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Kultur „The Green Hornet“: Wieder ein Comic-Held auf der Leinwand
Nachrichten Kultur „The Green Hornet“: Wieder ein Comic-Held auf der Leinwand
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15:15 15.01.2011
Von Stefan Stosch
Chudnofsky (Christoph Waltz) will den Kopf von „The Green Hornet“. Quelle: Sony Pictures

Einmal böse, immer böse – aber anders böse: Wo ist bloß dieses überbreite Lächeln von Christoph Waltz geblieben, hinter dem sich in Quentin Tarantinos „Inglourious Basterds“ triefender Sadismus versteckte? Mit ­diesem Lächeln reüssierte Waltz als SS-Standartenführer Hans Landa zum international gefeierten Kinostar. Nun spielt er in „The Green Hornet“ den Oberbösewicht in der Unterwelt von Los Angeles, einen gewissen Benjamin Chudnofsky.

Dieser Mann lächelt so gut wie nie, er radebrecht mit pseudorussischem Akzent und bläst Trübsal wegen seines schlechten Images in der Stadt. Sein Ruf ist ihm nicht mehr schlecht genug: Denn neuerdings treibt die grüne Hornisse ihr Unwesen. Die maskierte Nachtgestalt ist bald noch übler beleumundet als er, obwohl sie für die gute Sache streitet.

Prinzipiell jedoch hätte Chudnofsky allen Grund zu guter Laune. Bei „The Green Hornet“ handelt es sich um ein Spaßprodukt, das in den Dreißigern im US-Radio geboren wurde und in den Sechzigern als Fernsehserie Erfolg hatte (und nebenbei Kung-Fu-Kämpfer Bruce Lee im Westen bekannt machte). Für Waltz ist dies die erste große Rolle seit seinem Oscar-Triumph. Instinktsicher spielt er gegen das Erwartbare an. Er verleiht seinem Chudnofsky eine melancholische Note, ja, eine scheinbare Unterwürfigkeit, die sich jederzeit in Gewalt entladen kann.

Konsequent ist die Variation des Bösen auch. Der deutsch-österreichische Schauspieler hätte sich nach seinem Oscar vor einem knappen Jahr in jeder feinsinnigen Arthouse-Produktion die Hauptrolle aussuchen können. Mit „Green Hornet“ jedoch steigert er seinen Marktwert. Das muss mitbedenken, wer im Alter von 54 Jahren in Hollywood noch einmal durchstarten will. Zuvor tummelte sich Waltz ein Vierteljahrhundert lang im deutschen Fernsehen – Serien wie „Ein Fall für zwei“, „Derrick“, „Der Alte“, „Kommissar Rex“ oder „Tatort“ inklusive. Nun ist Waltz in die globale Kinoliga aufgestiegen, ursprünglich war Nicolas Cage als Schurke Chudnofsky im Gespräch.

Zudem arbeitet Waltz bei „Green Hornet“ mit einem Regisseur zusammen, den erst recht niemand auf dem Ticket eines 100-Millionen-Dollar-Blockbusters gebucht hätte: Der Franzose Michel Gondry hat so drollig-surreale Filme wie „Vergiss mein nicht“, „Science of Sleep – Anleitung zum Träumen“ oder „Abgedreht“ inszeniert. Im Gegensatz zu Waltz ist er ein bekennender Comicfan. Wenn Hollywood nicht ganz und gar im Formelhaften erstarren will, braucht es Leute wie Gondry und Waltz, die innerhalb des Systems die Grenzen verschieben.

Nur äußerlich entspricht die Geschichte um die grüne Hornisse den Anforderungen ans Superheldenfach. Britt Reid (Seth Rogen), nichtsnutziger Sohn eines Großverlegers, führt sozusagen ein Leben als männliches Partygirl. Dann stirbt überraschend sein Vater (Tom Wilkinson). Reid sucht eher aus Langeweile denn aus echter Überzeugung nach einer Mission. Spaßeshalber wandelt er sich vom Partykracher zum Actionhelden. Für die nötige Ausrüstung sorgt sein technisch und kampfkunstmäßig versierter Hausangestellter Kato (neu in Hollywood: der taiwanische Popstar Jay Chou). Das ist ein Autobastler und Raketenerfinder, der sich bestens mit James Bonds Cheftüftler Q verstanden hätte.

Dieses ziemlich unheldenhafte Superheldenduo hat seinen Reiz. Reid und Kato behakeln sich beinahe wie einst Inspektor Clouseau und sein Assistent. Sie liefern sich die eigentliche Show. Dritte im Bunde ist die „Aushilfssekretärin“ Cameron Diaz, die die Streithähne immer mal wieder auf die richtige Fährte setzen muss, wenn sie ziellos durchs dunkle Los Angeles irren.

Am 20. August startet Quentin Tarantinos neuer Film „Inglourious Basterds“ in den deutschen Kinos.

Waltz muss sich – wie schon in „Inglourious Basterds“ – mit einer pointierten Nebenrolle begnügen. Seth Rogen, bislang bekannt für Teeniekomödien wie „Beim ersten Mal“, ist die strippenquasselnde Schlüsselfigur – und nebenbei auch Produzent und Drehbuchautor in diesem unterhaltsamen Popcornfilm, den man gar nicht unbedingt in der 3-D-Version sehen muss.

Zwischen all den Superhelden im aktuellen Kinobetrieb hat „The Green Hornet“ tatsächlich eine Nische gefunden. Der Regisseur setzt frohgemut aufs ­Überdrehte und Alberne – eben aufs ­Comichafte. Die originalen Superhelden nach Batman- oder Spiderman-Art werden von der Hornisse ordentlich gepiesackt. Dies ist ein Film für Männer, die nicht erwachsen werden wollen, und auch für Jungs, die die ganze Ballerei als Ulk durchschauen.

Für Waltz bedeutet der Superschurke Chudnofsky wohl nur einen Zwischenschritt. Bei einer Neuauflage des Mantel-und-Degen-Klassikers „Drei Musketiere“ ist er demnächst als intriganter Kardinal Richelieu zu sehen (also wieder als Böser), und er wird bei dem von ihm verehrten Regisseur Roman Polanski eine Hauptrolle in „Gott des Gemetzels“ übernehmen. Die zweite Karriere des Christoph Waltz hat gerade erst begonnen.

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