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Der Mann an der Gitarre

Thomas Hopf und das GOP Der Mann an der Gitarre

Nicht die Hauptperson – aber für die richtige Stimmung ungemein wichtig: Thomas Hopf bebildert mit seinen beiden musikalischen Mitstreitern klangvoll das aktuelle GOP-Programm „Lovely Bastards and Friends“

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Thomas Hopf mit seiner Gitarre.

Quelle: Frank Wilde

Hannover. Obwohl Thomas Hopf nicht die Hauptperson im aktuellen GOP-Programm „Lovely Bastards and friends“ ist, hat er einen eigenen Vorhang. Der 53-Jährige steht leicht erhöht im Bühnenhintergrund, mit einem Schlagzeuger und einem Keyboarder bebildert er musikalisch die Auftritte eines Jongleurs, eines Bauchredner-Komödianten, eines Sängers und einer Akrobatin. Immer, wenn es hinter den Varieté-Künstlern schwarz sein soll, geht der Vorhang zu - und gibt Hopf Gelegenheit, die Gitarre zu wechseln, nachzustimmen oder etwas an seinem imposanten Rudel Effektgeräte zu justieren. „Das ist ein echter Luxus“, befindet der Musiker.

Er hat auch gut zu tun während der Show. Sein Job ist, das zu Sehende auf ganz unterschiedliche Weise akustisch zu verdichten. Mal ist das eine kleine Bluesnummer, wenn Jongleur Andreas Wessels sich als Bargast auf abenteuerliche Weise Cocktails mischt und eine Zigarette anzündet. Wenn der gleiche Wessels zum Schluss im langen Ledermantel Mülltonnen zum Rotieren bringt, darf Hopf auch mal richtig deftig in die Saiten langen. Am Ende sitzt er mit der Wandergitarre vorn am Bühnenrand, zupft Cindy Laupers „Time After Time“, zu dem das gesamte Ensemble einen umgedichteten Text singt.

Für Hopf, der sich hier Tom Black nennt, ist es fast ein Heimspiel. Er lebt zwar seit 30 Jahren in Berlin, stammt aber aus Peine. Gespielt hatte er als Jugendlicher schon in heimatlichen Rockbands, bevor er über Pat Metheny und John McLaughlin den Jazz entdeckte und daraufhin einen großen Fehler machte: „Ich habe alle meine Rockplatten verkauft. Leider. Ganz schlimm.“

Doch der Jazz hatte ihn gepackt. Er übte und übte, zog 1983 nach Berlin, wo er sich „durch die ganze Szene jammte, teilweise zwei Sessions am Abend. Ich wollte es echt wissen.“ Und zwar auch beruflich: Zuvor hatte er „ein bisschen rumstudiert“, nun tat er das, was er sich bis dahin nicht getraut hatte: Er bewarb sich an der Hanns-Eisler-Musikhochschule in Berlin - und wurde mit Kusshand genommen.

Er lernte neue Musiker kennen, hielt den Kontakt, baute sein Netzwerk aus und spielte in immer neuen Formationen. Genau das sei Musik für ihn, das Zusammenspielen. „Ich sehe manchmal auf Youtube junge Typen in ihrem Zimmer spielen und denke dann: Mein Gott, kann der spielen! Aber wie gut spielt der, wenn der auf einer Bühne wie dem GOP steht? Spielt der zur richtigen Zeit die richtigen Sachen?“ Als die Gitarristen in den Achtzigern alle voller Bewunderung Eddie van Halen auf die rasenden Finger guckten, saß Hopf in Jazz-Clubs und orientierte sich später in eine andere Richtung. „Als Hip-Hop aufkam, dachte ich: Was für geile Grooves!“ Er spielte in einer Funkjazzband, war Mitte der Neunziger mit Bürger Lars Dietrich und dessen Ziehvater Stefan Raab unterwegs.

Hopf kann stundenlang über die Musik erzählen, über Musiker und ihre Qualitäten, wohlwissend, dass er ein Zuspieler ist, einer, der andere gut aussehen lässt - und auch Auftritte auf Hochzeiten oder Firmenevents mag, wenn das musikalische Ergebnis für ihn stimmt. Mit seinem langjährigen Duopartner, dem Kontrabassisten Scott White - daher sein eigener Künstlername Tom Black -, bietet er ein breites Spektrum musikalischer Dienstleistungen an. Das ist dem studierten Jazzer nicht peinlich. Schließlich hat er es geschafft, von der Musik zu leben. Stolz ist er trotzdem, wenn er ein Video zeigt, auf dem er mit der bekannten Saxofonistin Candy Dulfer auf der Bühne zu sehen ist.

Eine Geschichte aus der aufregenden Bürger-Lars-Dietrich-Phase, als Radio, und Fernsehauftritte plötzlich zum Terminplan gehörten, muss er dann doch noch loswerden. Er berichtet von einer Fahrt aus dem Schwäbischen nach Bern. Sein Sitznachbar war 16, „völlig grün hinter den Ohren, aber ziemlich cool“. Sein Name: Justin Timberlake, damals Teil der Boyband ‘N Sync. „Mit der Geschichte kann ich bei den Chicks an der Bar glänzen“, sagt Hopf grinsend. Er kann es ja mal in den kommenden Wochen in Hannover versuchen.

„Lovely Bastards and Friends“ läuft bis zum 11. September im GOP. 

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