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Nachrichten Kultur Thalia Theater startet mit „Merlin“ in die Spielzeit
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12:50 04.09.2011
Mit „Merlin oder Das wüste Land“ hat die neue Saison am Hamburger Thalia Theater begonnen. Quelle: dpa
Hamburg

Als groteskes und burleskes Volkstheater hat der 27-jährige Antú Romero Nunes „Merlin oder Das wüste Land“ von Tankred Dorst am Hamburger Thalia Theater inszeniert. Zum Saisonstart 2011/12 bejubelte das Publikum bei der Premiere am Samstagabend die blutige Szenenfolge über menschliches Versagen und das Scheitern aller Utopien. Als „Wortfetzen aus Umbruchzeiten, keine Kommentare zur aktuellen Lage, aber mit ihr lesbar“ skizziert Intendant Joachim Lux im Spielzeitheft sein Programm für das nächste knappe Jahr - und beschreibt damit auch das Wesen des „Merlin“-Abends.

Bei einem Eröffnungsempfang in Anwesenheit des 85-jährigen Autors hatte zuvor Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) das Thalia als „Kulturbotschafter“ Hamburgs gewürdigt. Auch Gastspiele in Peking, Shanghai und St. Petersburg sowie Kooperationen mit den Festivals von Salzburg und Recklinghausen machen das stark frequentierte, oft ausgezeichnete Haus zu einem der führenden deutschen Theater. Gerade erst wurde Ensemblemitglied Jens Harzer für seine Darstellung des Marquis Posa in Jette Steckels „Don Carlos“-Inszenierung von der Zeitschrift „Theater heute“ zum „Schauspieler des Jahres“ gekürt.

Auf der Bühne (gestaltet von Florian Lösche) ist die Welt noch düster und leer, als eine Art einsamer Lebensbaum zwei Gestalten aus seinem Blattwerk schüttelt: Clowns - ein naiv liebesdurstiger weiblicher (Lisa Hagmeister) und ein teuflischer männlicher (Mirco Kreibich). Deren Sohn, Merlin, begehrt auf gegen die These des Vaters, die Welt sei sinnlos. Als knabenhafter Zauberer und Seher Merlin mit verfilztem Zottelhaar und nacktem Oberkörper führt Jörg Pohl dann die mythologischen Ritter der Tafelrunde um König Artus (André Szymanski) vergeblich auf den Weg zur Vollkommenheit. „Ich töte alles, was lebt, bis er allein noch übrig bleibt“, schreit etwa der bleiche Gottsucher Parzival (Julian Greis).

Nach dreieinhalb Stunden sind die Ideale von Demut, Liebe und Demokratie so tot wie viele der Menschen, die einander gegenseitig erledigen. Die Welt ist wieder düster und leer. Unerhört verhallen die christlichen Gesänge eines großen, auf den Rängen platzierten Chors. „Bumm“, sagt der Teufel und klirrt mit seinen Clown-Schellen, „dumme Sache. Das war’s.“ Dazwischen verwandelt Antú Romero Nunes Dorsts pessimistisches, überbordend fantasievolles Erfolgsstück von 1979 mit neun starken Darstellern und vielen Einfällen samt aufwendiger Videobilder vom Mars und tickender Weltuhr in grausam unterhaltsames Bühnentreiben um Lüge und Lust, Rache und missverstandene Macht.

Zauberer, kämpfende Ritter, die Clowns und eine schöne Adelsdame im langen Kleid (Franziska Hartmann) sprechen zwar eine schnodderige Alltagssprache, doch wirken sie märchenhaft zeitlos. Immer wieder bezieht der „Nachwuchsregisseur des Jahres 2010“ auch die Zuschauer mit ein, zeigt Live-Filme von ihnen oder lässt sie direkt ansprechen.

dpa

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