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00:19 04.07.2014
Von Uwe Janssen
Die drei von der Prüfstelle: Sofa-Check. Quelle: Andreas Meichsner
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Hannover

Es könnte auch ein Theaterstück sein. Titel: Die drei von der Prüfstelle. Aber es ist Alltag. Deutscher Alltag. In einem schmucklosen Testlabor des TÜV Rheinland stehen die Herren mit Schuhen auf einem hellen Sofa und warten, bis es knackt. Oder hüpfen sie darauf herum? Oder springen sie herunter? Man weiß es nicht, und man erfährt es auch nicht. Denn neben dem Bild in der Ausstellung von Andreas Meichsner steht – nichts. Kein Schildchen. Keine Erklärung. Man muss sich in der Galerie für Fotografie (GAF) auf dem Eisfabrik-Gelände in der hannoverschen Südstadt sein eigenes Bild machen. So will es der Fotograf. Dieser kleine Zwang hält auf. Aber er bringt das Hirn in Gang. Weil man doch herausbekommen will: Was machen die da? 

Da hatte man nun gedacht, die Gerätechecker beim TÜV lassen unbestechliche, hochkomplizierte Computertechnik für sich arbeiten, und dann steht da ein Mann mit Gesundheitslatschen auf einem Schrank und hält mit ausgestrecktem Arm einen Dampfreiniger hoch, den er vermutlich gleich auf den Boden fallen lassen wird. Wer braucht dazu eine Maschine? Und so lässt Meichsner Mensch und Technik genüsslich aufeinanderprallen, ohne ihnen dabei zu nahe zu treten. Er guckt ihnen einfach nur zu – durch eine digitale Großformatkamera. Und erzählt dabei eigentlich eine ganz andere Geschichte als die über den TÜV.

Es ist eine Geschichte über den arbeitenden Deutschen, und es ist eine Geschichte über unser Bedürfnis nach Sicherheit. Niemand möchte, dass ihm sein Toaster um die Ohren fliegt, das Bügeleisen die Bude abfackelt oder dass man im Garten von seinem Sonnenschirm erschlagen wird. Aber: Niemand rechnet auch damit. Wir gehen davon aus, dass all die Technik, die uns durch den Alltag begleitet, grundsätzlich funktioniert und ungefährlich ist, wenn man sie halbwegs richtig bedient. Wir erwarten ein hohes Maß an Sicherheit und Qualität. Diese Erwartungshaltung haben die Damen und Herren vom TÜV mit ihren skurrilen Tests und mit ihren Gütesiegeln nicht unmaßgeblich mitgestaltet. „Deutsch“ ist selbst ein Gütesiegel für Wertarbeit und Gründlichkeit. Dass vieles noch in Handarbeit erledigt wird, beruhigt in diesem Zusammenhang mehr als dass es verunsichert. In jedem Fall ist es lustig.

Normalos in kurzärmeligen Karohemden, die einfach nur ihre Arbeit machen, werden in Meichsners Sichtweise zu Popstars, Künstlern, Tänzern. Der Mann, der mit dem Regenschirm gegen die Windmaschine kämpft, die beiden Tester, die aussehen wie bei der WM im Synchronharken, die Frau, die akribisch Planquadrate auf Toastbrotscheiben malt, bevor sie den Bräunungscheck antreten. Gefoltert wird auch – das Stoffkänguru mit Beutelbaby auf der Streckbank oder die Spielpuppe, die einen mit großen blauen Augen anguckt, während sie in Flammen aufgeht. Sieht brutal aus. Aber es ist ja alles zu unserem Guten.

Meichsner, der in Steinhude aufgewachsen ist und 2006 sein Fotografiestudium an der heutigen Hochschule Hannover abgeschlossen hat, hat drei Jahre an dem Projekt gearbeitet, das er „The Beauty of Serious Work“ genannt hat. Es ist seine bisher spektakulärste Ausstellung, doch auch zuvor hat er sich bereits  auf ähnlich unterhaltsame Weise mit dem Thema Sicherheit auseinandergesetzt. Er hat Deutsche im Urlaub beobachtet, die in den schönsten Wochen des Jahres alles mal ganz anders haben wollen als sonst, aber eigentlich auch alles wie zu Hause. Im Obergeschoss der GAF ist eine Auswahl dieser Serien zu sehen. Sollten TÜV-Prüfer auf den Fotos sein, wäre das reiner Zufall.

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