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Theater für Niedersachsen schließt Spielstätte in Hannover

Geringe Auslastung Theater für Niedersachsen schließt Spielstätte in Hannover

Das Theater für Niedersachsen wird seine Spielstätte in Hannover zum Ende der Spielzeit aufgeben. Vor zwei Jahren fusionierte die Landesbühne Hannover mit dem Stadttheater Hildesheim zum Theater für Niedersachsen.

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Eingang zum „Theater für Niedersachsen“ an der Bultstrasse.

Quelle: Tim Schaarschmidt

Hannover ist immer noch unser Sorgenkind“, sagte Jörg Gade, Intendant des Theaters für Niedersachsen (TfN), als er vor drei Monaten den neuen Spielplan seines Theaters vorstellte. Bald dürfte er eine Sorge weniger haben, denn die Träger des Theaters für Niedersachsen haben beschlossen, die Spielstätte an der Bult zum Ende der Spielzeit, im Sommer 2010, zu schließen.

Aus Hannover zurückziehen wird sich die Landesbühne, die immerhin schon seit 57 Jahren in der Stadt spielt, allerdings nicht: Der Spielbetrieb soll im Theater am Aegi weitergehen. Acht Stücke sollen dort (in zwei Aboreihen) pro Spielzeit zu sehen sein. Die Träger des Theaters, Stadt und Landkreis Hildesheim, sowie der „Zweckverband“, in dem die Orte organisiert sind, an denen das Theater für Niedersachsen Gastspiele gibt, hat sich für die Aufgabe des alten Landesbühnendomizils an der Bultstraße entschieden, weil die Kosten für jede Aufführung dort hoch sind – und die Zuschauer wegbleiben.

Mit dem Wechsel ins Theater am Aegi würde die ehemalige Landesbühne ein Haus bespielen, in dem sie seit 1958, mit einigen Unterbrechungen knapp 30 Jahre lang gespielt hat. Erst 1987 (unter dem Intendanten Reinhold Rüdiger) fand das Ensemble eine dauerhafte Spielstätte in Hannover: Die Hallen einer Speditionsfirma an der Bultstraße wurden zum Theater umgebaut. Dort war bis vor zwei Jahren der Sitz der Landesbühne, von hier aus brach man auf, um Gastspiele in ganz Niedersachsen zu geben. Im Jahr 2007 hat sich die hannoversche Landesbühne mit dem Stadttheater Hildesheim zum Theater für Niedersachsen zusammengeschlossen.

Zwei finanziell angeschlagene Häuser sollten zu einem gesunden, tatkräftigen Haus fusionieren. Ein Zweistädtetheater war geplant, das viele Gastspiele in der Region gibt. Die Rechnung ist nicht ganz aufgegangen. Immer wieder wurde das Theater für Niedersachsen in den vergangenen Jahren von schweren Finanzkrisen erschüttert, vor gut einem Jahr entging das Theater, das vom Land Niedersachsen, der Stadt und dem Kreis Hildesheim sowie dem Zweckverband der Gastspielorte unterstützt wird, nur knapp der Insolvenz. So etwas macht ein Theater nicht gerade anziehender. Aber immerhin: In Hildesheim läuft es ganz gut für das TfN. Die Platzausnutzung liegt dort bei etwa 70 Prozent. Schnell wurde das Theater für Niedersachsen als Hildesheimer Theater wahrgenommen, das mit seinen Gastspielen auch die Region versorgt. Und nicht mehr als hannoversches Theater. Hier verschwand die Landesbühne Hannover bald aus dem Gedächtnis der Zuschauer.

Nachdem die Verwaltung von Hannover nach Hildesheim gezogen war, glaubten offenbar viele, der Spielbetrieb an der Bultstraße sei ganz eingestellt. Auch die Neugestaltung des Servicebereichs im vergangenen Jahr (Kosten: 40. 000 Euro) konnte am Besucherschwund nichts ändern. „Das Publikum in Hannover hat den Markenwechsel nicht akzeptiert“, sagt Jörg Gade, der Intendant: „Wir müssen erkennen, dass das Theater für Niedersachsen nicht als hannoversches Theater wahrgenommen wird, sondern als Theater aus Hildesheim, das in Hannover Gastspiele gibt.“

Die Platzausnutzung an der Bultstraße lag am Ende bei etwa 50 Prozent. Und wenn nur die Hälfte der Plätze besetzt ist, macht es den Schauspielern keinen Spaß zu spielen und den Zuschauern keinen Spaß zuzuschauen. Der Mietvertrag für das Theater an der Bult läuft noch bis 2012 – dass der Spielbetrieb dort ein Jahr früher enden wird, hat finanzielle Gründe: Das Haus zu schließen, hat man ausgerechnet, käme billiger als weiterzuspielen. Anderswo in Hannover findet die ehemalige Landesbühne weiterhin viel Zuspruch: Das Musical „Der geheime Garten“, das zurzeit im Gartentheater Herrenhausen und in zahlreichen Orten in der Region gespielt wird, läuft sehr gut. Bereits 17. 000 Tickets seien verkauft worden, meldete das Theater für Niedersachsen. Intendant Gade spricht vom erfolgreichsten Musical, das in den vergangenen fünf Jahren im Gartentheater Herrenhausen gespielt wurde. Im September wird Hannovers Kulturdezernentin Marlis Drevermann entscheiden, wer in der nächsten Saison das Gartentheater bespielen darf.

Das Theater für Niedersachsen will dort gern weiter spielen, aber auch Heinz Rudolf Kunze und Heiner Lürig, die in den vergangenen Jahren erfolgreich Shakespeare-Musicals („Ein Sommernachtstraum“ 2003 und „Kleider machen Liebe“ 2007) im Gartentheater präsentiert haben, wollen dort weitermachen. Auch sie protzen mit großen Zahlen: Mehr als 100 000 Besucher sollen ihre beiden Shakespeare-Bearbeitungen gesehen haben.

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