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„Zu viel Diskurs- und Pipifax-Theater“?

Theater des Jahres „Zu viel Diskurs- und Pipifax-Theater“?

Die Theater des Jahres stehen in Berlin. 43 Theaterkritiker und Kritikerinnen haben jetzt im Jahrbuch der Fachzeitschrift „Theater heute“ ihre Voten für die Höhepunkte der Spielzeit abgegeben. In der Kategorie „Gesamtleistung eines Theaters“ gab es gleich viele Stimmen für die Volksbühne und für das Maxim-Gorki-Theater.

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Edgar Selge in „Unterwerfung“. 

Quelle: dpa

Hannover. Die Theater des Jahres stehen in Berlin. 43 Theaterkritiker und Kritikerinnen haben jetzt im Jahrbuch der Fachzeitschrift „Theater heute“ ihre Voten für die Höhepunkte der Spielzeit abgegeben. In der Kategorie „Gesamtleistung eines Theaters“ gab es gleich viele Stimmen für die Volksbühne und für das Maxim-Gorki-Theater. So dürfen jetzt beide Berliner Bühnen als Theater des Jahres gelten.

Die Entscheidung für die Volksbühne dürfte auch eine Hommage an den langjährigen Intendanten Frank Castorf sein, der sein Amt 2017 an den Museumsmanager Chris Dercon abgeben wird. Mit dem Gorki-Theater dürfte wohl besonders der Umgang des Theaters mit gesellschaftlicher Heterogenität gewürdigt werden. Die meisten Schauspieler des von Shermin Langhoff und Jens Hillje geleiteten Theaters haben einen Migrationshintergrund.
Zur Darstellerin des Jahres wählten die Kritiker die Burgschauspielerin Caroline Peters für ihre Rolle als Ella Rentheim in Ibsens „John Gabriel Borkman“. Diese Neuentdeckung des Stücks unter der Regie von Simon Stone, eine Koproduktion von Wiener Burgtheater und Schauspiel Basel, die weitgehend in einer Schneelandschaft spielt, wurde auch Inszenierung des Jahres.

Der beste Schauspieler der Saison ist Edgar Selge. Er begeisterte die Theaterkritiker mit seinem Monolog „Unterwerfung“ nach Michel Houellebecq am Hamburger Schauspielhaus. Mit seinem Auftritt in Daniela Löffners Turgenjew-Inszenierung „Väter und Söhne“ holte sich der 24-jährige Marcel Kohler den Titel als bester Nachwuchsschauspieler.

Nachwuchsregisseur des Jahres wurde Ersan Mondtag mit seinem multimedialen, aber stummen Kammerspiel „Tyrannis“, das als Produktion des Staatstheaters Kassel bereits beim Berliner Theatertreffen für Aufsehen gesorgt hatte.

Eine posthume Ehrung als bester Bühnenbildner gab es für Bert Neumann von der Volksbühne – der langjährige Castorf-Begleiter war im vergangenen Jahr mit 54 Jahren gestorben. Auch das Gorki-Theater holte eine wichtige zweite Auszeichnung: Yael Ronens Nah-Ost-Lehrstunde „The Situation“ überzeugte als Stück des Jahres.

Das Schauspiel Hannover tauchte in den Voten der überregional agierenden Theaterkritiker nur an einer Stelle auf: Der Berliner Kritiker Reinhard Wengierek wählte Heiner Müllers „Der Auftrag“, inszeniert von Tom Kühnel und Jürgen Kuttner, als Koproduktion des Schauspiels Hannover und der Ruhrfestspiele Recklinghausen zur Inszenierung des Jahres.

Auf besonderes Leserinteresse stößt meist die Rubrik „Ärgernis des Jahres“ in der Kritikerumfrage. In der vergangenen Saison ärgerten sich die Kritiker über verschiedene kulturpolitische Entscheidungen, über den Regisseur Alvis Hermanis (der dem Hamburger Thalia Theater absagte, weil er mit der dortigen Flüchtlingssympathie nicht einverstanden war), über die Salzburger Festspiele, über „Die als rassistischer Antirassismus wiederkehrenden Stereotypen bei der Instrumentalisierung von Flüchtlingen auf der Bühne“ sowie über „Zu viel Diskurs- und Pipifax-Theater“.

Ein Kritiker schrieb aber auch: „Nichts zum Ärgern im Theater angesichts der realen Schrecken in der Welt.“

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