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Tenor Rolando Villazon will nicht nur Sänger sein

Interview Tenor Rolando Villazon will nicht nur Sänger sein

Warum man sich selbst nicht nur als Sänger denken darf: Tenor Rolando Villazon spricht im Interview über die Last des Ruhms und die Suche nach dem Glück. 

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Tenor Rolando Villazon

Hannover. Herr Villazon, Sie kommen mit einem italienischen Liederabend in den Kuppelsaal. Dort sind Sie schon öfter aufgetreten. Ist es nicht ein bisschen unheimlich, wenn man ganz allein mit seiner Stimme und einem Klavierbegleiter in einem so riesigen Saal steht?

Man muss dort tatsächlich mit großer Energie dabei sein. Ich bin aber sicher, dass die Musik stark genug ist, um das Publikum auch mit dieser kleinen Besetzung zu erreichen. Es sind Stücke von Verdi, Rossini, Bellini - Komponisten, die wir vor allem von ihren Opern kennen. Sie haben aber auch wunderbare Lieder mit herrlichen Melodien geschrieben: Das sind Nahaufnahmen von großen Gefühlen. Man kann die Intimität, die nötig ist, um das zu zeigen, auch in einer großen Halle wie dem Kuppelsaal schaffen. Ich freue mich schon darauf, die Zuhörer dort mit dieser Musik zu umarmen.

Zur Person: Rolando Villazon

Rollando Villazon ist 1972 in Mexiko geboren und durch Auftritte an der Seite von Anna Netrebko Anfang des Jahrtausends zum bekanntesten Tenor seiner Generation. 

Wegen Stimmbandproblemen musste er seine Karriere mehrfach unterbrechen. 

Am Freitag, 22. September, gastiert er mit dem Programm "Schätze des Belcanto" im Kuppelsaal. Karten gibt es unter der Telefon-Nummer: (0511) 12123333.

Sie haben sich inzwischen ganz verschiedene Arten erschlossen, ein Publikum zu umarmen. Sie führen Regie, haben zwei Romane geschrieben, sie sind Intendant und Fernsehmoderator. Andere Tenöre konzentrieren sich voll und ganz aufs Singen. Warum ist das bei Ihnen anders?

Ich singe sehr gerne, das ist ein Beruf, den ich wirklich liebe. Aber ich wollte nie die ganze Zeit die Rolle eines Startenors spielen. Sie bekommt schnell so ein Gewicht, dass sie alles andere erdrückt, sogar das Privatleben mit den Freunden und der Familie. So schön es ist, ein Startenor zu sein - es ist zu einseitig und lässt viele Aspekte des Lebens nicht zu.

Welche denn?

Ich meine damit nicht das Schreiben oder das Inszenieren. Es geht um mehr. Ich wollte nicht der Tenor Rolando Villazon sein, sondern Rolando Villazon. Man darf sich selbst nicht nur als Sänger denken. Erst dann können sich die anderen Aktivitäten entwickeln. Ich fühle mich ganz gut, mit den verschiedenen Sachen, die auf mich zugekommen sind. Sie machen mein Leben reich. So etwas gilt aber eigentlich auch für jeden anderen Beruf: Man ist ja viel mehr, als das, womit man Geld verdient.

Braucht ein klassischer Künstler heute einen so weiten Blick, um erfolgreich zu sein?

Nein. Ich denke aber, dass man ihn als gestaltender Künstler seines eigenen Lebens braucht. Sicher gibt es viele Musiker, die in diesem Punkt nicht mit mir übereinstimmen. Sie sagen, wenn man ein Künstler ist, dann ist man das mit Haut und Haar 24 Stunden lang an jedem Tag im Jahr. Die haben natürlich auch recht. Es ist eine ganz persönliche Entscheidung, die nichts mit Erfolg oder Misserfolg zu tun hat.

Wenn Sie zu Anfang Ihrer Karriere viel stärker als heute auf den Gesang fokussiert waren: Sind Sie jetzt glücklicher?

Glück ist ein etwas zu großes Wort. Vielleicht kann man sagen, dass ich zufriedener bin. Man kann ja auch traurig sein und trotzdem zufrieden. Man kann melancholisch sein und zufrieden. Glücklich sind Momente im Leben, die man genießen muss. Ich bin mit meinen 45 Jahren zufrieden damit, wo ich bin und wer ich bin. Mit all dem Glück und all den Traurigkeiten, die wohl jeder im Leben kennt. Natürlich wünsche ich mir manche Dinge von gestern zurück. Aber ich freue mich auch über jedes Jahr, das zu meinem Leben hinzukommt. Ich liebe es, älter zu werden.

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