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Jaap Brakke verlässt überraschend das Landesmuseum
Nachrichten Kultur Jaap Brakke verlässt überraschend das Landesmuseum
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17:01 20.09.2010
Von Simon Benne
Jaap Brakke verlässt das Landesmuseum. Quelle: Steiner

Es war eine betont nüchterne Erklärung, die gestern aus dem Kulturministerium kam, und sie fasste eine bemerkenswerte Nachricht in bemerkenswert dürre Worte: „Der Direktor des Landesmuseums Hannover, Jaap Brakke, hat aus persönlichen Gründen um Aufhebung seines Vertrages gebeten und wird in seine Heimat Assen in den Niederlanden zurückkehren“, heißt es in der Pressemitteilung. Als diese gestern verbreitet wurde, hatte Brakke seinen Platz im Museum bereits geräumt und war auch telefonisch nicht mehr zu erreichen. Kulturministerin Johanna Wanka würdigte Brakke zum Abschied als „anerkannten Museumsfachmann“ und dankte ihm für sein „engagiertes Wirken“.

Als Wanka die Personalie bei einer eilig einberufenen Mitarbeiterversammlung im Museum verkündete, reagierten viele überrascht und teils bestürzt – und das nicht nur, weil Brakke noch Anfang der Woche wie gewohnt Termine wahrgenommen hatte. Mit Brakke tritt auch ein Hoffnungsträger ab. Vor nicht einmal zwei Jahren war der damals 61-Jährige aus dem Drents Museum in Assen gekommen. Als zielstrebig, dynamisch, international vernetzt wurde er damals gepriesen; mit Sonderausstellungen wollte er langfristig bis zu 200 000 Besucher in das Landesmuseum holen, das seine Stärken oft nicht ins rechte Licht zu setzen versteht.

Tatsächlich erwarb sich Brakke unter Hannovers Museumsleuten bald einen guten Ruf: „Ein toller, erfahrener Kollege, mit dem wir bei der Planung der Landesausstellung zur Epoche der Personalunion, die in vier Jahren eröffnet, eng zusammengearbeitet haben“, sagt Thomas Schwark, Direktor des Historischen Museums. In seinem eigenen Museum allerdings hatte Brakke oft zu kämpfen: Erst jetzt wird ein neuer Ausstellungsraum eingerichtet, der so klimatisiert ist, dass kostbare Leihgaben aus internationalen Museen dort gezeigt werden können. „Wegen technischer Schwierigkeiten konnte Brakke oft nur mit angezogener Handbremse fahren“, sagt ein Museumsmann.

Zudem war der Niederländer mit großen Plänen angetreten – und hatte nicht die Mittel, diese umzusetzen. Das Land war klamm, wenn es um Geld und Personalausstattung ging. Brakke, so sagen Museumsleute, fühlte sich alleingelassen. Da die „persönlichen Gründe“ zur Begründung von Brakkes eiligem Abgang vielen gestern etwas dürftig erschienen, machten schnell Gerüchte die Runde: Das Kulturministerium habe ihm den Rückzug nahegelegt, wird von Insidern kolportiert. Andere erinnern an teils massive Konflikte Brakkes mit einzelnen Mitarbeitern. Beim Streit um grundsätzliche Fragen sollen die Türen geknallt haben, ist zu hören.

Mit einem Paukenschlag hatte Brakke sich im Museum eingeführt: Binnen weniger Wochen ließ er die Ausstellungsflächen im großen Stil umräumen, um eine Indianer-Ausstellung zeigen zu können – zum Verdruss alteingesessener Kollegen. Da ist das Landesmuseum manchmal wie der „Plateosaurus engelhardti“, dessen Skelett dort im ersten Stock steht: überaus imposant, doch nicht sonderlich beweglich.

Es ist nicht so, dass der Rückzug ganz unvermittelt kam: Im vergangenen Monat erhielt das Museum in Gestalt des neuen Münzkabinetts eine kleine, fünfte Abteilung, die Eröffnung wurde groß gefeiert – und Brakke fehlte. Auch als vor Gericht um das Tiepolo-Gemälde aus der Landesgalerie gestritten wurde, war er nicht im Haus. Ein seit Langem geplanter Urlaub in Frankreich, hieß es. Doch man tut Brakke wohl nicht unrecht, wenn man darin auch ein Zeichen der Entfremdung von seinem Museum sieht.

Im Oktober eröffnet dort eine Ausstellung, die Brakke noch mit angeschoben hat: In „Goldener Horizont“ werden kostbare Grabbeigaben von Skythen und Hunnen aus der heutigen Ukraine gezeigt. Im Landesmuseum Linz ist die Ausstellung bereits erfolgreich gelaufen. Doch die strukturellen Probleme des Landesmuseums wird sie nicht lösen. „Jetzt kommt es darauf an, möglichst bald die Leitungsposition neu zu besetzen“, sagt Kulturministerin Wanka. Die Stelle werde in Kürze ausgeschrieben.

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