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Kultur Teodor Currentzis dirigiert sein Orchester Musiaeterna bei Pro Musica
Nachrichten Kultur Teodor Currentzis dirigiert sein Orchester Musiaeterna bei Pro Musica
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00:24 17.04.2018
Teodor Currentzis und Musicaeterna im Kuppelsaal. Quelle: Stefan Arndt
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Hannover

 In Milos Formans „Amadeus“-Film gibt es eine Szene, in der die Diener Mozarts Flügel schultern und im Laufschritt aus seiner Wohnung zum Schauplatz seines nächsten Konzertes tragen. Man kann sich daran erinnern, wenn man sieht, wie im Kuppelsaal die Orchesterwarte des russischen Orchesters Musicaeterna lässig das Instrument anheben und an die Seite tragen, auf dem gerade Mozarts 17. Klavierkonzert erklungen ist. Mit dem tonnenschweren Steinway-Flügel, der sonst an dieser Stelle steht, wäre das nicht möglich gewesen. So zeigt sogar die kurze Umbaupause, wie sehr es dieses Pro-Musica-Konzert auf das Außergewöhnliche anlegt.

Teodor Currentzis und Musicaeterna

Das Mozart-Konzert, das den Abend noch vor der „Figaro“-Ouvertüre eröffnet, macht mit der Entscheidung für das leichtgewichtige Soloinstrument deutlich, dass man hier mit Hörgewohnheiten brechen will. Zwar ist ein Hammerklavier, wie Pianist Alexander Melnikov es für seinen Auftritt mit dem Dirigenten Teodor Currentzis gewählt hat, durchaus hier und da bei Mozart-Aufführungen zu hören – nicht allerdings in einem Saal dieser Größe: Die zarten, trockenen Töne, die Melnikov seinem historischen Instrument entlockt, taugen in der Weite des Kuppelsaals eher dazu, die Zuhörer darauf einzustimmen, dass man hier sehr genau hinhören muss, als dass sie für sich voll überzeugen könnten. 

Immerhin ist die Balance mit dem Orchester vorbildlich – dabei spielen zumindest die Streicher von Musicaeterna auf einer erstaunlich bunten Mischung aus historischen und modernen Bögen, Saiten und Instrumenten. Und wie bei Mozarts Violinkonzerten mehr und mehr üblich, kann so auch der Pianist unaufällig in den Orchestereinleitungen mitspielen. 

Ein etwas überreiztes, aber spannendes Experiment, das die Zuhörer im gut gefüllten Saal mit Wohlwollen und Interesse aufnehmen: Dem 46-jährigen Currentzis, der Musicaeterna vor mehr als zehn Jahren in Sibirien gegründet hat, eilt in der Klassikwelt schließlich der Ruf eines exotischen Rebellen voraus. Dazu passt auch Mozarts „Figaro“-Ouvertüre, die wunderbar schwungvoll und viel weniger maniriert tönt, als Currentzis’ aktionistische Dirigierweise ahnen lässt. 

Mit einer überragend plastischen und lebendigen Version von Beethovens 7. Sinfonie wischen die exzentrischen Musiker schließlich mögliche Zweifel an ihrer Seriösität endgültig beiseite. Currentzis legt es dabei nicht auf die schnellen Tempi an, die manche seiner Kollegen unter historischer Aufführungspraxis verstehen. Er lässt die Phrasen gelassen auf ihre Schwerpunkte zulaufen und formt auch immer wieder Klangflächen, die darüber zu schweben scheinen. Bei aller Klarheit bleibt dabei noch Raum für Geheimnisse: Im wunderbaren zweiten Satz kommt er einmal der Stille so nahe, wie es Musik wohl irgend möglich ist. Die Zuhörer vergessen dabei alles Husten und Räuspern. In einmütiger Konzentration lauscht der ganze Saal. Kein Wunder, dass das anfängliche Interesse am Ende außergewöhnlich großer Begeisterung weicht.

Von Stefan Arndt

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