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10:09 09.05.2017
Von Ronald Meyer-Arlt
Richtungswechsel: Filmemacherin Taryn Brumfitt findet sich dicker schöner. Quelle: MAJESTIC
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Normalerweise funktionieren Vorher-Nachher-Fotos so: Auf dem Vorher-Bild ist eine Frau zu sehen, die mit ihrem Körper unzufrieden ist. Meist ist die Frau zu dick. Auf dem Nachher-Bild entspricht der Körper dann eher dem gesellschaftlich geforderten Idealbild: Meist ist die Frau hier deutlich schlanker. Die australische Filmemacherin Taryn Brumfitt hat die Sache einfach umgedreht. Auf dem Vorher-Bild ist sie mit durchtrainierter Bikini-Figur zu sehen. Das Nachher-Bild zeigt ihren nackten Körper, wie er ist, wenn sie ihm nicht jedes Pfund zu viel abtrainiert: Bauch, Beine, Po, alles reichlich vorhanden. Dazu ein verschmitztes Lächeln. Kein Körper, für den man sich schämen müsste. Aber eben auch kein Idealkörper.

"Ich war nicht glücklich mit dem neuen Körper"

Der dünne Vorher-Körper, den sie durch zähen Einsatz im Fitnessstudio modelliert hat, hat ihr nicht gefallen. Er war zwar das, was sie selbst auch als „perfekten Bikini-Body“ bezeichnet, aber es hat ihr einfach zu viel Zeit, Energie und Leidenschaft gekostet, ihn so zu modellieren. „Ich war nicht glücklich mit dem neuen Körper“, sagt sie.

Das Spiel mit den Vorher-Nachher-Bildern, die Umkehrung des gängigen Verfahrens, der Stolz auf den eigenen Körper, der gerade nicht den Idealmaßen entspricht, hat Taryn Brumfitt berühmt gemacht. Auf Facebook löste ihr Vorher-Nachher-Bild erhebliche Begeisterung aus.
Dann hat sie das Thema weiter verfolgt und einen Film daraus gemacht. Ihre (von der Schauspielerin Nora Tschirner mitproduzierte) Dokumentation „Embrace – Du bist schön“ wird am 11. Mai im Cinemaxx Hannover gezeigt.
Taryn Brumfitt ist für ihre sehr persönlich gehaltene Dokumentation durch die Welt gereist und hat Frauen nach ihrem Körperbild gefragt. Das Ergebnis: Erstaunlich viele Frauen hassen ihren Körper. Sie denken, sie wären nicht dünn genug, nicht groß genug, nicht blond genug. „Wir haben vergessen, wie der Durchschnittskörper aussieht“, sagt die Filmemacherin.

Der eigene Körper wird von vielen Menschen als Problem empfunden, weil die Idealmaße, die oft in den Medien propagiert werden, einen entsetzlichen Druck ausüben. Dabei sind die schlanken Körper der Supermodels nur durch extreme Disziplin zu halten: Die Regisseurin berichtet von jungen Frauen, die Baumwolle essen, um schlank zu bleiben. Andere Körperbilder sind gar keine: Es sind Phantasmen der Modeindustrie, entstanden aus Bildbearbeitungsprogrammen. Niemand hat die Chance, diese Idealmaße je zu erreichen – trotzdem sehen sich viele Frauen in einer Konkurrenz zu den Fantasiewesen aus dem Rechner.

Es sind nur Äußerlichkeiten

Warum haben diese Bilder so viel Macht? Warum ist es Frauen so überaus wichtig, einen perfekten Körper zu haben? Darauf kann die Filmemacherin keine schlüssigen Antworten geben. Aber sie weist immerhin einen Weg: Auf ihrer Reise ist sie vielen Frauen begegnet, die überhaupt nicht dem Idealbild weiblicher Schönheit entsprechen. Diese Frauen machen Mut. Und sie machen deutlich, dass es im Grunde ziemlich merkwürdig ist, so viel Energie und Zeit darauf zu verwenden, darüber nachzudenken, wie man aussieht.

Sondervorstellung: „Embrace“ läuft am Donnerstag um 19 und 20 Uhr im Cinemaxx.     

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