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Langer Atem im Theater am Aegi

„The Ten Tenors“-Konzert im Theater am Aegi Langer Atem im Theater am Aegi

Zehn Sänger, zwei Termine, keine Kanten: The Ten Tenors sind im Theater am Aegi aufgetreten. Gleich zweimal gaben sie sich die Ehre: Beide Male hieß das Motto im Theater am Aegi „Broadway“ - ein recht dehnbarer Begriff, wie sich im Verlauf des Abends zeigen sollte.

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Zehn Männer im Smoking im Aegi: Die Ten Tenors.

Quelle: Felix Peschke

Hannover. Sie sind keine Unbekannten in Hannover. Die australischen Ten Tenors waren bereits des Öfteren zu Gast in der Stadt. Gleich zweimal gaben sie sich jetzt wieder die Ehre: Beide Male hieß das Motto im Theater am Aegi „Broadway“ - ein recht dehnbarer Begriff, wie sich im Verlauf des Abends zeigen sollte.

Das Schlagzeug von Trent Bryson-Dean steht hinter einer Mauer aus Plexiglas, der Flügel von Dave Newington ist gar keiner, sondern ein gut getarntes Keyboard. Die beiden Musiker spielen beim Konzert der Sänger aus Down Under live bei den vom Band kommenden Bombast-Intros mit. In Amerika und Australien, sagte David Joe Wendt, der Produzent der Tenors, träten sie mit einem Streicherensemble auf. Die Kontinente sind deutlich größer als Deutschland. Heute muss die Ahnung eines Orchesters ausreichen.

Der Sound im gut besuchten Theater ist eher mittelmäßig, als die zehn Sänger auf die Bühne stürmen. Sie swingen bei „Cheek To Cheek“, marschieren bei „The Impossible Dream“, wackeln bei „Walk like A Man“ mit den Hüften. Manche Stimmen sind dominanter als andere, bei komplexen Arrangements gerät das eine oder andere in den Hintergrund. „Wir sind endlich auf Zack“ - nein, das hat Sebastian Maclaine nicht gemeint. „Wir sind zurück“, sollte das heißen, mit australischem Akzent, aber in fehlerfreiem Deutsch, macht der Sänger die Moderationen.

Mit diesem Programm kann man nichts falsch machen

Sie singen sich quer durch die Musicals dieser Welt, einige Songs aus „Guys and Dolls“, einige Songs von Frankie Valli aus „Jersey Boys“ - mit diesem Programm kann man nichts falsch machen. Dann kommt Gershwins „West Side Story“. Die bösen Jungs der Jets und der Sharks präsentieren die Tenöre ebenso glattgebügelt wie alles andere - das wird aber wohl erwartet. Das Musikgedröhne im Hintergrund ist von Steven Baker perfekt choreografiert. Harmonie pur, Tenörenhände recken sich gen Himmel. „Somewhere Over The Rainbow“ zeigt Grenzen auf, beim Refrain sind sie sich gesanglich irgendwie selbst im Weg.

Die Dreiviertelplaybackshow kommt gut an. Am Ende: Applaus im Stehen, als Zugabe gibt es einen Song von Journey. „Don’t Stop Believin“, da erklingt plötzlich schönster Mainstream-Rock. Dann - unglaublich - Helene Fischer. „Atemlos“ wird zum Rausschmeißer. Den zehn Tenören ist trotz unterschiedlicher Klangfarben in der Stimme eins gemein: Sie sind Absolventen des Queensland Conservatory, einer Musikhochschule am anderen Ende der Welt. Womanizer sind sie alle, allesamt gute Sänger. Allerdings fehlt der Glanz eines Pavarotti, Domingo oder Carreras. Das kompensieren sie jedoch mit viel Spaß, mit vielen musikalischen Ideen, gelungenen Tanzeinlagen. Charmante Sänger, charmantes Konzert.

■ Am 21. Januar gibt es „Die große Verdi-Nacht“ am Theater am Aegi.

Michael Krowas

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