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00:20 13.06.2018
Hannover, Faust: Die Levellers Foto: Samantha Franson Quelle: Samantha Franson
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Hannover

Das T-Shirt zum neuen Album, das die britischen Folkrocker The Levellers in der Faust-Warenannahme vorstellen, illustriert dessen Titel „We The Collective“ mit einem Piktogramm: Eine Faust reckt einen Schraubenschlüssel. Das Motiv trifft die Arbeitsweise der Band recht genau: Gemeinschaftliche Arbeit auf Augenhöhe mit hohen Ansprüchen an gesellschaftspolitische Relevanz und musikalisches Handwerk. The Levellers feiern in diesem Jahr ihr 30-jähriges Jubiläum.

Ihre Musik greift auf traditionelle Elemente des britischen Folk zurück, die die Band mit großem Respekt in ein heutiges Lebensgefühl überträgt. Das kam schnell gut an: Im Jahr 1994 spielten The Levellers beim Glastonbury-Festival vor 300.000 Menschen – bis heute ein Rekord. In den vergangenen Jahren wurde es ruhiger um die Musiker, die sich in einer alten Fabrik in ihrer Heimatstadt Brighton ein alternatives Kulturzentrum eingerichtet haben.

Da kam der Vorschlag des Produzenten John Leckie, der schon für Radiohead und Muse arbeitete, gerade recht, zum Jubiläum ein Akustik-Album mit den wichtigsten Singles aufzunehmen. „We The Collective“ ist der Versuch, die alten Hits neu zu erfinden. Live präsentieren The Levellers das Ergebnis in elfköpfiger Besetzung. Schnell wird deutlich, dass sie auch in den akustischen Arrangements die vertraute Wucht und Sattheit ihres Sounds erreichen. Gleich im Eröffnungsstück „Exodus“ wird eine archaische Kraft erlebbar, die Essenzen aus Punk, Folk und Klassik geschickt kombiniert.

Die Warenannahme ist mit 220 sitzenden Zuhörern restlos ausverkauft – es ist eines von nur zwei Konzerten in Deutschland. Die Fans demonstrieren ihre Zugehörigkeit mit T-Shirts aus 25 Jahren Bandgeschichte und kaum zu bremsende Begeisterung. Alle spüren, dass dies ein besonderes musikalisches Ereignis ist. Mit jedem der vertrauten Songs im neuen Klang wird die Stimmung euphorischer.

Der „Liberty Song“ vereint melancholische Zerbrechlichkeit mit trotziger Kraft, „Chemically Free“ kanalisiert die alte, treibende Unruhe und das getragene „Elation“ schafft es, drohendem Kitsch souveränen Folk entgegenzusetzen – auch durch ein Didgeridoo, das den Song schon immer außergewöhnlich machte. „Hope Street“ schließlich demonstriert, wie die Streicher- und Percussion-Arrangements einen Hit zum Fliegen bringen können, inbrünstig swingend und rockend zugleich.

Auch der Punk kommt nicht zu kurz. „Cardboard Box City“, ein Stück über Obdachlosigkeit, und das Zounds-Cover „Subvert“ und sind auch im akustischen Gewand kantig-rituelle Beschwörungen eines offenen Blicks auf die Welt. Den Refrain der Individualisten-Hymne „One Way“ brüllen alle im Saal mit: „There’s only one way of life and that’s your own.“ The Levellers zeigen in einem beeindruckenden Konzert, dass es sich lohnt, diesen eigenen Weg immer wieder neu zu erkunden.

Am Dienstag, 12. Juni, um 20 Uhr spielt Jacques Palminger mit dem 440 Hz Trio in der Faust-Warenannahme.

Von Thomas Kaestle

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