, das mit mehr als 800 Besuchern die Erwartungen der Organisatoren von der Kulturstiftung des Bundes, die mit rund tausend Besuchern gerechnet hatten, nur knapp verfehlte.

Die Rahmenveranstaltungen mit Tanzdarbietungen auf den verschiedenen Bühnen der Stadt waren mit rund 5500 Zuschauern ebenfalls gut besucht. Die Resonanz sei „ein schöner Beweis für die gewachsene öffentliche Aufmerksamkeit des zeitgenössischen Tanzes“, sagte die künstlerische Leiterin der Stiftung, Hortensia Völckers, abschließend. Die Stiftung wolle sich auch weiterhin für eine „kraftvoll-dynamische Entwicklung des Tanzes“ einsetzen. Ob der viertägige Tanzkongress speziell für Hannover eine eigene Dynamik entfaltet hat, die dazu führt, Tanz künftig noch stärker im kulturellen Angebot zu verankern, ist noch nicht abzusehen. Kulturdezernent Harald Härke sieht nach dem Ende zumindest „Signale, die weit in die Zukunft den Tanz auch in Hannover nachhaltig beeinflussen werden“. Wenn das der Fall sein sollte, wäre das nicht zuletzt auch ein großer Verdienst des Staatsballetts unter Leitung von Jörg Mannes, das mit der Idee, sich um die Austragung des Kongresses zu bewerben, alles ins Rollen gebracht hatte. Das Opernhaus hat sich als großzügiger Gastgeber erwiesen und mit der Gala, aber auch dem fünfstündigen Eröffnungsprogramm, bei dem von der Garderobe bis zur Aussichtsterrasse alles bespielt wurde, für breit gefächerten Tanzgenuss der Spitzenklasse gesorgt.

Viel Lehrreiches, Überraschendes und Kritisches hatte dieser Tanzkongress für seine Besucher zu bieten. „Grenzüberschreitungen“ wollte er aufzeigen, was mit der Einladung von solch eher polarisierenden Choreografen wie Boris Charmatz oder Guilherme Botelho auch gelungen ist. Doch Tanz ist auch dazu da, um zu verzaubern. Zu viel Kopflastigkeit ist sein Tod. Gut, dass die Gala mit einem Stück Magie ausklang: „Lucid Dream“ von Marco Goecke, Hauschoreograf des Stuttgarter Balletts, ist mit seiner explosionsartigen Körpersprache selbst als kleiner Ausschnitt eine Gefühlssensation. Eben ganz so wie ein Wachtraum, bei dem auch Grenzen überschritten werden.

Von Kerstin Hergt

Im Januar 2017 eröffnet die Elbphilharmonie. Nach den Abonnements hat heute der Verkauf der Einzeltickets begonnen - allerdings mit kleinen Anlaufschwierigkeiten. Die Server brachen gleich zu Beginn zeitweise zusammen. 

20.06.2016

Schon bei "Findet Nemo" war Dorie der heimliche Publikumsliebling. Jetzt startet der blaue Doktorfisch mit einem eigenen Animationsfilm durch – und bricht alle Rekorde.

20.06.2016
Kultur Deutschlandpremiere von „Tenir le Temps“ - Die Eleganz des Übergangs

Menschen, Massen, Magnetismus: Rachid Ouramdanes „Tenir le Temps“ feiert Deutschlandpremiere beim Tanzkongress im Schauspiel.

22.06.2016
Anzeige