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„The Tree of Life“-Regisseur Terrence Malick scheut den Ruhm

Porträt „The Tree of Life“-Regisseur Terrence Malick scheut den Ruhm

Er kann nur eine Handvoll Filme vorweisen, doch Terrence Malick zählt zu den ganz Großen des amerikanischen Films: Der Regisseur wird als „Poet der Leinwand“ und als Meister magischer Bilder verehrt. Dabei ist er notorisch scheu, was ihn längst zum Mysterium macht. Ein Porträt.

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Regisseur Terrence Malick bei den Dreharbeiten zu „Der schmale Grat“.

Quelle: dpa

Es wäre ein Wunder gewesen, hätte der 67-jährige Terrence Malick die Goldene Palme in Cannes selbst in Empfang genommen. Als sein philosophisches Drama „The Tree of Life“ im Mai mit dem höchsten Preis des Filmfestivals geehrt wurde, glänzte der amerikanische Regisseur durch Abwesenheit. Typisch für Hollywoods „Mystery Man“, von dem es kaum Fotos, geschweige denn Liveauftritte gibt. An seiner Stelle nahm „The Tree of Life“-Produzent Bill Pohlad in Cannes die Trophäe entgegen. „Heute Abend muss ich den Platz eines Giganten einnehmen“, sagte er. Malick sei sehr schüchtern und verschwiegen. „Er will keine Berühmtheit werden.“

Terrence Malick fehlte auch bei der Berlinale 1999, als sein Kriegsepos „Der schmale Grat“ den Golden Bären gewann. Damals holte Schauspieler Jim Caviezel in Berlin den Preis stellvertretend ab. Seit Jahrzehnten gibt Malick durch sein oft jahrelanges Verschwinden Rätsel auf. Legenden ranken sich um den fernab von Hollywood in Texas lebenden Einzelgänger.

Malicks Werdegang ist filmreif: Er arbeitete als Handlanger auf einer Farm in Texas, bevor er an der Eliteuniversität Harvard Philosophie studierte. Mit einem Rhodes-Stipendium kam er nach Oxford, wo er über den Philosophen Martin Heidegger promovierte, seine Arbeit aber wegen Meinungsverschiedenheiten mit seinem Betreuer abbrach. Zurück in New York schlug er sich als Journalist durch und schrieb sich 1969 als Filmstudent in Los Angeles ein. Mit dem Schreiben von Drehbüchern verdiente er Geld und Ansehen. 1972 verfasste er „Zwei glücklose Cowboys“, einen modernen Western, der mit Paul Newman und Lee Marvin verfilmt wurde.

Ein Jahr später gab er mit „Badlands“ sein Regiedebüt. Der Neuling, der mit einem knappen Budget ohne Rückendeckung eines großen Studios mit der eigenen Firma produzierte, konnte Martin Sheen und Sissy Spacek für die Rollen eines mörderischen Paares gewinnen, das in der weiten, menschenleeren Landschaft von Nebraska und Wyoming eine Blutspur hinterlässt. Die Kritiker ließen den unbekannten Malick als Genie hochleben.

Diesen Ruf verfestigte er fünf Jahre später mit dem Eifersuchtsdrama „In der Glut des Südens“, das er ohne künstliches Licht nur in den milden Farben bei Sonnenaufgang und Sonnenuntergang drehte. Der Film um die Dreiecksbeziehung von Bill, Abby und einen Farmer im amerikanischen Texas des Jahres 1916 ist mit Richard Gere, Brooke Adams und Sam Shepard prominent besetzt und wurde 1979 in Cannes mit dem Regie-Preis ausgezeichnet.

Am 16. Juni startet Terrence Malicks neuer Film „The Tree of Life“ mit Brad Pitt (Foto) und Sean Penn in den Hauptrollen in den deutschen Kinos.

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Trotz seines Erfolgs zog sich Malick aus dem Filmgeschäft zurück, er lebte mal in Frankreich, mal in seiner Heimat. Zwanzig Jahre mussten seine Fans auf ein Lebenszeichen warten. Als er Ende der neunziger Jahre ein Drehbuch für den Antikriegsfilm „Der schmale Grat“ vorlegte, stand Hollywoods Prominenz Schlange. „Ich habe zugesagt, weil ich unbedingt mit Terrence Malick zusammenarbeiten wollte“, sagt Sean Penn. „Als er sich vor zwanzig Jahren aus dem Filmgeschäft zurückzog, hatte ich das Gefühl, als ob eine bestimmte Gattung großer Künstler plötzlich ausstirbt.“ Penn und seine Kollegen Nick Nolte, Woody Harrelson und George Clooney verzichteten auf hohe Gagen.

2006 meldete sich Malick mit dem Historiendrama „The New World“ zurück. Colin Farrell spielt den englischen Forschungsreisenden John Smith, der sich in der Wildnis Amerikas in die Häuptlingstochter Pocahontas verliebt.

Nach „The Tree of Life“ gibt es Anzeichen, dass Malick-Fans nicht endlos lange auf das nächste Werk warten müssen. Der Regisseur arbeitete nebenbei an der Dokumentation „Voyage of Time“ über die Entstehung des Universums. Auch sein nächster Spielfilm, der noch keinen Titel hat, ist schon im Kasten. Dafür holte Malick unter anderem Ben Affleck, Javier Bardem, Rachel Weisz und Rachel McAdams vor die Kamera. Und wieder gibt der Regisseur Rätsel auf, selbst seine Hauptdarsteller tappen im Dunkeln. „Man weiß es einfach nicht mit Terry“, sagt McAdams über den ungewöhnliches Drehstil des Meisterregisseurs. „Es ist wahrscheinlich keine romantische Komödie, aber ich bin mir nicht sicher! Man weiß nie.“

„The Tree of Life“ läuft seit dem 16. Juni in den deutschen Kinos.

tfi/dpa

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