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Chancen, Risiken und Nebenwirkungen

Theaterwerkstatt baut Brücken nach Isreal Chancen, Risiken und Nebenwirkungen

Zielstrebig hat Hannovers Theaterwerkstatt Brücken nach Israel geschlagen, dabei ist eine intensive Kooperation mit dem Al-Midan-Theater entstanden. Nun leidet die Zusammenarbeit unter Israels Politik: Die Kulturministerin Israels hat sämtliche Fördermittel gestrichen.

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Zurück zu den Wurzeln des Konflikts: Tarik Kobti in der Inszenierung „1945“ des Al-Midan-Theaters im israelischen Haifa.

Quelle: Kemper

"Das ist die größte Herausforderung, der wir uns je mit dem Theater gestellt haben – und ich glaube eine der wichtigsten unserer Zeit“, sagt Sabine Trötschel über ihre Treffen und die Zusammenarbeit mit arabischen Theatergruppen – und besonders mit einer Truppe aus dem israelischen Haifa. „Am dortigen Al-Midan-Theater haben wir unglaubliches schauspielerisches Engagement erlebt und eine starke Verbindung zur arabischsprachigen Community.“

In den Augen der Regisseurin, die zum Leitungsteam der Theaterwerkstatt im Pavillon zählt, ist dies zugleich ein Beispiel für die Chancen, die Theatermachern aus internationalen Kooperationen erwachsen können. „Bei unserer Theaterarbeit“, sagt Sabine Trötschel, „loten wir Schnittmengen mit anderen Kulturen aus – um sie mit unserem Publikum zu teilen.“ So begründet sie die grenzüberschreitende Orientierung der Theaterwerkstatt. In Zeiten der Globalisierung und weltweit wachsender Flüchtlingsströme ist die sehr aktuell, sie hat aber bei der Theaterwerkstatt schon lange Tradition. „Meine ersten internationalen Erfahrungen habe ich in der Zeit der Perestroika 1992 als Praktikantin der Theaterwerkstatt auf der Gastspielreise nach Moskau und Rostow gesammelt.“

Theaterwerkstatt - schon lange international

Die Theaterwerkstatt pflegt bereits seit 25 Jahren Beziehungen zu Theatergruppen jenseits der deutschen Grenzen – quer durch Europa, in Japan, Israel und Ländern der arabischen Welt:
1990, Russland: „Mensch, Hermann“, Gastspielreise nach Moskau und Rostow.
1993, Russland: „Antonius und Kleopatra“, Kooperation mit dem Moskauer Studiotheater des Taganka Theaters „88“.
1998, Japan: „Till“, Koproduktion mit der japanischen Lasenkan Theatre Company unter der Schirmherrschaft des Goethe-Instituts Kansai.
2001, Europatournee und Asien:  „Der Blaue Stuhl“ nach Claude Boujon.
2006, Polen: „Fünfter sein“, nach Ernst Jandl, Koproduktion mit dem Studio Teatralne Blum in Poznan aus Anlass der 25-jährigen Städtpartnerschaft.
2009, Portugal, Spanien, Frankreich, Deutschland, Polen, Litauen: „Babel – oder wir bauen ein Haus“, europäisches Projekt im Auftrag des Goethe-Institutes Nancy.
2011, Marokko: „Um Himmels Willen, Ikarus“, aufgeführt beim Theaterfestival der Maghrebstaaten in Tanger und Casablanca.
2015, Israel: geplante Koproduktion mit dem palästinensischen Al-Midan-Theater aus Haifa.

Die internationale Kooperation reicht also bis in die Zeit des Mauerfalls zurück. Doch richtig intensiv wurde sie parallel zur Protestbewegung des Arabischen Frühlings. „Begonnen hat es für uns 2011 mit einem Besuch des Theaterfestivals in Tanger“, erzählt Trötschel. „Da ging’s los, da haben wir hochbrisante Stücke erlebt, ein sehr politisches, sehr gesellschaftskritisches Theater.“ Von diesem Geist beseelt haben die Teams von Theaterwerkstatt und Pavillon zweimal Theaterfestivals zum Arabischen Frühling auf die Beine gestellt – 2012 mit Theatergruppen aus fünf, 2014 sogar mit Truppen aus sieben Ländern.

Darunter war in beiden Jahren auch das Al-Midan-Theater – als einzige arabische Truppe aus einem nichtarabischen Land. Auf Bitten der Staatskanzlei hat die Theaterwerkstatt einen Kooperation mit diesem Theater begonnen, und seither hat sich eine intensive Kooperation mit der Truppe aus Israel entwickelt. Es gab 2013 einen gemeinsamen Workshop in Haifa, und vor kurzem beim Masala-Festival noch einen in Hannover.

Zukunft des Projekts steht in den Sternen

Doch jetzt erhält die internationale Kooperation der Theaterwerkstatt einen empfindlichen Dämpfer. Denn dem Al-Midan-Theater, ebenso wie vielen anderen arabischen Einrichtungen hat die neue Kulturministerin Israels sämtliche Fördermittel gestrichen, was auch Israelis als „beispiellose Attacke gegen die Kulturfreiheit in Israel“ kritisieren. Für das Al-Midan-Theater ist die Entscheidung existenzgefährdend, und auch für die Theaterwerkstatt gehen damit Nebenwirkungen einher.

„Wir wollten unsere Kooperationsarbeit in diesen Tagen in Haifa fortsetzen“, sagt Sabine Trötschel. „Doch nun steht die Zukunft des ganzen Projekts in den Sternen.“ Das Team habe zunächst auf eigene Kosten nach Haifa reisen wollen. Doch spätestens wenn der Gegenbesuch der Partner anstehe, lasse sich deren finanzielle Lage nicht mehr kompensieren. „Damit droht das Ende einer wunderbaren Zusammenarbeit.“ Und was kommt danach? „Wir werden die Verbindung zum Al-Midan-Theater nicht abreißen lassen – so viel Solidarität sind wir den Kollegen in Haifa schuldig.“

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